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Wermelskirchen
Die Post an der Telegrafenstraße

Wermelskirchen. Vor 50 Jahren wurde die Post an der Telegrafenstraße eröffnet. 4000 Menschen kamen zur Eröffnung. Ein Rückblick. Von Walter Schubert

Im April 1967 freuten sich die Bürger in Wermelskirchen über "ihre neue Post" an der Telegrafenstraße. An einem Informationswochenende strömten insgesamt 4000 Wermelskirchener in die neue Filiale, steht in einem historischen Bericht des Wermelskircheners Claus Füllhase. "Die Besucherzahlen kenne ich nicht, aber ich kann es mir gut vorstellen. Die Post hatte einen wichtigen persönlichen Stellenwert für die Bürger, es war ,ihre Post', in der ganz viele Dinge abgewickelt wurden", erinnert sich Wolfgang Craen, der in der Eröffnungszeit am Paketschalter gearbeitet hatte.

"Wir haben uns damals richtig über den Umzug gefreut", sagt er und berichtet über die beengten Räumlichkeiten am alten Standort in der Taubengasse, dort wo sich heute die Firma Hammerschmidt befindet. Im damals neuen Gebäude gab es einen großen Raum mit Schließfächern, eine große Annahmestelle für Pakete und richtige Schalter, an denen Briefmarken von Mensch zu Mensch verkauft wurden. "Es war eine ganz andere Zeit, die Menschen hatten noch jede Menge Briefe verschickt", sagt Craen rückblickend. Auch ganz viele Geldgeschäfte wurden in der Postfiliale getätigt. "Es gab eine Rentenstelle - die Renten wurden in bar ausgezahlt", berichtet Craen.

Auch Witwen kamen in die Post, um nach einem Sterbefall innerhalb von zwei Tagen ihr Überbrückungsgeld abzuholen, erzählt Craen. Viele Bürger hatten zu dieser Zeit noch gar kein Konto, der unbare Zahlungsverkehr steckte noch in den Kinderschuhen. Die Werbung für die Postbank und für ein eigenes Konto setzte erst Ende der 1960er Jahre ein. Es war die Zeit der Gastarbeiter. Die erhielten ihren Lohn wöchentlich am Freitag oder Samstag in bar ausgezahlt, in der sogenannten Lohntüte. "Die kamen regelmäßig zur Post. Und wir haben dann die Geldbeträge telegrafisch in die Heimatländer überwiesen", sagt Craen: "Einige dieser ehemaligen Gastarbeiter sind ja hier geblieben, man kennt sich immer noch - das ist schön." Auch die Briefzusteller freuten sich über den neuen Standort, denn nun gab es einen großen Sortier-Raum zur Vorbereitung der Touren. Heute ist es kaum vorstellbar, dass auch die Briefträger mit großen Bargeldsummen unterwegs waren, um Renten auszuzahlen.

Auch Benno Klinke erinnert sich gerne an diese Zeit. "Es war menschlicher mit einem richtigen Kundenkontakt", erzählt der Wermelskirchener, der 1967 als Briefzusteller arbeitete. Er absolvierte seine Ausbildung in Lennep, kam für einen Tag an den Standort Taubengasse und dann in die neue Post an der Telegrafenstraße. "Wir haben bei den Leuten Rundfunkgebühren und Zeitungsgeld kassiert. Ein Schwätzchen war absolut Pflicht - und manchmal gab es auch eine Einladung zu einem Kaffee, einem Schnäpschen oder gar einem kompletten Mittagsessen", sagt er.

Auch die Rundfunkgebühren wurden in der Post mit Bargeld bezahlt. "Es gab verschiedene Stellen für Rente, Rundfunk, Telefon, Zeitung mit eigenen Sachbearbeitern", erinnert sich Klinke. Viele Mitarbeiter waren nötig, um die vielen manuellen Arbeitsschritte zu erledigen. So wurden Adressen für die Zeitungszustellung vor Ort aufgedruckt. Und hinter dem neuen Gebäude rangierten tatsächlich die Postbusse bis zum Umzug 1975 an den heutigen RVK-Standort an der Ecke Grünestraße/ Braunsberger Straße. Vor 50 Jahren wurde berichtet, dass sich die Fassade des neuen Postgebäudes "dem bergischen Stadtbild" anpasst. Wie mögen das wohl die Bürger 50 Jahre später beurteilen?

Quelle: RP
 
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