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Serie 60 Minuten Im Ehrenamt
Ein Jugendtrainer mit "Herz und Seele"

Wermelskirchen. Mittwochnachmittag am Sportplatz in Dhünn. Felix vom Stein kommt den gepflasterten Weg entlang und geht in das weiß gestrichene Gebäude. "Egal, welche Laune man gerade hat - hier bin ich sofort besser drauf", sagt der 26-Jährige, der seit 2010 Jugendtrainer in Dhünn ist. Von Tim Kronner

Die Asche knirscht unter seinen Schuhen, als er in den Material-Raum geht und anfängt, die Fußbälle für die heutige Trainingseinheit aufzupumpen. Während der seit 2013 amtierende Jugendleiter alles vorbereitet, kommen auf dem Weg zur Kabine immer wieder Nachwuchs-Kicker in den Raum. Es wird abgeklatscht und kurz geflachst, dann machen sich die Spieler der Dhünner D-Jugend fertig.

Viele der derzeit 21-köpfigen Gruppe kennt vom Stein schon ihr halbes Leben lang. "Felix ist, seit wir Bambini sind, unser Trainer. Er gibt sich richtig Mühe und macht das mit Herz und Seele", sagt der zwölfjährige Luke Flitsch über seinen Coach. Bei strahlendem Sonnenschein läuft er sich mit seinen Teammitgliedern warm. Während die Kids mit ihren bunten Fußballschuhen den Staub aufwirbeln, baut vom Stein die erste Übung auf. "Ich versuche mir immer neue Herausforderungen für die Jungs einfallen zu lassen", erklärt er. Mal greift er auf Vorlagen des Deutschen Fußballbundes (DFB) zurück, mal setzt er eigene Ideen um. "Mit der Zeit hat man dann Erfahrung darin, welche Übungen gut funktionieren, etwas bringen und den Jungs auch noch Spaß machen", sagt vom Stein.

In einen schwarzen Trainingsanzug des SSV Dhünn gekleidet baut der 26-Jährige an diesem Tag als erstes zwei Rauten auf. Dafür benutzt er gelbe und rote Hütchen. "Heute trainieren wir eure Passsicherheit", erklärt vom Stein den inzwischen am Spielfeldrand wartenden Kickern. Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten haben die Kids die Übung schnell verinnerlicht und lassen die blauweißen Bälle über den Tennenplatz flitzen. "Es ist toll, wie sie sich über die Jahre entwickeln", sagt vom Stein. Damit meint er allerdings nicht nur ihr Können am Ball. "Man ist natürlich auch eine wichtige Bezugsperson und erfährt vieles. Ich kann nur sagen, dass wir hier echt tolle Persönlichkeiten haben", sagt vom Stein.

Nach der Pass-Übung steht "Schweinchen in der Mitte" auf dem Plan, dann wird noch der Torschuss trainiert. "Wir lernen beim Training immer etwas und haben Spaß", sagt der zwölfjährige Tobias Liedtke, der sich immer besonders auf das abschließende Spiel freut. "Das gibt's aber nur, wenn wir uns vorher gut benehmen", verrät Tobias. Heute ist das der Fall.

Nach eineinhalb Stunden ist das Training zu Ende, und es geht für die Kicker, jeder mit einem Ball am Fuß, zurück in Richtung Kabine. Vom Stein räumt noch auf. "Es gibt wirklich wenig, für das ich das hier aufgeben würde. Geld brauche und will ich dafür nicht", sagt vom Stein. Neben ihm gibt es im SSV derzeit 14 weitere ehrenamtliche Trainer, die der Jugend den Fußballsport näherbringen. Auch dem Nachwuchs ist klar, dass das nicht selbstverständlich ist. "Unser Verein hat für sowas kein Geld. Dafür sind hier alle super bodenständig und nett. Deshalb kommen wir so gerne her", sagt Luke Flitsch. Das zu hören, freut seinen Trainer sehr. "Wenn die Jungs zufrieden sind, bin ich es auch", sagt er und macht sich mit Sporttasche über der Schulter auf den Weg zurück zum Auto.

Quelle: RP
 
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