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Wermelskirchen
Die Kirmes in Dhünn steht vor dem Aus

Wermelskirchen: Die Kirmes in Dhünn steht vor dem Aus
Beim Festumzug (hier 2012) können sich Vereine und Betriebe präsentieren. Für dieses Jahr lagen dem VVV schon mehr als 50 Anmeldungen vor. FOTO: Hertgen Nico
Wermelskirchen. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Dhünn kann die Sicherheitsauflagen, die teils mit hohen Kosten verbunden sind, nicht erfüllen. In diesem Jahr gibt es eine abgespeckte Kirmes ohne Festumzug. Ob sich die Ehrenamtler in Zukunft engagieren, ist ungewiss. Stadt bietet Hilfe an. Von Sebastian Radermacher

Die Enttäuschung ist Frank Jäger und Axel Eversberg deutlich anzumerken. Der Grund: Die Kirmes in Dhünn steht vor dem Aus. "Wir können die von der Stadt geforderten Sicherheitsauflagen, die teils mit hohen Kosten verbunden sind, nicht erfüllen", sagt Frank Jäger, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) Dhünn, der seit Jahren für eine attraktive Kirmes im Dorf sorgt.

Das Seifenkisten- und Bobbycar-Rennen war in den vergangenen Jahren ein Highlight - ob es noch einmal ein solches Rennen geben wird? FOTO: Schütz Michael

Der Vorstand habe entschieden, 2017 lediglich eine abgespeckte Kirmes (samstags spielt eine Band, sonntags gibt's den Abschlussgottesdienst der "Hoffnungswoche") zu organisieren. Ob die Ehrenamtler 2018 überhaupt in die Planung einsteigen werden, ist ungewiss. Jäger: "Wir können zurzeit nicht sagen, ob wir weitermachen werden."

Bei einem Ortstermin am Montag mit Bürgermeister Rainer Bleek, dem Beigeordneten Stefan Görnert und Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann hatten die VVV-Ehrenamtler ihre Planungen für die Kirmes am 19. und 20. August noch einmal vorgestellt. Geschäftsführer Axel Eversberg nennt einen Knackpunkt: Seit einigen Jahren baue der VVV einen großen Fallschirm auf, der als Überdachung dient - "jetzt gibt es baurechtliche Anforderungen, die wir nicht erfüllen können". Konkret geht es um ein Gutachten ("Prüfbuch") für dieses "fliegende Bauwerk" - die Kosten dafür liegen bei 15.000 bis 20.000 Euro.

'Der große Lastenfallschirm dient als Überdachung - hier bei der Kirmes in Dhünn im vergangenen Jahr. FOTO: Felder / N.H. / M.S.

Der zweite Knackpunkt ist der große Festumzug, der als Alternative zum Seifenkistenrennen diesmal wieder den Kirmes-Höhepunkt bilden sollte. "Wir müssen ,Wagenengel' stellen, die zu Fuß neben den Traktoren mitgehen", sagt Jäger. Außerdem seien keine Aufbauten an den Wagen möglich. Es gelten Auflagen wie beim Rosenmontagszug in Dabringhausen. Jäger: "Wir sind aber kein Rosenmontagszug, bei uns präsentieren sich lediglich Betriebe und Vereine aus dem Dorf." Dem VVV lagen bereits mehr als 50 Anmeldungen vor. "Es ist ein großer Schlag für uns", sagt Jäger. Zumal der Festumzug bereits zweimal problemlos funktioniert habe - "ohne entsprechende Auflagen".

Die Stadt verteidigt ihre Vorgehensweise. "Wir sehen in dem großen Lastenfallschirm ein Risiko, das wir nicht mittragen können", sagt der Bürgermeister. Wie Daniel Angstmann (Amt für Stadtentwicklung) erläutert, sei der Schirm, der in etwa 16 Metern Höhe an einem Kran befestigt und dann zu den Seiten abgespannt werde, ein "fliegender Bau", für den bei der Bauaufsicht Köln ein "Prüfbuch" eingeholt werden müsse. "Das haben wir dem VVV auch schon im März mitgeteilt", ergänzt Ordnungsamtsleiter Arne Feldmann.

Warum hat die Stadtverwaltung den Schirm nicht schon in der Vergangenheit beanstandet? "Weil wir davon nichts wussten", sagt Feldmann. Und Bleek ergänzt: "Mir ist der Fallschirm im Vorjahr zum ersten Mal aufgefallen, da habe ich mir aber keine Gedanken über die Sicherheit gemacht." Dann habe es aber einen Vorfall gegeben, der die Verwaltung habe aufhorchen lassen: Bei der Kirmes 2016 habe eine Windböe den Schirm erfasst, der an Häusern, Traktoren und auch an einem massiven Verkehrsschild befestigt war. "Durch die Böe wurde das Schild aus der Verankerung gerissen. Das war sehr gefährlich", berichtet Feldmann.

Zu den VVV-Plänen für den Festumzug sagt der Bürgermeister: "Uns ist in der Vergangenheit kein Umzug zur Dhünner Kirmes gemeldet worden - und auch beim Ortstermin haben wir keine belastbaren Informationen erhalten, was dort eigentlich stattfinden soll." Beigeordneter Stefan Görnert versichert, die Verwaltung habe versucht, dem VVV zu helfen und eine Lösung zu finden. "Wir haben Alternativen vorgeschlagen, zum Beispiel kleinere Zelte zu nutzen - damit sind wir aber auf Granit gestoßen", sagt er. Auch die Anregung, die Route des Umzugs zu ändern und einen abgesperrten Zuschauerbereich einzurichten (Feldmann: "Wir hätten Absperrgitter und Manpower gestellt"), sei abgelehnt worden.

Die VVV-Aktiven sehen ein, dass sich die Stadtverwaltung regelkonform verhalte. "Diese Regeln machen es für uns aber unmöglich, die Kirmes in der bisherigen Form beizubehalten", sagt Jäger. Fakt sei, dass die Stadt Veranstalter der Kirmes sei, nicht der VVV. "Wir haben immer für ein attraktives Programm gesorgt", betont Axel Eversberg. Der VVV, dem aktuell 240 Mitglieder angehören, möchte eine attraktive Kirmes auf die Beine stellen. "Wir wollen Dhünn durch solche Events im Gespräch halten und den Menschen etwas bieten", sagt Jäger: "Wir haben das Gefühl, dass Dhünn von der Stadt vernachlässigt wird." Man werde mit den Mitgliedern besprechen, wie es jetzt weitergehe.

Die Stadtverwaltung hofft, dass die Kirmes in Dhünn eine Zukunft hat. "Wir haben dem VVV angeboten, für 2018 frühzeitig gemeinsam ein Konzept zu erarbeiten", sagt Feldmann. Solche Feste in den Außenorten leben laut Bleek von dem Engagement der Menschen vor Ort. Das könne die Stadt gar nicht leisten. "Dieser Einsatz ist lobenswert. Sollte der VVV sein Engagement einstellen, bedeutet dies das Ende der Dhünner Kirmes", betont Bleek und fügt an: "Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden."

Quelle: RP
 
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