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Wermelskirchen
Die "Burschis" gehen auf die Königsetappe

Wermelskirchen: Die "Burschis" gehen auf die Königsetappe
Sie hoffen, dass sie für die Bezwingung des GR 20-Fernwanderwegs auf Korsika möglichst wenig "Tütenkraftfutter" benötigen und wollen sich auch nicht sklavisch an den Wanderführer halten (v.l.): Lukas Galla, Michael Dedek, André Weber und Oliver Fröhlich. FOTO: S. Singer
Wermelskirchen. Die Wermelskirchener Lukas Galla, Michael Dedek, André Weber und Oliver Fröhlich starten am kommenden Freitag zu einer Wanderung über den anspruchsvollen GR20. Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit macht für das Quartett den Reiz aus. Von Stephan Singer

Sie nennen ihr Vorhaben "Burschi Tour", aber ganz so flapsig, wie der Name vermuten lassen könnte, ist das Unterfangen dann doch nicht. Noch vor zwei Jahren starben sieben Wanderer bei einem Unglück auf dem korsischen Fernwanderweg GR 20. Für die Wermelskirchener Michael Dedek, Oliver Fröhlich, André Weber und Lukas Galla kein Grund, das Abenteuer nicht zu wagen - aber Grund genug, sich gut vorzubereiten. Das Quartett macht sich am Freitag, 1. September, auf die Reise nach Korsika, um die rund 180 Kilometer Strecke und etwa 12.500 Höhenmeter des GR 20 zu bezwingen.

"Diese Strecke gehört für passionierte Wanderer mit zu den anspruchsvollsten Fernwanderwegen in Europa. Das ist eine Königsetappe", beschreibt Lukas Galla den GR 20 auf der zum größten Teil aus einem Hochgebirge bestehenden, französischen Insel im Mittelmeer. Für den 28-jährigen Industriekaufmann ist klar: "Darauf habe ich Lust und das wird gut." Galla und seine Mitstreiter, Oliver Fröhlich (44 Jahre, IT-Administrator), Michael Dedek (46, Vermögensberater) und André Weber (28, Groß- und Außenhandelskaufmann) kennen sich nicht erst seit gestern. Sie haben sich über den Handballsport kennengelernt und angefreundet. Seither unternehmen die Familien Fröhlich und Dedek beispielsweise gemeinsame Wanderurlaube. Aus der Verbundenheit zum Handball entstand eine Männer-Clique, eine "geschlossene Einheit", wie es Michael Dedek bezeichnet. Dieser Teamgedanke sei bei der anstehenden Wanderung immens wichtig, schließlich müssten sich bei einer solchen Tour alle blind aufeinander verlassen können.

Die Initiative zur "Burschi Tour" stammt von Lukas Galla, der auch schon auf dem Jakobsweg unterwegs war. Diese aus einer Bierlaune entstandene Schnapsidee liegt zwei Jahre zurück, seither nahmen die Planungen immer konkretere Formen an. Schließlich fixierte das Quartett vor knapp einem Jahr den Reisetermin vom 1. bis 22. September. "Damit geben wir uns etwas Puffer, denn die Wanderung soll nicht in Stress ausarten", sagt Oliver Fröhlich und bezieht sich darauf, dass der GR20 in 15 Tagesetappen eingeteilt ist, wobei jede Etappe an einer Hütte zur Übernachtung und Versorgung endet.

An diese Etappen wollen sich die "Burschis" weitestgehend halten, aber nicht sklavisch: "Vielleicht haben wir ja mal abends Lust, noch zwei Stunden weiterzugehen oder wir kommen an einem Tag nicht ganz so gut voran", erzählt Michael Dedek. Für einen solchen Fall nimmt das Quartett zwei kleine Zwei-Mann-Zelte mit, die gegebenenfalls aufgeschlagen werden können. Genau diese Freiheit ist es, weshalb die Männer leidenschaftliche Wanderer sind und die sie an ihrem Vorhaben reizt: "Das Gefühl von Unabhängigkeit in den Bergen ist einzigartig", meint André Weber. Und Michael Dedek ergänzt: "Kaum Telefonempfang, kein Internet, nur Ruhe - das ist ein geistiger Urlaub, das sind Ferien für die Seele."

Auf Korsika gibt es für die Wanderer Grießbreipulver und Müsli mit Wasser zum Frühstück. Müsliriegel dienen unterwegs zur Stärkung. "Wir wollen uns vor Ort natürlich mit Käse, Wurst und korsischem Wein für das Abendessen versorgen", beschreibt Dedek den Speiseplan. Zur Not gibt es kräftigendes Essen aus der Tüte. "Wir verbrauchen pro Person etwa 4000 bis 5000 Kilojoule - das lässt sich nicht ganz auffangen", weiß André Weber. Jeder der "Burschis" ist mit knapp 17 Kilogramm Gepäck unterwegs. "In der Wanderszene sind wir eher Anfänger statt Freaks. Für Otto-Normal-Verbraucher ist das, was wir da machen, total verrückt", sagt Dedek und lacht.

Weitere Pläne haben die Sportler bereits geschmiedet. So wollen Fröhlich und Dedek mit ihren Familien 2018 eine Alpenüberquerung in Angriff nehmen. Dedek: "Für unser Männerquartett wären die schottischen Highlands oder Norwegen gewünschte Ziele - Orte, an denen möglichst wenig oder keine Zivilisation vorherrscht."

Quelle: RP
 
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