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Wermelskirchen
Ein Mann im Kindergarten

Wermelskirchen: Ein Mann im Kindergarten
Marcel Franke arbeitet schon bald in einer Kölner Kindertagesstätte. Seine Ausbildung schließt er im Juli in Wermelskirchen ab. FOTO: stephan singer
Wermelskirchen. Erzieher in Kindergärten sind weiter eine Ausnahme, obwohl sie von Führungskräften und Eltern positiv aufgenommen werden. Marcel Franke beendet im Juli sein Anerkennungsjahr in der Katholischen Kindertagesstätte von St. Michael. Von Stephan Singer

Erzieher bleiben die Ausnahme in Kindergärten. Dabei sind sich Eltern und Führungskräfte einig, dass männliche Pädagogen den Kleinen gut tun. Für Marcel Franke in der Katholischen Kindertagesstätte St. Michael beschränkt sich deshalb seine Sonderstellung nicht nur auf die Rolle des "Hahn im Korb" im Kreis der Kolleginnen: "In der Kita der einzige Mann zu sein, ist bei diesem tollen Job wie ein Bonus oben drauf. Die Kinder kommen ganz anders auf mich zu. Sie kommen zum Toben und Rangeln zu mir, klettern auf mir herum." Genauso würden sich die Jungen und Mädchen gerne bei ihm "verkriechen" und auf den Arm wollen - "dann bin ich der Beschützer", sagt der 23-Jährige, der vor Ende seines Anerkennungsjahrs steht.

Nach zwei Jahren Schulausbildung und der Absolvierung der zwölf Monate Praxis in der St. Michael-Kindertagesstätte schließt Franke, der in Wermelskirchen geboren wurde und aufwuchs und inzwischen in Remscheid lebt, seine Ausbildung zum Erzieher im Juli ab. Danach hat er schon eine unbefristete Stelle in einer Kölner Kita sicher. "Wir müssen ihn leider ziehen lassen, weil bei uns keine Stelle frei ist. Es ist allerdings gut für einen jungen Erzieher, auch andere Kindergärten kennenzulernen", sagt Christine Wirges. Für die Kindergartenleiterin steht es außer Frage, dass mehr männliche Erzieher in Kindergärten sinnvoll wären. "Das ist eine Bereicherung. Das nehmen auch die Eltern positiv auf, das ist nach meinem Eindruck durchgängig in allen Kindergärten so." Wirges sieht jedoch das Problem, dass die vergleichsweise geringe Bezahlung viele abschrecken würde.

FOTO: kita St. Michael

"Mir war es von Anfang wichtiger, Spaß an der Sache zu haben. Ich gehe morgens mit Vorfreude zur Arbeit. Dass ich damit nicht der Überverdiener werde, ist klar", sagt Franke. Der sympathische Erzieher, dessen offene Art bei den Kindern gut ankommt, hat sich nicht mit der allgemeinen Aussage "Ich möchte was mit Menschen machen" begnügt. Ehrenamtlich ist er schon lange in der Jugendarbeit in Remscheid aktiv, nach dem Fachabitur absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe. Durch diese Erfahrungen kristallisierte sich sein beruflicher Weg heraus. "Das Pflegerische ist nicht meins." Sein langfristiges Ziel, als Streetworker zu arbeiten, hat der 23-Jährige noch nicht aus den Augen verloren - diese Arbeit bedingt jedoch ein Studium. "Ich habe mich erst einmal dafür entschieden, als Basis die Erzieher-Ausbildung zu machen. Damit kann ich auch meine Brötchen verdienen", sagt Franke. Heute ist er von seiner Arbeit ansteckend begeistert. "Ich habe mich eingefunden, ich will es gar nicht mehr missen." Er bezeichnet jeden zu beobachtenden Entwicklungsschritt der zwei- bis sechsjährigen Kinder als "Erfolgserlebnis". Diese würden den Stress ausgleichen.

"Die Arbeit mit Jugendlichen oder Kindern sind zwei verschiedene Welten. Mit Kindern ist es lustiger und lehrreicher, man bekommt von den Kleinen unheimlich viel wieder." Natürlich müsse dazu die Einrichtung und das Kollegium stimmen. Frankes liebster Arbeitstag ist der Freitag: Dann ist in der Kindertagesstätte der "Spielzeug-macht- Ferien-Tag" angesagt - die Kinder beschäftigen sich mit vermeintlich wertlosen Dingen wie Pappkartons. "Die Kinder schlüpfen fantasievoll in andere Rolle. Und wir Erwachsenen bekommen eindrucksvoll vorgeführt, dass so ein Karton alles kann", sagt Franke.

Gelegentlich wird er mit Vorurteilen des althergebrachten Rollenbildes konfrontiert und er hört Vorhaltungen, er mache doch "Frauen-Arbeit". "Das habe ich öfters als einem lieb ist. Die Häufigkeit ist nicht so groß, aber wenn das Thema auf den Tisch kommt, ist es intensiv." Solche Äußerungen werfen Franke nicht aus der Bahn. "Ich sage dann: Einfach mal ausprobieren. Die Arbeit besteht nicht nur daraus, Kinder zu hüten. Das ist ein Riesen-Paket. Darüber kann sich niemand das Maul zerreißen!"

Quelle: RP
 
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