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Achim Stollberg
Ein guter Ruf bei starker Konkurrenz

Achim Stollberg: Ein guter Ruf bei starker Konkurrenz
Achim Stollberg gehört seit 1991 zum Leitungsteam der Kattwinkelschen Fabrik und ist für das Kulturelle zuständig. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. 25 Jahre Kattwinkelsche Fabrik: Ein Gespräch mit Achim Stollberg über Erfolg, die gute Nase fürs Programm und die Freizeit.

Herr Stollberg, Was brauchen Sie, um ein attraktives Programm für die Kattwinkelsche Fabrik aufzustellen?

Stollberg Den richtigen Riecher für die Künstler und unser Publikum. Das muss zusammen passen.

Ich nehme mal an, mit einem erfolgversprechenden Riecher wird man nicht geboren?

Stollberg Ein Gespür dafür sollte man schon grundlegend haben. Wichtig sind Erfahrungen und die permanente Aufmerksamkeit für Trends, Neuigkeiten, Künstler und Publikum.

Seit wann arbeiten Sie in der Katt?

Stollberg Seit 1991 habe ich teilweise schon mitgearbeitet, seit 1993 in fester Anstellung. Jimmy Karpinski rief mich damals an. Eine Stelle für den Kulturbereich der Katt war aufgrund eines Erziehungsurlaubs zu besetzen. Ich habe mich beworben, wurde angenommen und dann ging's los.

War Ihr Anfang schwer?

Stollberg Sagen wir mal: spannend. Das Kulturprogramm der Katt hatte vorher in der Presse den Ruf: "Schade - nur fade." Das wollte ich natürlich ändern. Es hat mich einige Energie gekostet, neue Sachen anzuschieben.

Zum Beispiel?

Stollberg Ich habe etwa damit begonnen, vehement und verstärkt die Bogenbinderhalle zu bespielen. Ich habe Harald Schmidt - der war allerdings vorher schon mal da - und Helmut Albrecht dorthin geholt. Albrecht war durch "Allo Chefe, alles paletti!" aus dem Radio ziemlich bekannt. Dann folgten Konrad Beikircher, Jürgen Becker und Rüdiger Hoffmann, Dieter Nuhr, Hella von Sinnen oder auch Hanns Dieter Hüsch. Damals begann die Entwicklung, dass Stand-up in Deutschland immer mehr Publikum anzog. Ingo Appelt zum Beispiel. Er hat anfangs in der kleinen Halle vor ein paar Leuten gespielt. Das wuchs mit der Zeit. In der Bogenbinderhalle saßen die Leute bis ins Jahr 2000 noch auf Bierbänken. Für Dr. Stratmann holten wir Stühle aus dem Rathaus, da unsere bestellten noch nicht geliefert waren. Das war die erste bestuhlte Veranstaltung.

Hat sich denn die Art des Programms im Laufe der Jahre verändert?

Stollberg In den ersten Jahren war bei mir noch viel mehr Musik im Programm. Also Bands wie Brings, LSE, Gerd Köster oder Stoppok aus heimischen Gefilden und international beispielsweise Penelope Housten oder Ike Willis & The Muffin Man. Jeden Donnerstag gab's bis 1996 Konzerte im Bistro - hier überwiegend mit der Creme der Independent Szene aus NRW. Das Interesse daran veränderte sich im Laufe der Zeit. Musikproduktionen sind mittlerweile sehr anspruchsvoll - diese Qualität verlangen die Besucher dann auch live. Wenn dann noch die weiteren Kosten wie Hotel, Catering, Gema und KSK dazukommen, braucht man einfach ein volles Haus, um das finanziell zu stemmen. Da ist das Risiko oft einfach zu hoch.

Aber ab und zu gibt's ja schon noch Musik in der Katt ...

Stollberg Ja, natürlich. Besonders, wenn sie kleinkunstkompatibel ist. Also zum Beispiel Friend'n'Fellow, die regelmäßig kommen, oder auch Werner Lämmerhirt, Cristin Claas Band oder Hands On Strings. Da ist die Schnittmenge zwischen Wort- und Musikpublikum ziemlich hoch. Und nicht zu vergessen: die Lokalmatadore Rubber Soul und Jokebox.

Nach welchen Kriterien suchen Sie sich denn heute das Programm aus?

Stollberg Natürlich kennt man sein Publikum über die Jahre. Wir haben hier ein überaus aufmerksames und sehr interessiertes Publikum. Das wird mir immer wieder von den Künstlern betätigt. Und: Ich habe einen Anspruch. Gut gemachte Comedy, wie jetzt zum Beispiel Lars Redlich, der seine Themen mit viel Humor und einem hohen Maß an Intelligenz bearbeitet, kommen an. Die Parameter, die mich ansprechen, stimmen. Dazu kann ich guten Gewissens stehen. Reine Schenkelklopferei gehört nicht wirklich dazu. Die Erfahrung zeigt, diese trägt oft nicht den ganzen Abend.

Existiert auch eine Konkurrenz für die Katt?

Stollberg Für Wermelskirchen mit seinen 36.000 Einwohnern hat die Katt ein überdurchschnittlich gutes Programm, das gerne von Gästen aus nah und fern angenommen wird und das, obwohl wir beachtliche Konkurrenz in der nahen Umgebung von Leverkusen bis Wipperfürth haben. Die Katt hat einen sehr guten Ruf sowohl bei den bei uns auftretenden Künstlern wie auch beim Publikum.

Was ist die größte Herausforderung für Ihren Job?

Stollberg Die Arbeitszeit. Man arbeitet zu Zeiten, in der die meisten Leute ihre Freizeit haben. Das müssen Familie und Freunde mittragen. Was ich zudem feststelle ist, dass aufgrund der langen Planungszeit - manchmal bis zu drei Jahren im Voraus - die persönlich empfundene Zeit rasend schnell vorbeiläuft. Aber natürlich macht es auch Spaß, einen guten Draht zu den Künstlern zu haben, ein positives Feedback - persönlich und zur Katt - zu bekommen und festzustellen, dass sie immer gerne wiederkommen. Und das Schönste: zu spüren, dass das Publikum das Programm der Katt und den Einsatz dafür schätzt.

MIT ACHIM STOLLBERG SPRACH BERND GEISLER.

Quelle: RP
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