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Wermelskirchen
Die Sorge der Todesschützin galt ausschließlich ihrem Hund

Wermelskirchen. Polizeibeamte waren die Ersten, die mit der 46-jährigen Jägerin hautnahen Kontakt hatten, nachdem diese in Pohlhausen ihren Vermieter und seine Lebenspartnerin mit ihrer Jagdwaffe erschossen hatte. Deswegen kommt den Aussagen dieser Beamten ein großes Gewicht zu. In diesem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht Köln geht es darum, ob die Unterbringung der Beschuldigten wegen Schuldunfähigkeit in ein psychiatrisches Krankenhaus anzuordnen ist. Von Bernd Geisler

Am vierten Tag der Verhandlung waren gestern hauptsächlich die an der Festnahme beteiligten Beamten geladen. Sie alle sagten unabhängig voneinander aus, dass die Beschuldigte während und nach der Festnahme einen teilnahmslosen Eindruck machte: "So, als ginge sie das alles gar nichts an." Bis auf eine Ausnahme - ihr Hund. Es sei ihre größte Sorge, dass der Hund nicht ins Tierheim komme. Damit lag sie allen Beamten in den Ohren, die sie wegführten und in Gewahrsam nahmen. Die eigentliche Tat erwähnte sie überhaupt nicht. Dafür aber auch einmal ihre Kaninchen, die versorgt werden müssten, und ihre Wohnung - die müsse abgeschlossen werden. Sie wirkte "ganz normal, aber der Situation völlig unangemessen", wunderte sich eine Beamtin.

Sie war bei einem früheren Polizeieinsatz dabei gewesen, als sich die Beschuldigte massiv gegen das Kürzen von Bäumen auf dem Grundstück ihres Vermieters gewehrt hatte. Sie soll dabei hysterisch geschrien und in Folge dem Vermieter ins Bein gebissen haben. Auszugsweise verlas der Vorsitzende das minutiös geführte Tagebuch der Beschuldigten. Darin bezeichnete sie ihren Vermieter stets als "A...loch" und "Sch... kerl".

Offensichtlich sah sie in jeder seiner Tätigkeiten eine bewusste Provokation: vom Auf- und Ablassen der Rollladen über das An- und Abstellen des Radios, Kochen und Stühlerücken bis zum Kommen- und Gehen. Die befragten Einsatzleiter der Polizei erläuterten auch, warum nach Bekanntwerden der Tat - es hatten mehrere Pohlhausener nach dem Knallen der Schüsse den Notruf alarmiert - sie nicht sofort die Beschuldigte aus dem Haus geholt hatten. Die Beschuldigte hatte dem Zeugen, den sie als Erste nach der Tat angerufen hatte, damit er ihren Hund abhole (wir berichteten), in einem weiteren Gespräch erzählt, sie hoffe, dass die Polizei sie erschieße. "Wir durften uns also nicht auf einen Schusswechsel mit ihr einlassen", sagte ein Einsatzleiter.

Er forderte das SEK an, um die Frau festzunehmen. Danach nahmen die örtlichen Beamten sie in Gewahrsam. "Sie saß im Chaos auf blutigem Boden und hatte Gewebereste und Knochensplitter an der Kleidung", sagte ein Beamter. Sie habe dabei einen gleichgültigen Eindruck hinterlassen, so, als habe sie mit der Tat nichts zu tun.

Quelle: RP
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