| 00.00 Uhr

Hauptkommissar Walter Steinbrech
Die Polizei klärt über Cybermobbing auf

Wermelskirchen. Jeder fünfte Schüler gibt an, schon einmal per Smartphone oder PC angefeindet worden zu sein. Cybermobbing ist auch in der bergischen Region ein großes Problem, sagt Kriminalhauptkommissar Walter Steinbrech.

Es gab Zeiten, in denen sich Schüler gegenseitig nur ein wenig geneckt haben. Hat Mobbing heute eine andere Qualität?

Steinbrech Absolut. Das klassische Mobbing hat innerhalb der vier Wände stattgefunden. Mittlerweile hat Cybermobbing durch die "Neuen Medien" im schlimmsten Fall einen globalen Charakter. Schon der Personenkreis ist riesig.

Was genau verstehen Sie unter Cybermobbing?

Steinbrech Das Beleidigen, Bloßstellen, Belästigen oder/und Bedrohen anderer Personen. Durch das Cyber kommt hinzu, dass Endgeräte aus der IT benutzt werden, um dieses Ziel durchzusetzen.

Ist das ein großes Thema in der bergischen Region?

Steinbrech Es ist ein Thema, wir haben aber keine verlässlichen Zahlen. Mobbing kann Straftaten wie Stalking oder die Verletzung der Persönlichkeitsrechte beinhalten. Das Problem ist, dass Mobbing selbst nicht als Tatbestand erfasst ist.

Viele Grundschüler haben bereits Smartphones. Ab welchem Alter geht es los?

Steinbrech In der bergischen Region sind wir in den Schulen ab der Klasse sieben unterwegs und klären auf. Das ist eigentlich viel zu spät. Was die Zeit vorher betrifft, müssen Eltern ihren Erziehungspflichten nachkommen.

Ist die Täter- und Opferrolle bei Jungen und Mädchen klar verteilt?

Steinbrech Überhaupt nicht. Es gibt keine Geschlechtertrennung und geht quer durch die Altersgruppen. Auch bei der Schulform geht es querbeet, weil fast 100 Prozent der Schüler die nötige technische Ausstattung haben.

Wie läuft Cybermobbing denn konkret ab?

Steinbrech Es gibt den klassischen Haupttäter, der seine Clique hat und ein Opfer auserwählt. In der Regel sind das Menschen, die etwas Besonderes haben, eine andere Hautfarbe, Religion oder der klassische Lehrerliebling. Dann verselbstständigt sich der Verlauf. Mitläufer kommen hinzu, die lieber zu den vermeintlich "Starken" gehören, als selbst Opfer zu werden.

Was raten Sie Betroffenen?

Steinbrech In jedem Fall mit Lehrern, Eltern oder guten Freunden darüber zu sprechen, um aus der Situation wieder herauszukommen. Fatal wäre es, sich abzukapseln.

Sind die Lehrer und Eltern wachsam genug?

Steinbrech Lehrer haben oft keine Chance, weil sie in den Medien nicht so sehr drin sind. Die haben keinen Zugang zu den Schülernetzwerken. Wir appellieren: Wenn ihr mitbekommt, dass so etwas läuft, dann meldet es. Die Anwendergeneration hat einen Wissensvorsprung. Viele Eltern kennen Whatsapp, wissen aber nicht, was zum Beispiel Snapchat ist (Anm. d. Red.: App zum Versenden von Fotos, die sich nach Sekunden selbst löschen).

Was tut die Polizei dagegen?

Steinbrech In der bergischen Region ist die Polizei mit dem Präventionsbaustein Klasse 7 unterwegs. Der beinhaltet den Film "Netzangriff". Das ist ein 45-minütiger Jugendkrimi mit dem Schwerpunkt Cybermobbing. Darauf bauen wir einen zweistündigen Vortrag auf, um aufzuklären.

JESSICA BALLEER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Hauptkommissar Walter Steinbrech: Die Polizei klärt über Cybermobbing auf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.