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Plage
Droht bei Taubenfütterung bald Bußgeld?

Plage: Droht bei Taubenfütterung bald Bußgeld?
Trotz Drähten fühlt sich diese Taube offenbar in der Stadt wohl. FOTO: tei
Wermelskirchen. Rundgänge der Falknerin mit Bussard Lotti zeigen Wirkung, aber Fütterungen locken Vögel weiter an. Werden in Sachen Bekämpfung der Taubenplage bald härtere Bandagen angelegt? In Form eines Taubenfütterungsverbots? Von Solveig Pudelski

Arne Feldmann, Leiter des Ordnungsamtes, mochte gestern dazu keine Stellung beziehen. Es gebe noch kein Stimmungsbild. "Wir beobachten aber die Entwicklung in anderen Kommunen", sagte er auf Nachfrage dieser Redaktion. Fakt ist: Viele Großstädte haben ein Taubenfütterungsverbot und verhängen bei Verstößen Buß- und Verwarngelder in zum Teil empfindlicher Höhe. Arne Feldmann kennt die Zahlen: "In Köln liegen sie zum Beispiel zwischen 35 bis 1000 Euro."

Wie berichtet, ist die Fütterung der Vögel in Wermelskirchen nicht direkt verboten, wohl aber die mit dem Ausstreuen von Körnern verbundene Verunreinigung öffentlichen Verkehrsraums und öffentlicher Anlagen. Weil Appelle, dies zu unterlassen, bei den vermeintlichen Vogelfreunden nicht ankommen, setzt die Stadt auf eine "biologische Lösung": Greifvögel sollen den Tauben in der Löv zwischen Kölner- und Telegrafenstraße, vor dem Rathaus, in der Taubengasse und am Busbahnhof den Garaus machen.

Falknerin Gabriele Fiebig geht seit einigen Wochen mit ihren Greifvögeln Runden durch die Stadt. Sichten die Tauben ihren Erzfeind, fliegen sie weg. "Das zeigt Wirkung", sagte sie gestern Vormittag mit dem braun gefiederten Wüstenbussard Lotti auf dem Falknerhandschuh. Diesen braucht der natürliche Feind der Tauben auch nicht zu verlassen, allein ihr Anblick jagt den Tauben einen gehörigen Schrecken ein. "Es ist an vielen Stellen auch schon besser geworden", hat Gabriele Fiebig festgestellt.

Allerdings wird eine Langzeitwirkung dadurch zunichtegemacht, dass einige Menschen Tauben in der Stadt weiterhin füttern - zum Beispiel am Busbahnhof, wie eine Leserin kürzlich schilderte. Für das Ordnungsamt ist es offenbar sehr schwer, Übeltäter zu erwischen und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen sie einzuleiten. "Wir haben uns sogar an bestimmten Orten auf die Lauer gelegt, aber niemand tauchte auf", schilderte Feldmann die Situation. Die Taubenfütterer streuen die Körner offenbar fast unbemerkt aus, indem sie Löcher in ihre Jackentaschen schneiden und das Futter an bestimmten Plätzen herausrieseln lassen. Das macht es auch für Zeugen schwer, Beweisaufnahmen zu machen. Solche wurden dem Ordnungsamt zwar bereits vorgelegt, die Personen seien darauf aber nicht zu erkennen gewesen.

Ein ordnungsrechtlich verankertes Taubenfütterungsverbot könnte den Druck auf die Übeltäter erhöhen. In wieweit sich die Vögel tatsächlich verdrängen lassen, bleibt offen. In der Taubengasse hätten sie sich in einem Gebäude mit offen stehenden Fenstern häuslich niedergelassen. "Wenn die Tauben sich weiter vermehren, dicht gedrängt leben, weckt dies Stress. Die Tauben werden krank, die Krankheitskeime können durch den Kot übertragen werden", schildert Fiebig die Folgen einer Taubeninvasion.

Die Idee, die Plage durch ein Taubenhaus einzudämmen, sei nicht umgesetzt worden. Fiebig: "Das macht Arbeit und verursacht Kosten:" So müssen die Nistkästen gereinigt, die Vögel entwurmt werden, echte Eier gegen Holzeier ausgetauscht werden. In der Politik fand das Taubenhaus keine Befürworter, erinnert Arne Feldmann. So wird Gabriele Fiebig mit Lotti oder Habicht "Kicki" weiterhin ihre Runden drehen. Von den meisten Passanten erhalte sie positiven Zuspruch.

Quelle: RP
 
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