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Wermelskirchen
Die Rückkehr eines Selfmademans

Wermelskirchen: Die Rückkehr eines Selfmademans
Friedel Zander (79) atmet seit einigen Wochen wieder Wermelskirchener Luft. FOTO: Nico Hertgen
Wermelskirchen. Friedel Zander wanderte 1955 ins kanadische Montreal aus, arbeitete wie ein Besessener, machte sich einen Namen und baute sich in den 90ern ein Leben in Florida auf. Jetzt ist er zurück in Wermelskirchen. Ein Hausbesuch. Von Jan Dobrick

Im Wohnzimmer von Friedel Zander stapeln sich Aktenordner und Laptops auf den vielen kleinen Beistelltischen. Dazwischen sammeln sich Zollstöcke, Locher, zahllose Stifte. In der hintersten Ecke brummt ein weißer Kasten - ein Luftreinigungsgerät. Das rote Lämpchen blinkt. "Der Filter muss gewechselt werden", sagt der Mann, der das Gerät entwickelt hat. Gestatten, Friedel Zander, 79, Unternehmer, Erfinder, Kanadier, Amerikaner und Wermelskirchener. "Ich will 100 Jahre alt werden, habe also noch viel vor", betont er. Bei alldem helfe, gefilterte Luft zu atmen.

Amerikanische Luft atmet er seit ein paar Wochen nicht mehr. 1954 wanderte der Selfmademan von Wuppertal ins kanadische Montreal aus und lebte bis vor Kurzem noch in Vero Beach im US-Bundesstaat Florida - gemeinsam mit seiner Ehefrau Helga (84). "Helga ist krank, darum haben wir uns entschlossen, sie in Deutschland behandeln zu lassen", sagt Friedel Zander, der zwei Sprachen mischt, um zu erklären, dass er das sonnige Leben in Florida schon ein wenig vermisst, was sich irgendwie weltmännisch anhört. Die Stadt der Dellmänner ist eine Zwischenstation.

Geboren wurde Friedel Zander in Wuppertal-Elberfeld, Mutter Irene stammte aus Dhünn, zwischenzeitlich lebte die Familie in Oberhagen. Zander machte bei der Sparkasse eine Lehre und meldete sich 1953, gemeinsam mit seinem 18 Monate älteren Bruder Klaus Siegfried, zur Auswanderung an. Auslöser: Der Frust über ein Rad, dass den Beiden in Hückeswagen gestohlen wurde. "Wir dachten uns in dem Moment: Überall ist es sicherer als im Bergischen." Außerdem hatte Bruder Klaus Siegfried Liebeskummer. Seine Freundin hatte ihn verlassen, die Helga, die sich in den 90ern in Friedel Zander verliebte, ihm über den großen Teich folgte, ihn 2008 heiratete. Es ist seine dritte Ehe.

Ende September 1954 saß Bruder Klaus Siegfried im Flugzeug nach Montreal, Friedel Zander und Mutter Irene kamen im Mai 1955 mit der "Seven Seas", die in Bremerhaven abfuhr, nach. "Ich war zwölf Tage seekrank", bemerkt Zander, der sich in Kanada schnell erholte, einlebte, einarbeitete. Der Wille und das Organisationstalent waren da. Speditionsfirmen heuerten Friedel Zander an, um Projekte zu managen, die andere nicht managen konnten. "Es gab kein Problem, das ich nicht löste", sagt der Fleißarbeiter. Nebenher baute er sich ein Haus. "Zehn Jahre habe ich keinen Urlaub gemacht."

1967 wurde er kanadischer, 1992 amerikanischer Staatsbürger, er gab den deutschen Pass ab. Jobs im Sudan, in Saudi-Arabien, Frankreich oder Deutschland jagten ihn quer über den Globus. "Ich war in etwa so häufig über den Wolken wie auf dem Boden", sagt Friedel Zander. "Auch nach Dhünn habe ich immer mal den einen oder anderen Abstecher gemacht." 1990 zog er nach Florida, wieder seinem Bruder hinterher, gründete eine Firma für medizintechnische Geräte (Zandair) und ließ sich erfolgreich nieder.

Jetzt der Umzug. Und der hatte es in sich. "Es ist aufwendig und teuer, ein Auto einzuführen", sagt Friedel Zander, der bei den Behördengängen schon sein blaues Wunder erlebt hat. Bisher lebten die Zanders aus dem Koffer, jetzt ist der Container aus den USA angekommen. Positiv: "Einleben müssen wir uns nicht, wir waren ja oft hier", sagt Friedel Zander, setzt sich an seinen Schreibtisch, atmet tief ein und erinnert sich an den Filter, den er austauschen wollte. Auch in Wermelskirchen gibt es immer was zu tun.

Quelle: RP
 
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