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Wermelskirchen
"Ein Abenteuer, das noch nicht zu Ende ist"

Wermelskirchen: "Ein Abenteuer, das noch nicht zu Ende ist"
FOTO: Moll Jürgen
Wermelskirchen. Seit einem Jahr leitet Michael Hoffmann die ehemalige Pestalozzischule. Die Förderschule ist nicht mehr eigenständig. Die bisherige stellvertretende Schulleiterin Ulrike Müller verlässt die Schule. Von Stephan Singer

Bei Michael Hoffmann liegt reichlich Arbeit auf dem Tisch: Das Schuljahr 2017/18 will vorbereitet sein. Seit einem Jahr leitet der 61-Jährige die Verbundschule Mitte-Nord, die als Förderschule an den Standorten Wermelskirchen und Bergisch Gladbach-Refrath sitzt. Zu Beginn des Schuljahrs 2016/17 übernahm Hoffmann die Leitung durch die Zusammenlegung mit der Refrather Schule, die er bereits seit 23 Jahren führt. Die vergangenen Monate bezeichnet er als Experiment und Abenteuer, das noch nicht beendet ist.

Sinkende Schülerzahlen bedeuteten das Aus für die ehemalige Wermelskirchener Pestalozzischule als eigenständige Einrichtung. Immerhin: Weder auf kommunaler noch auf Kreisebene - der Rheinisch-Bergische Kreis übernahm die Trägerschaft von den beiden Städten -wollten die Politiker eine gänzliche Schließung verantworten. "Alle wollten die Standorte erhalten", blickt Michael Hoffmann zurück. Im abgelaufenen Schuljahr war er immer montags persönlich in Wermelskirchen, dieses Minimum an Anwesenheit will er weiter aufrecht erhalten. Er weiß jedoch: "Jeder Schulstandort hat seine eigene Geschichte und sein eigenes Umfeld." Er habe in Wermelskirchen ein "tolles Kollegium" angetroffen. Im Interesse der Schüler an den beiden Standorten (rund 140 in Wermelskirchen und 160 in Refrath) hätten alle Beteiligten den Willen, dass die neuen Strukturen funktionieren.

Kein einfaches Unterfangen, denn nachdem Pestolzzi-Schulleiterin Heike Holzki bereits vor einem Jahr neue Aufgaben übernahm, verlässt nun auch die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Müller den Verbundschulstandort in Wermelskirchen. "Die Konrektorin war mir im vergangenen Jahr als Kennerin der Schule vor Ort eine große Stütze", betont Hoffmann. Er kritisiert den gesetzlichen Personalschlüssel: "Für die Verbundschule sind, wie für jede andere Förderschule auch, ein Leiter und ein Stellvertreter vorgesehen. Das bedeutet für uns, dass wir jetzt an den beiden Standorten anstatt vormals vier jetzt nur noch zwei Funktionsstellen haben."

Die personelle Lage und die Zusammenführung zweier Schulen hätten seine Arbeit als Schulleiter verändert: "Ich kann nicht mehr an jedem Standort ins Detail gehen. Man ist derjenige, der die großen Zusammenhänge lenkt." An Ort und Stelle müssten die Lehrer diese Situation abfangen. "Wenn es brennt, muss sofort eine Lösung her", betont der Schulleiter. Das gelte beispielsweise bei ratsuchenden Eltern von Schülern, die niemand "verschieben" könne und wolle. Die Entscheidung der neuen Landesregierung, keine Förderschulen mehr zu schließen, ist in den Augen von Hoffmann für die Pestalozzischule "ein Jahr zu spät gekommen". Der Schulleiter begrüßt das Konzept, wenn Förderschulen als Kompetenzzentren den Unterricht von förderbedürftigen Schülern an Regelschulen (Inklusion) unterstützen. Grundsätzlich stellt er jedoch fest: "Eine möglichst frühe Förderung der betroffenen Schüler ist entscheidend. Zuletzt wurde der Fokus zu sehr in Richtung Inklusion gerichtet und zu wenig auf die Frage, was da mit den einzelnen Kindern passiert."

Man könne nicht einfach Schulen schließen und glauben, dass es dann schon geht: "Das geht eben nicht - nicht mit der Brechstange und nicht von alleine. Regelschulen werden in naher Zukunft nicht in der Lage sein, den Bedarf zu erfüllen, den die Förderschulen abdecken", beurteilt Hoffmann. Für ihn steht der Elternwille und deren Wahlmöglichkeit hoch im Kurs: "Wenn sich Eltern für ihr Kind für eine Förderschule entscheiden, müssen wir das ernst nehmen."

Quelle: RP
 
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