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Wermelskirchen
Die Jimmy-Reiter-Band hatte richtig Laune auf den Blues

Wermelskirchen. Nach einer akademischen Blues-Viertelstunde ging's am Freitagabend zur Primetime gleich mit Schmackes los: Jimmy Reiter war mit seiner Band im Haus Eifgen zu Gast - mit leider nur rund 20 Zuschauern vor einer eher überschaubaren Kulisse. Das machte dem blonden Gitarristen und seinen drei Mitstreitern an Bass, Schlagzeug und Orgel aber gar nichts aus. Mit jeder Menge guter Laune warf das Quartett dem Publikum einen Bluesrocker um den anderen vor, was dieses mit lautstarkem Applaus quittierte.

Und die Jimmy-Reiter-Band hatte richtig viel Lust auf den Blues im Haus Eifgen: "Wir finden das hier total gemütlich. Das wird heute ein richtig schöner Bluesabend werden", kündigte Reiter an. Der Bandkopf, der 2015 als "Best Contemporary Blues Artist" ausgezeichnet wurde, bewies auch Humor: "Hier vor der Bühne ist noch jede Menge Platz, der mit tanzenden Menschen gefüllt werden könnte. Die nächste Nummer eignet sich ganz hervorragend dafür: Sie ist nämlich in H-Dur." Musikerwitze, wenn sie denn zum einen so trocken präsentiert und zum anderen von derart begnadeter Musikalität wie im darauffolgenden Song "Women Don't Lie" flankiert werden, sollten eigentlich ein ganz eigenes Genre im Witzekosmos bekommen.

Man durfte sich an diesem Abend sicher sein, etwas - zumindest in Wermelskirchen - noch ganz und gar Besonderes zu sehen. Denn als Michael Dierks, Vorsitzender der Kulturinitiative Wermelskirchen, in seiner Ankündigung fragte, ob man Jimmy Reiter im Publikum denn kenne, erntete er weitgehend Schweigen. "Aber genau dafür sind wir als Verein da - euch Bands und Musiker nahezubringen, die außerhalb der Stadtgrenzen Wermelskirchens schon total bekannt sind", sagte Dierks. Man mochte anfügen: "Vielen Dank dafür."

Das Quartett hatte sich den erdigen Rhythm'n'Blues der Chicago-Spielart auf die Fahnen geschrieben. Da lugten die Blues Brothers - ohne die Bläser - ebenso um die Ecke, wie BB King, Eric Clapton, oder Albert King, der späte Muddy Waters und ab und zu auch Gary Moore. Und dieser Sound war tatsächlich Balsam auf der Seele. Wenn man etwa eine lange Arbeitswoche hinter sich gebracht hatte. Oder wenn einem die Frau weggelaufen war - oder der Mann. Wenn einfach alles schiefgegangen war, was schiefgehen konnte. Wie schön, dass es dann doch noch Songs mit positiven Titeln gab: "Yes I Do" etwa. War doch gar nicht so weit vom Obama'schen "Yes We Can" entfernt. Ach ja, der Blues und seine heilende Wirkung - im Haus Eifgen taten beide das Ihrige, und das äußerst effektiv. Der Dank sollte in jedem Fall den Akteuren dieses Konzertabends gelten - bitte unbedingt wieder einladen, Herr Dierks.

(wow)
 
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