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Wermelskirchen
Designermode aus Malervlies

Wermelskirchen: Designermode aus Malervlies
Hildegard Schmees in ihrem Blazer aus Malervlies an der Nähmaschine ihrer Mutter. Sie ist begeistert vom "Upcycling" - und möchte am liebsten Kindermode entwerfen und herstellen. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Hildegard Schmees hat sich dem "Upcycling" gewidmet - der Aufwertung alter Stoffe. Von Theresa Demski

Aus Küchenreiben werden Lampen, aus Tetra-Packs Handtaschen und aus Malervlies werden Modestücke für den Laufsteg: Beim "Upcycling" bringen kreative Köpfe neues Leben in alte Dinge. Hildegard Schmees ist 25, hat Modedesign studiert und spätestens seitdem lässt sie der Gedanke des Upcyclings nicht mehr los. "Der Kleiderschrank platzt, man kauft so viel für wenig Geld", sagt sie, "wir sollten Ressourcen besser nutzen." Und das bedeutet auch: Alten Stücken eine neue Chance geben. Und so sind während ihres Studiums gleich mehrere Schmuckstücke entstanden, die ihre deutliche Handschrift tragen.

"In unserer Kindheit hat meine Mutter für uns aus einem alten Vorhang ein Kostüm für das Krippenspiel gemacht", erzählt die Wermelskirchenerin. Der zartrosa Stoff wurde zum Mantel eines Weisen aus dem Morgenland - und lag dann viele Jahre im Kleiderschrank. Dann fand die junge Modedesignerin in der Garage ihrer Eltern den Malervlies. Der hatte schon mehrere Umzüge, Streicheinsätze und Jahre auf dem Buckel. "Perfekt", dachte sich die 25-Jährige. Aus dem Malervlies entstand eine Jacke mit zartrosa Futter, das an den Aufschlägen sichtbar wird. Ein Gürtel aus dem gleichen Stoff führt den Blazer zusammen.

"Ich könnte die Jacke niemals verkaufen", sagt Hildegard Schmees. Verschiedene Angebote schlug sie bereits aus. Und aus Sorge um das besondere Stück trägt sie auch selbst den Blazer nur ganz selten, verleiht ihn nie und hütet ihr Erstlingswerk in Sachen "Upcycling". Es folgten andere Stücke: Aus Hand- und Betttüchern entstanden T-Shirt und Jacke. Und aus einem alten Brautkleid, das ihr Eltern von einem Trödelmarkt in den Vereinigten Staaten mitbrachten, schneiderte die junge Frau ein Sommerkleid.

"Mir fällt diese Arbeit leicht und sie macht mir Spaß", sagt Schmees. Die Ideen sprudeln, wenn sie Stoffe in die Finger bekommt. Auf dem Computer entwirft sie besondere Einzelstücke. "Wir haben im Studium zwar gelernt, mit Stift und Papier zu zeichnen, aber die Technik macht es einem viel leichter", sagt sie. Danach kommt die Nähmaschine zum Einsatz. Im vergangenen Jahr hat sie ihre Begeisterung für das Schneidern von Babykleidung entdeckt - dabei wertet sie alte Stoffe auf und gibt ihnen neuen Glanz.

Inzwischen arbeitet sie in der Finanzbranche. Ihre Nähmaschine hat den Geist aufgegeben. "Aber die Begeisterung ist noch da", sagt Schmees, "und das Upcycling hat mich und mein Konsumverhalten auch nachhaltig verändert." Mit ihren Schwestern und ihrer Mutter trifft sie sich noch regelmäßig zum Nähen und in der Familie ist sie längst zum Ratgeber in Sachen Styling und Mode geworden. Nun spart die 25-Jährige auf eine eigene Industrienähmaschine. "Und eines Tages möchte ich zurück in meinen Beruf", sagt sie. "Upcycling", sagt sie, "am liebsten für Kinder."

Quelle: RP
 
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