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Wermelskirchen
Digitalisierung und die zehn Gebote

Wermelskirchen: Digitalisierung und die zehn Gebote
Etwa 300 Besucher lauschten den Ausführungen der illusteren Diskussionsrunde mit Obi-Mitgründer Manfred Maus, FDP-Chef Christian Lindner, Studentin Alina Schmidt, Moderator Patrick Engels, Bauingenieur Sebastian Sieg und Walter von Stein, der in vierter Genaration die Firma "Steintex" führt. FOTO: Peter Meuter.
Wermelskirchen. Für eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wirtschaft im Wandel" kehrte der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner in seine Heimatstadt zurück. Im Bürgerzentrum sprach er unter anderem mit Manfred Maus und Walter vom Stein. Von Stephan Singer

Ob es nun der authentischen Gewandtheit von Ehrenbürger und Obi-Gründer Manfred Maus sowie Unternehmer Walter vom Stein oder vorherigen Absprachen zu verdanken war, bleibt Spekulation der etwa 300 Besucher. Fakt ist: Die vom Wermelskirchener FDP Ortsverein veranstaltete Podiumsdiskussion "Wirtschaft im Wandel" mit dem in Wermelskirchen aufgewachsenen Bundesvorsitzenden der Liberalen, Christian Lindner, verkam nicht zu einer von Phrasen geprägten Wahlkampfveranstaltung. Das gelang, obwohl ein Auftritt des "Superstars" der FDP bei einer Veranstaltung seiner Partei naturgemäß werbende Züge in sich trägt. Manfred Maus formulierte es so: "Ich bin kein FDP-Mitglied, ich sympathisiere natürlich mit dem Wert Freiheit, den sich die Partei auf die Fahnen geschrieben hat."

Unter der Moderation des Wermelskirchener FDP-Ortsvorsitzenden Patrick Engels schlugen sich die Mitglieder der Diskussionsrunde auf der Bühne keineswegs die "Köpfe ein". Vielmehr trugen sie in nicht ganz zwei Stunden die Facetten der Sichtweisen unterschiedlicher Unternehmergenerationen auf den Wandel der Wirtschaft zusammen. Dabei verloren sie nie ihre Heimatstadt und die Bergische Region aus den Augen - allgemeingültige Lösungen, wie sich Firmen angesichts der rasant fortschreitenden Digitalisierung aufstellen sollen, konnte sie nicht benennen.

"Wir sind in einem fundamentalen Wandel. Ich kann nicht sagen, was in den 2020er-, 2030er- oder 2040er-Jahren wirtschaftlich erfolgreich sein wird", sagte Christian Lindner. Klar sei in seinen Augen jedoch: "Bürokratismus ist die größte Gefahr für Freiheit und Wohlstand. Wir brauchen flächendeckend Gigabit-Internetgeschwindigkeit und die fünfte Generation des Mobilfunknetzes - hierbei darf der ländliche Raum nicht abgehangen werden." Verhaltensregeln wie Ehrlichkeit, Konsequenz und Disziplin rückte Manfred Maus in den Fokus: "Die Digitalisierung verändert alles - fast, denn die zehn Gebote gelten auch in Zukunft."

Walter vom Stein führt in vierter Generation die Wermelskirchener Firma "Steintex", er stellte sich selbst als "Mittelstandsseele" vor: "Die Politiker sagen, dass sie nicht wissen können, wohin sich die Wirtschaft entwickelt. Wir Unternehmer müssen es irgendwie wissen." Als Bauingenieur arbeitet der Wermelskirchener Sebastian Sieg bei Thyssen und Sieg. Bei seinem Garten- und Landschaftsbauunternehmen hat die Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Fünf bis sechs Kolonnen rücken werktäglich zu den Einsatzorten aus, Lagerhaltung gibt es keine mehr. Kommunikation spielt sich fast ausschließlich per Handy, Messenger-Diensten und Internet ab. "Wir können natürlich keine Bäume mit einem 3D-Drucker pflanzen", lachte Sebastian Sieg. Als Jüngste im Bunde saß die 23-jährige Alina Schmidt auf dem Podium. Nach Berufsausbildung und Studium sieht sie ihre Zukunft im elterlichen Betrieb "PSW"-Bürobedarf in Wermelskirchen. Sie kritisierte: "Die Autobahnanbindung von Wermelskirchen an Düsseldorf oder Köln ist durch die Staus sehr schlecht." Gleichzeitig lobte sie die Vorteile ihrer Heimatstadt: "Der Einklang von Privatleben und Beruf ist hier besonders gut."

Am Beispiel des von der B51n gut sichtbaren Rhombusgeländes wurde Manfred Maus sehr konkret: "Es muss doch endlich möglich sein, für dieses Areal eine unternehmerisch tragfähige Lösung zu finden, damit dieser Schandfleck verschwindet." Mit einem Anflug von Empörung sprang der Obi-Gründer von seinem Stuhl als Walter vom Stein ihn wohlwollend "Traditionalist" nannte. Daraufhin konterte Maus: "Ich kann auch meine Krawatte ablegen." Gesagt, getan: Begleitet vom Lachen der Besucher landete der Binder auf dem Bühnenboden.

Quelle: RP
 
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