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Wermelskirchen
Ein Berufsleben auf Kirmes- und Krammarkt

Wermelskirchen. Manche Beschicker kommen schon in zweiten oder dritten Generation. Ein paar Beispiele. Von Stephan Singer

Es sind die Jahre eines ganzen (Berufs)Lebens und mehr - so lange kommen manche Standbetreiber und ihre Familie schon zum Kirmes- und Krammarkt nach Wermelskirchen. Heute bereichern die zweite, dritte oder vierte Generation eines Familienbetriebs den Volksfestrummel, das Engagement der Standbetreiber reicht sogar bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurück. Hautnah mit erlebt haben diese Beschicker die Entwicklung der Kirmes in den vergangenen Jahren.

Seit 1951 kommt die Familie Herfert mit ihrem Stand für Kittel, Schürzen und Damenberufsbekleidung nach Wermelskirchen auf den Krammarkt. Das reisende Gewerbe gründete der inzwischen verstorbene Ehemann von Helga Herfert, der dieses Geschäft schon betrieb, als sich die beiden verliebten. Als gelernter Lebensmittelkaufmann kehrte Herfert aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und entschied sich für diese damalige "Marktlücke". Heute führt Tochter Gundula Herfert-Krohn die Firma und ist mit ihrem rollenden Stand unterwegs - die 79-jährige Mutter ist jedoch stets dabei. "Mama fährt gerne mit. Zuhause wird sie immer ganz nervös",lacht Gundula Herfert-Krohn.

Die 49-Jährige ist froh, dass sie auf ihre rüstige Mutter zählen kann: "Wenn ich an ihrer Stelle jemanden stundenweise voll bezahlen müsste, wäre das gar nicht möglich." Mama Helga ist sich sicher: "Das reisende Gewerbe hält jung." Einst sei der Matinee-Montag der umsatzstärkste Tag gewesen, erinnern sich die beiden Damen: "Heute ist Montag der schlechteste Tag. Da kommt nur noch Event-Publikum, aber keine Kunden. Montags können wir hier immer jede Menge männliche Geräte sehen, weil die Herren der Schöpfung hier in der Jörgensgasse reihenweise hinter die Krammarkt-Stände pinkeln."

Die Familie Kretz aus Wuppertal ist noch länger auf der Kirmes vertreten - seit inzwischen 68 Jahren. In diesem Jahr ist die Schausteller-Dynastie sogar mit zwei verschiedenen Kinder-Karussells auf dem Loches-Platz präsent. "Ich führe den Betrieb in der vierten Generation. Mein Ur-Großvater ist mit Pferde-Karussells angefangen. Wir sind ununterbrochen jedes Jahr mit mindestens einem Fahrgeschäft in Wermelskirchen.

Die hiesige Kirmes ist eine gute Veranstaltung, weil sie hauptsächlich Familien anlockt und ein großes Einzugsgebiet hat. In Wermelskirchen kommt das Publikum regelmäßig über Jahrzehnte gerne wieder. Wir haben Besucher, die einst ihre Kinder bei uns fahren ließen und heute mit ihren Enkelkindern vorbei kommen", berichtet der 44-jährige Karl-Heinz Kretz.

Der Matinee-Montag sei weniger angenehm, weil dann das Party-Publikum die Familien eher abhalte. Und das Party-Volk gebe eben auf der Kirmes oder Krammarkt eher weniger Geld aus. "Das ist aber ein Phänomen, das ich auch aus Haan oder Schwelm kenne. Grundsätzlich ist die Wermelskirchener Kirmes eine Veranstaltung, die etwas einbringt, das passt", kennt Kretz das Geschehen. Ehefrau Claudia, Sohn Henry und Tochter Angelique helfen auf der aktuellen Kirmes fleißig mit - ansonsten seien zwei Fahrgeschäfte gleichzeitig nicht zu bewältigen.

"In Wermelskirchen ist alles möglich", lacht Rainer Padubrin (52 Jahre) an seinem Krammarkt-Stand auf der Schillerstraße und meint damit die Extreme, an die er sich erinnert: "Hier ist mal große Hitze, dann wieder fünf Tage Dauerregen." Gemeinsam mit Lebensgefährtin Diana Glasbrenner bietet er unter anderem Tücher, Schals, Strumpfwaren oder Hosenträger feil. Seit 60 Jahren reist die Familie Padubrin von Stuttgart nach Wermelskirchen. Mit dabei: Mops Ferdinand, den Rainer Padubrin als "Geschäftsführer" bezeichnet. "Unsere Stammkunden kommen jedes Jahr wieder zu uns. Das sichert unser Geschäft, weil diese Leute unabhängig vom Wetter garantiert vorbeischauen."

Rainer Padubrin stellt fest, dass es den Besuchern oftmals nur noch um Essen und Trinken geht. Er freut sich, dass die Stadt Wermelskirchen in der öffentlichen Darstellung stets von Kirmes und Krammarkt spricht und nicht wie anderswo die Krammärkte immer weiter in den Hintergrund der Wahrnehmung gedrängt werden.

Quelle: RP
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