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Wermelskirchen
Die verschlungenen Wege der Liebe

Wermelskirchen. Die ersten 30 Sekunden des Kontaktes zwischen zwei Personen sollen entscheidend sein: Mögen sie sich oder nicht? Und natürlich ist es klar, dass sich beiden Figuren im Theaterstück von Fabrice Roger-Lacan "Die Tür nebenan" von Anfang an mögen. Sie wissen es nur noch nicht. Sonst würden die Heimarbeits-Psychologin und der Marketingmanager eines Joghurts nicht einen Anlass nach dem anderen wahrnehmen, um sich zu begegnen. Und sich dabei gehörig auf die Nerven gehen: Sie wohnen Tür an Tür und suchen Streit. Ganz nach dem Motto für Erwachsene: "Was sich liebt, das keift sich." Gegensätze ziehen sich an, mag der Autor gedacht haben, als er dieses Szenario entwarf. Von Bernd Geisler

Für den Besucher des ausverkauften Stücks im Film-Eck war es klar: Die beiden kriegen sich. Spannung und Witz zog die Handlung aus der Frage: Wie finden sie zueinander? Mit diesen Figuren, hinreißend gespielt von Constanze Marienfeld und Manfred Upnmoor, scheint es zunächst aussichtslos. Jeder hat so seine Macken: Er trägt Lagerfeld-Schwänzchen zu kurzer Hose, brüllend rotem Sakko auf nacktem Oberkörper, nackten Füßen in Sandalen und lässt Anton Bruckners schwermütige 7. Sinfonie überlaut aus dem Lautsprecher dröhnen. Dazu legt er ein wildes Zappeln auf das Parkett. Das bringt sie (natürlich) auf die Palme. Die, die über ein 500-Seiten Fachbuch noch eine Rezension schreiben will, dafür nur eine Nacht zur Verfügung hat und also Ruhe braucht. Sie ist bis zur Nervensäge quirlig in Wort und Gestik wie ein aufgescheuchtes Huhn, er trägt einen zwanghaften Hang zur Sorglosigkeit zur Schau. Er sei "steckengeblieben zwischen ödipaler Phase und phallischem Stadium", konstatiert sie, ganz die Psychologin. Dafür vergisst sie ihren Wohnungsschlüssel und steht morgens um vier vor seiner Tür. Oder sie will Steinbutt für ihre Mutter in seinem Ofen garen, ihrer ist kaputt. Er sagt: "Fühlen Sie sich wie Zuhause" und lässt sie ins offene Messer rennen. Und so merkt sie erst nach der Säuberung seines verkrusteten Ofens, dass dieser Ofen ebenfalls defekt ist.

Nach der Pause wurde das Stück dann richtig witzig. Es gab schlagfertige Dialoge zuhauf. Constanze Marienfeld zog alle Register: Zickig wie eine Wildkatze, verlockend glucksend wie ein Vamp, aufgedreht wie ein Rasselwecker und schön wie gemalt. Trotz psychologischer Attitüde verletzlich wie ein unschuldiges Mädchen. Manfred Upnmoor wetterte, lockte, ironisierte und gab am Ende schlüssig den Liebhaber ab, der (endlich) die Initiative ergreift. Es wurde klar, dass auch sein Joghurt ein Erfolg werden wird.

Mit diesem Ende gingen alle Besucher getrost nach Hause. Das war dem heftigen Beifall anzumerken.

Quelle: RP
 
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