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Serie Ausprobiert
Die Welt durch das Fernglas betrachten

Serie Ausprobiert: Die Welt durch das Fernglas betrachten
Mit dem Jäger auf die Pirsch gehen: Unser Autor begleitete Norbert Drekopf morgens auf dessen Hochsitz in Eichholz, einem Gehöft südöstlich von Kreckersweg gelegen. FOTO: Hertgen
Wermelskirchen. Hegeringleiter Norbert Drekopf sitzt nicht wie sonst alleine auf seinem Hochsitz in Eichholz. Unser Autor begleitet ihn und ist dabei, als der Jäger einen Fuchs schießt. So friedlich wie bei einer morgendlichen Jagd erlebt man Wermelskirchen selten. Von M. Eickhorn

Wermelskirchen Norbert Drekopf wird häufig gefragt, ob das Ausharren auf einem Hochsitz nicht total langweilig sei. "Nein, es ist nicht langweilig. Es passiert immer etwas. Und wenn nichts passiert, kann man immer noch den Vögeln zuhören", flüstert der 66-jährige Jäger und Hegeringsleiter. Ich stimme ihm zu. An diesem kühlen Oktobermorgen sitzen wir zusammen auf einem Hochsitz in Eichholz, einem Gehöft, das südöstlich von Kreckersweg liegt, und starren gebannt auf eine extra für die Jagd angelegte Waldwiese. Noch ist es dunkel, unsere Atemwolken schweben in der Luft, ich beobachte durch ein Fernglas, wie einzelne Blätter von den Bäumen fallen.

Damit wir das Rehwild, die Wildschweine, Hasen, Füchse und Dachse, die mit dem Sonnenaufgang aus ihrem Nachtschlaf erwachen werden, nicht verschrecken, sind wir besonders still. Noch verbergen sich die Tiere zwischen den Bäumen. Die Hähne aus der Nachbarschaft haben das mit dem Stillsein nicht drauf. Es kreischt aus allen Richtungen. Norbert Drekopf weist mich daraufhin, dass ich das Fernglas seit geraumer Zeit verkehrt herum halte - verdammt.

Jetzt fällt mir auch auf - es mag am verbesserten Sehen liegen - dass Drekopfs Jagdhund, der im Auto mit uns in den Wald gefahren ist, gar nicht mehr dabei ist. Er wartet im Kfz. Hier oben wäre ohnehin kein Platz für ihn. In das Ansitzhäuschen passen exakt zwei dick eingemummelte Personen. Der Jäger berichtet, dass auch seine Enkel ihn manchmal auf den Hochsitz begleiten. "Kinder, die auf dem Land aufwachsen, sind sehr naturverbunden. Andere Kinder denken zum Teil, Kühe seien lila." Ich nicke, habe als Innenstadtkind ja schließlich selbst erstmals mit zwölf Jahren auf einem Baum gesessen und kann nicht behaupten, dass ich mich der Natur sehr verbunden fühlte.

Während ich den Blick am Waldrand entlangschweifen lasse, fällt mir auf, dass die Einbildung beim Jagen eine große Rolle spielt. So kann ich die Geräusche des dunklen Waldes entweder als unheilbringend empfinden oder als die Schmatzgeräusche kleiner, süßer Babykaninchen abtun. Ich verkleinere meine Welt wieder auf das Rund, das mir der Blick durch das Fernglas bietet. Neben mir spekuliert Norbert Drekopf: "Gleich müsste eigentlich mal ein Fuchs rauskommen und nach Mäusen suchen." So ist es. Mit den ersten Sonnenstrahlen, die die Waldwiese ausleuchten, verlässt ein Dickerchen mit buschigem Schwanz den Schutz der Bäume. Der Fuchs, der dafür bekannt ist, dass er Krankheiten überträgt, vertilgt ein paar Kleintiere. Drekopf hebt das Gewehr. Jetzt heißt es: Ohren zu und Kopf runter. Schuss. Das Tier ist tot. Der Jäger wird es später begraben.

Unsere Zeit auf dem Hochsitz ist nach knapp eineinhalb Stunden beendet. Als wir das Auto erreichen, ist der Hund ganz aufgeregt. Normalerweise bedeutet ein Schuss, dass er das Kfz verlassen und auch mal gucken darf. Heute nicht. Wir fahren zurück zum Anwesen des Hegeringsleiters.

Drekopf berichtet, dass es viele Menschen gebe, die die Jagd ablehnen. Er und die rund 200 anderen Jäger, die auf dem Wermelskirchener Stadtgebiet unterwegs sind, regulieren ehrenamtlich den Wildbestand in den Wäldern und impfen die Tiere bei Bedarf. "Das muss gemacht werden. Mehr Wildbestand führt nämlich zu mehr Wildunfällen."

Quelle: RP
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