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Wermelskirchen
Ein Lehrer der klaren Worte

Wermelskirchen: Ein Lehrer der klaren Worte
Nach 40 Jahren beendet Günter vom Stein (65) zum Schuljahresende seine Lehrertätigkeit am Gymnasium Wermelskirchen. FOTO: P. Meuter
Wermelskirchen. 40 Jahre unterrichtete Günter vom Stein am Gymnasium - kurz vor dem Ruhestand steht dem 65-Jährigen eine letzte wichtige Aufgabe bevor: Er koordiniert in den Ferien noch eine Systemumstellung auf den Computern der Schule. Von Stephan Singer

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre - dann wäre Günter vom Stein nicht ununterbrochen 40 Jahre Lehrer am Gymnasium in Wermelskirchen gewesen. Der 65-Jährige, der ab dem 1. August offiziell in den Ruhestand geht, hat in vier Jahrzehnten tausende Schüler kommen und als Abiturienten gehen sehen. Dabei wäre der mit einer Finnin verheiratete Pädagoge in jungen Jahren beinahe in die Heimat seiner Gattin ausgewandert. An der deutschsprachigen Schule, die er sich ausgeguckt hatte, waren allerdings schon alle Stellen besetzt.

Ein Segen für die Schüler, die Günter vom Stein bis zuletzt in der Oberstufe als Beratungslehrer betreute. Obendrein kümmerte er sich seit den 1980er Jahren um die Einführung von Computern in den Schulalltag. Für die Betreuung des PC-Ressorts ist am Gymnasium ein Nachfolger für ihn gefunden worden. Trotzdem wird der 65-Jährige morgen nicht seinen letzten Arbeitstag haben: In der ersten Ferienwoche koordiniert vom Stein noch eine Systemumstellung auf den Computern in der Schule - erst im Anschluss ist endgültig Schluss.

Die Tätigkeit als Betreuungslehrer in der Oberstufe sei für ein notwendiger, pädagogischer Ausgleich zum PC-Bereich gewesen. "Das war der Reiz, die Schüler auf dem Weg ins Erwachsensein zu begleiten", sagt vom Stein, der Mathematik sowie Physik unterrichtete und eine Informatik-Fortbildung absolvierte. In seinen Augen war die Einführung der PC-Nutzung ein Quantensprung im Unterricht: "Vorher konnten wir nur Bilder zeigen, danach Bewegung."

Günter vom Stein, dessen zwei erwachsene Kinder in Finnland und München leben, ist als Mann bekannt, der mit Kritik nicht hinter dem Berg hält: "Computertechnik in der Schule ist unverzichtbar geworden. Leider hängen wir von der Finanzkraft der Kommunen ab, wobei es eine staatliche Aufgabe wäre, die Ausstattung zu verbessern." Im Vergleich zur Wirtschaftskraft Deutschlands hätten die deutschen Schulen eine vergleichsweise schwache Ausstattung. Als Vergleich zieht der Lehrer sein geliebtes Finnland oder Kanada heran.

Das Herkunftsland seiner Frau ist für ihn auch an anderer Stelle ein Vorbild: "Zu Beginn der 1970er Jahre setzten wir die Oberstufenreform an den deutschen Gymnasien in Kraft. Finnland folgte diesem damals neuen Modell. Inzwischen hat es Finnland ersetzt, wir haben es immer noch." Das zeige den Reformstau in Deutschland. Die Oberstufen-Organisation müsse sich mehr am individuellen Tempo eines Schülers ausrichten. Für vom Stein liegt die Krux nicht in der Frage nach G8 oder G9: "Beides ist machbar und beides hat Vorteile", meint er. "G8 nützt eher den besseren, G9 eher den schwächeren Schülern."

Günter vom Stein ist gebürtiger Wermelskirchener. Er machte sein Abitur dort, wo er auch später seinen beruflichen Weg ging. Das Studium absolvierte er in Mainz, das Studienseminar (Referendariat) in Bad Kreuznach. Sorge bereitet dem scheidenden Lehrer vor allem eine Entwicklung: "Wir stellen häufiger Schüler mit psychischen Problemen fest, die wir an der Schule nicht auffangen können." Über die Gründe könne nur spekuliert werden. "Es gibt einen subjektiv gefühlten Anstieg der Belastung", sagt vom Stein.

Trotzdem empfiehlt er den Lehrerberuf gerne weiter. "An Schulen existieren flache Hierarchien. Als Lehrer sollte man Kinder mögen, Humor haben und zugewandt sein. Wir müssen den Schüler heute so sehen, wie er in Zukunft sein könnte", sagt der 65-Jährige.

Quelle: RP
 
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