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Wermelskirchen
Die "Kölner Teller" stoppen die Raser

Wermelskirchen. Ein Konzept gegen den Durchgangsverkehr auf der Telegrafenstraße gibt es nicht. Raser haben auch freie Fahrt in der Innenstadt und in den Wohngebieten. Hückeswagen macht's vor, wie man sie stoppen kann. Von Udo Teifel

In diesen Tagen können Fußgänger die Innenstadt genießen – es ist Urlaubszeit. Das Verkehrsaufkommen auf der Telegrafenstraße hat sich deutlich reduziert. Es ist fast schon ruhig. Doch spätestens am 2. September ändert sich die Situation schlagartig. Dann quält sich der Durchgangsverkehr wieder durch diese Straße – obwohl der Brückenweg den innerstädtischen Verkehr aufnehmen soll. Dafür wurde er extra ausgebaut. Kontrollen gibt es nicht, Ideen hat man im Rathaus auch nicht. Hückeswagen aber macht vor, wie man effektiv den Verkehr lenkt: Die Nachbarstadt setzt "Kölner Teller" ein.

Diese Geschwindigkeitshemmer (300 Millimeter im Durchmesser, 50 Millimeter hoch) hat es auch in Wermelskirchen schon einmal gegeben – Anfang der 90er Jahre. Sie sollten in verkehrsberuhigten Straßen oder Tempo-30-Zonen die Raser zwingen, auf die Bremse zu treten. Der damalige Beigeordnete Alexander Heuer hatte sie als Teil der Verkehrsberuhigung favorisiert. Doch nach dem Sturz eines Radfahrers ließ er sie im Stadtgebiet (Braunsberg, Asterweg, Irlenweg, Heisterbusch) entfernen. Der Grund: Die Versicherung übernahm damals nicht die Schadensfälle.

Enttäuschung herrschte besonders im Kindergarten Heisterbusch: Dort hatte sich der Kindergartenrat ausdrücklich für die Verkehrsberuhigung bedankt – nach der überraschenden Entfernung befürchtete man, dass vor dem Kindergarten wieder schneller gefahren werde.

In Hückeswagen waren vor einem Jahr in der Friedrichstraße die Geschwindigkeitshemmer aufgeklebt worden. "Viele Verkehrsteilnehmer nutzten diese enge Wohnstraße als Abkürzung. Nur mit einem Hindernis ließ sich dieser Verkehr stoppen", so Michael Henseler (Bauamt Hückeswagen). Die "Kölner Teller" wurden im Abstand von 40 Metern in Doppelreihen auf die Fahrbahn geklebt. "Der Erfolg bestätigt uns: Erwartungsgemäß reduzierte sich das Verkehrsaufkommen. Und die Autofahrer, die dennoch durch die Friedrichstraße fahren, rasen auch nicht mehr."

Wichtig dabei war: Die "Kölner Teller" wurden nicht über die komplette Fahrbahn verteilt. "Es gibt einen ein Meter breiten Streifen ohne Teller für Fahrradfahrer und Rollstuhlfahrer. Die brauchen nicht über die Teller fahren."

Die Polizei ist sehr vorsichtig bei der Bewertung von "Kölner Tellern". "Wir müssen immer den Einzelfall sehen", so Sprecher Peter Raubuch. So habe es in Bergisch Gladbach einen Unfallschwerpunkt vor einem Kreisverkehr gegeben. Dann wurden vor der Einfahrt die Aluminiumteller aufgeklebt – seither gibt es keine Unfälle mehr. "So ein Einsatz überzeugt natürlich."

Als Pro-Argument bezeichnet er die extrem hohe Aufmerksamkeit, die die Teller erfordern. "Sie signalisieren dem Autofahrer: Jetzt muss ich meine Geschwindigkeit reduzieren." Als Contra-Argumente führt er an, dass sie "nicht ungefährlich" seien für Motorrad- und Zweiradfahrer. Zudem könnte sich eine Lärmbelästigung entwickeln, wenn Schwerlastverkehr über die Teller rolle. "Auch die Haftungsfrage scheint nicht eindeutig geklärt." So werde die Polizei keine generelle Empfehlung abgeben.

Und die Stadtverwaltung? Der Beigeordnete Jürgen Graef erinnert sich, dass Anfang der 90er Jahre die Teller entfernt wurden. Damals habe eine klare Haftungsaussage gefehlt. Das Fachamt prüfe derzeit sämtliche Möglichkeiten einer Temporeduzierung auf der Telegrafenstraße, "Kölner Teller" seien da eine Option, aber nicht die erste. "Den Durchgangsverkehr rauszuhalten, das wird aber schwierig." Da bestehe die Gefahr, die Innenstadt unattraktiv zu machen.

Quelle: RP
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