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Wermelskirchen
Die Telegrafenpassage braucht neue Impulse

Wermelskirchen: Die Telegrafenpassage braucht neue Impulse
Verkaufsoffener Sonntag zu "à la carte" mit tausenden Besuchern - die Telegrafenpassage blieb aber geschlossen. FOTO: Teifel
Wermelskirchen. Kodi möchte in Wermelskirchen eröffnen, nennt aber noch keine Standort-Details. Händler der Passage fordern eine Wiederbelebung. Von Sebastian Radermacher und Tim Kronner

Der Haushaltswaren-Discounter Kodi möchte in Wermelskirchen eine Filiale eröffnen. "Wir haben Interesse am Standort Wermelskirchen. Wir möchten unser Filialnetz ausbauen und Kodi auch in Ihre Nachbarschaft bringen", bestätigt eine Kodi-Sprecherin. Nach Informationen unserer Redaktion soll Kodi auch die Telegrafenpassage als möglichen Standort in der Innenstadt ins Auge gefasst haben.

Offiziell hält sich das Unternehmen bedeckt. "Es gibt keine konkreten Vorhaben, Mietverträge, Bauvorhaben oder Ähnliches für den Standort Wermelskirchen", teilt die Sprecherin mit. Man suche aber bevorzugt nach Ladenlokalen in Stadtteilzentren, Einkaufsstraßen oder belebten Fußgängerzonen. Die Telegrafenpassage könnte von der Lage und Größe die Anforderungen von Kodi erfüllen. Und sie braucht einen neuen Ankermieter als Publikumsmagneten. Mehr als die Hälfte der Ladenfläche im Erdgeschoss steht leer. Vor allem der vordere Bereich hin zur Telegrafenstraße, wo früher Quickschuh und Schlecker angesiedelt waren und jetzt weiße Wände die Leerstände verdecken, ist kein Blickgang für Kunden.

Für die verbliebenen Einzelhändler steht fest: Die Passage muss dringend wiederbelebt werden - "sonst stirbt sie aus", sagt Klaus-Martin Hake. Er betreibt sein Foto-Geschäft bereits seit 1997 in der Passage. Der zunehmende Leerstand bereitet ihm große Sorgen. "Es muss wieder mehr Kundenfrequenz hier rein, sonst wird das Überleben schwierig." Er gibt die Schuld an der Misere vor allem der Stadtverwaltung und dem Stadt-Karree. "Es wurde nicht erkannt, dass man dadurch keine neuen Kunden anlockt, sondern nur aus anderen Bereichen wegzieht", kritisiert Hake. Die Telegrafenpassage brauche dringend neue Geschäfte. "Eine Idee wäre Rossmann", schlägt er vor. "Ich denke, es ist genug Platz für zwei große Drogerie-Märkte." Und Kodi in die Telegrafenpassage? Davon hält Hake wenig. "Das könnte eine höhere Kundenfrequenz bringen - aber für wie lange?" Kodi sieht er im gleichen Segment wie Woolworth. "Das gibt dann auch wieder nur eine Kundenverlagerung, bei der einer leer ausgeht", befürchtet Hake.

Ähnlich sieht es Maria Führer, die als Verkäuferin bei Früchte Krings arbeitet. "Kodi ist ein Krims-Krams-Laden wie Woolworth. So etwas spricht die Wermelskirchener nicht so an", meint sie. Trotzdem ist ihr klar, dass in der Telegrafenpassage etwas passieren muss. Sie hat eine andere Idee: "Ich werde ständig gefragt, wo man frische Sachen kaufen kann. Ein ,Tante-Emma-Laden' mit Milch, Käse und anderen frischen Lebensmitteln könnte mehr Kunden in die Passage locken." Dem stimmt die Wermelskirchenerin Cornelia Stöhr zu. "Ich würde mir wünschen, dass man irgendwo auf die Schnelle frische Sachen kaufen kann", sagt sie. Die Telegrafenpassage nutzt sie derzeit eigentlich nur als Abkürzung. Rita Vogt, die häufig in der Passage unterwegs, ist ratlos: "Ich verstehe nicht, wieso immer weniger los ist. Das muss man doch irgendwie ändern können."

Bürgermeister Rainer Bleek hofft, dass sich die Lage bald verbessert. "Eine belebte Telegrafenpassage ist wichtig für Wermelskirchen", sagt er. Die Stadt könne bei Anfragen von Gewerbetreibenden als Vermittler tätig werden, jedoch nicht federführend die Passage entwickeln. Eine Kodi-Filiale in der Stadt würde Bleek begrüßen: "Das wäre eine Bereicherung."

Quelle: RP
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