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Wermelskirchen
Der Sohn denkt, der Vater lenkt

Wermelskirchen. Marvin und Meinhard Rittmeier fahren als Team bereits seit acht Jahren gemeinsame Orientierungs-Rallyes. In diesem Jahr haben sie mit ihrem Oldtimer die "Euregio-Classics" gewonnen. Das war der erste große Gesamtsieg für das Duo. Von Tim Kronner

Mit drei Jahren stand der heute 18 Jahre alte Marvin Rittmeier zum ersten Mal auf einem Siegerpodest am Nürburgring. Er kann sich zwar nicht mehr daran erinnern, aber sein Vater hatte damals ein Rennen der VLN-Langstreckenmeisterschaft gewonnen. Dieses Ereignis scheint den Schüler trotzdem nachhaltig geprägt zu haben, denn: Heute sitzt er selbst im Cockpit. Allerdings nicht alleine. Seit inzwischen acht Jahren fahren Meinhard und Marvin Rittmeier als Vater-Sohn-Team gemeinsam Oldtimer-Rallyes. "Da hat glaube ich kein Weg dran vorbei geführt", sagt Vater Meinhard und lacht. Schlimm findet sein Sohn das nicht - ganz im Gegenteil: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie man besser Zeit mit seinem Vater verbringen kann."

So sitzen sie regelmäßig gemeinsam in einem ihrer Oldtimer. Vater Meinhard hinter dem Steuer, Sohn Marvin auf dem Beifahrersitz. "Der guckt sich von da aber nicht nur die Landschaft an", erklärt Rittmeier. Denn schließlich fahren die beiden Orientierungs-Rallyes, bei denen nach Karte gefahren werden muss. "Rechts sitzt das Gehirn. Ich fahr einfach da lang, wo er sagt", berichtet Rittmeier. Meistens gibt es darüber keine Diskussionen. "Manchmal haben wir aber schon unterschiedliche Meinungen, wie die Karte zu lesen ist", sagt Sohn Marvin. So ein Streit geht bei den Rittmeiers aber schnell vorbei. "Da wäre auch gar keine Zeit für. Man muss ja schnell weiterfahren, wenn man gewinnen will", sagt Marvin.

Wie man gewinnt, weiß man in der Familie Rittmeier anscheinend sehr gut. Denn in diesem Jahr konnte das Vater-Sohn-Team den Gesamtsieg beim "Euregio Classic Cup" holen. Neun Mal fuhren die Rittmeiers mit, sechs Mal kamen sie als Erste ins Ziel. "Darauf bin ich sehr stolz. Das konnten wir nur als Team schaffen", sagt Meinhard Rittmeier. Ihre erste gemeinsame Oldtimer-Orientierungs-Rallye waren die "Bergisch Classics" im Jahre 2008. Danach sammelten die Rittmeiers den ein oder anderen Pokal bei Einzelrennen. Jetzt holten sie ihren ersten großen Gesamtsieg. Als Belohnung durften die beiden im Anschluss bei der "Limburgia-Rallye" mitfahren, die über zwei Tage und knapp 800 Kilometer durch gleich drei Länder führte. "Das war schon etwas Besonderes und definitiv das Highlight in diesem Jahr", sagt Meinhard Rittmeier.

Der ehemalige Werkstattbesitzer und Reifenhändler hat seit jeher Benzin im Blut. Er startete schon mit 18 Jahren beim Autoslalom und fuhr Bergrennen. Danach ging es auf den Nürburgring, wo er einige Siege auf dem Rundkurs einfahren konnte. Außerdem nahm Rittmeier am legendären 24-Stunden-Rennen teil und wurde dort sogar Dritter. "Rennen zu fahren ist eine Herausforderung für Mensch und Material, die mich immer wieder aufs Neue begeistert", sagt Rittmeier. Bezeugen können seine erfolgreiche Rennkarriere die knapp 400 Pokale, die er in seinem Büro und auf dem Dachboden aufbewahrt. Die Zeiten, in denen er mit einer 850 PS starken Dodge Viper über den Ring raste, sind allerdings vorbei. Heute lässt er es etwas ruhiger angehen. "Der Mercedes, mit dem wir in diesem Jahr gefahren sind, hat rund 200 PS. Aber das reicht auch für eine Orientierungs-Rallye", sagt Meinhard Rittmeier. Natürlich handelt es sich beim Modell "E280" um einen echten Oldtimer, der in der hauseigenen Werkstatt perfekt abgestimmt wurde. "Ich helfe meinem Vater öfter, wenn er an den Autos schraubt. Es macht Spaß, das Auto zusammen auf die nächste Rallye vorzubereiten", erzählt Marvin Rittmeier. Hinterm Steuer eines Rallye-Wagens durfte er allerdings noch nicht sitzen. Seit gut einem Jahr hat er selbst einen Führerschein, alleine fahren darf er seit seinem 18. Geburtstag vor etwa zwei Monaten. Die diesjährige Rallye-Saison ist inzwischen vorbei, aber im nächsten Jahr könnte es dann einen Fahrerwechsel im Oldtimer der Rittmeiers geben. "Eigentlich fahre ich ja lieber, als die Karte zu lesen", sagt Meinhard Rittmeier. "Aber ich denke schon, dass sich da die ein oder andere Möglichkeit ergeben wird."

Quelle: RP
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