| 00.00 Uhr

Wermelskirchen
Die "Schwatzfahrer" liefern nur "Schwatzsinn"

Wermelskirchen: Die "Schwatzfahrer" liefern nur "Schwatzsinn"
Wermelskirchen. Der Vorspann aus dem Off in der Katt zur sogenannten LateNightLeseShow der "Schwatzfahrer" war prophetisch: In Wermelskirchen an der Katt müssen alle Fahrgäste aussteigen. Endstation. Die letzten beiden Fahrgäste werden mit Gewalt herausgeschmissen. Von Bernd Geisler

Sie wollten sitzen bleiben. Das hätten die beiden "Schwatzfahrer" - die Bochumer Comedy-Schreiberin Sabine Bode und der Wuppertaler Autor und Bühnenliterat Jörg Degenkolb-Deerli - besser auch tun sollen. Um schnurstracks den Rückweg anzutreten. Was immer die beiden auch bewogen hat, ihren Schwatzplatz auf der Bühne der Katt einzunehmen - sie hätten zu Hause bleiben sollen.

Dann wäre den Besuchern einer der uninspirierendsten Abende in der Geschichte der Katt als Wermelskirchens Kulturtempel erspart geblieben. Angekündigt als "turbulente Show mit Gags und Glossen, Talk und Text" erlebte die Katt zum Gähnen langweilige Dialoge und farblose, blindgängerische Pointen zuhauf. Alles aneinandergereiht ohne Konzept und schon gar nicht mit einer Dramaturgie, um die Leute bei Laune zu halten. Irgendwie nur Schwatzsinn.

Ob hintersinnige Presseschlagzeile wie "Motorsägekurs für blutige Anfänger", die Ankündigung eines martialischen "Ursulator-Films", ein Sprengstoffgürtel als Silvesterüberraschung oder eine "Bananenbox" als Weihnachtsgeschenk - das diesen Kleinoden sprachlicher und kreativer Inspiration innewohnende Feuer sprang nicht aufs Publikum über. Hier und da ein Lacher, ein höfliches Händeklatschen, aber mehr auch nicht. Auch "lustige" Gebrauchsanweisungen wie "Ziehen Sie nach Einführen des Tampons den Schlüpfer wieder hoch" oder "Kleidung nicht am Körper bügeln" segelten nur als lahme Hüte ins Publikum. Mag sein, dass das Publikum nicht auf Texten aus dem Schwatzschatz des Poetry Slam eingestellt war und auf das schwatzige Vorlesen derselben auch nicht. Gleichwohl sind es zwei Paar Schuhe: das Schreiben hintersinniger Texte und ihre Präsentation. Gute Texte zu schreiben, bedeutet noch lange nicht, sie auch treffend präsentieren zu können.

Den Schwatzfahrern fehlte es an Tempo, Dynamik, Esprit, Spannungsaufbau und Überraschung - alles Mittel, um ein Publikum bei der Stange zu halten. Lustig alleine reicht nicht. Leider war auch Gast Helmut Sanftenschneider, der selbst ernannte "Ruhrpott-Banderas", kein Lichtblick. Wer jemals einen spanischen Flamenco-Gitarristen gehört hat, merkt, dass Sanftenschneiders Flamenco-Gitarrenspiel so authentisch ist wie - frei nach einem Vergleich von Sabine Bode - das Englisch des Lothar Matthäus. Kein Wunder also, dass sich bereits in der Pause die Reihen lichteten und am Ende die Zugabe ausblieb. Dieser Schwatz war fehl am Platz.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wermelskirchen: Die "Schwatzfahrer" liefern nur "Schwatzsinn"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.