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Wermelskirchen
Ein Ostwestfale erzählt von Finnland

Wermelskirchen. Bernd Gieseking brachte mit seinem Reise-Programm "Finne dich selbst" die Katt zum Lachen. Von Wolfgang Weitzdörfer

"Ich bin fasziniert von Finnland"; mit einem der ersten Sätze machte Bernd Gieseking am Freitagabend vor gut 60 Besuchern im kleinen Saal der Katt in seinem Programm "Finne dich selbst" die Stoßrichtung des Abends klar: Thema war das Land der 1000 Seen. "Ja, es ist heute ein etwas anderer Kabarettabend, es geht nicht um Politik - höchstens mal über finnische Politiker", sagte der Ostwestfale. Und die Verbindung zwischen Finnland und Ostwestfalen war dann auch gar nicht so abwegig, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. "Ich komme aus Minden — daher könnte ich mit den Finnen wunderbar eines machen: schweigen." Geschwiegen wurde dann aber gar nicht, im Gegenteil. Gieseking erzählte herrlich trocken drauflos.

Der Grund für seine Finnland-Faszination sei familiär bedingt: "Mein kleiner Bruder Axel hatte sich auf einem Rockabilly-Festival in seine finnische Freundin Vivi verliebt - das kann man ja mal machen", sagte Gieseking. Dass sich aus dieser Zufallsbeziehung allerdings ein Roadtrip der besonderen Art entwickeln würde, hätte er damals auch nicht gedacht. "Ich habe soviel gelernt über meine Eltern, ich kann das nur empfehlen." Köstlich etwa die Episode, als er über das Verhältnis zu Mutter und Vater sprach: "Das funktioniert alles sehr gut - wenn wir weit genug voneinander entfernt sind. Da muss der Abstand stimmen."

Neben aller familiären Komik erzählte Gieseking aber auch viel über Finnland selbst. So erfuhr man etwa, dass Finnland ein sehr junges Land ist: "Finnland wird ja in diesem Land erst 100 Jahre alt. Bis 1917 war man dort unter russischer Herrschaft, davor unter schwedischer", sagte Gieseking. In Finnland habe man neben lustiger Sprache, Sauna und Karaoke vor allem eines: "Viel Platz! Und von wegen 1000 Seen - es sind über 180.000!" Und der Finne sei sehr stolz auf sein Land: An acht Tagen werde geflaggt - an allen anderen Tagen könne man das aber auch machen.

Finnland und Alkohol - ein Klischee? Sicher, aber eines, das nur teilweise stimme, wie Gieseking launig erzählte: "Auf den Fähren nach Schweden gibt es europalettenweise Bier. Das wird in Trolleys zu den Autos gebracht. Ich habe ja sogar schon von Finnen gehört, die dafür Angehörige auf der Fähre zurückgelassen haben." Auf der anderen Seite gebe es im übrigens nicht skandinavischen sondern nordeuropäischen Land eine einflussreiche Anti-Alkohol-Bewegung. "Trotzdem wird der kleine Fährverkehr zwischen Finnland und Schweden rege genutzt."

Gieseking hatte sich für seinen Auftritt für eine amüsante und gut ausgewogene Mischung aus Stand-Up und Lesung entschieden. Das war clever, was sich auch an den Reaktionen im Publikum zeigte. Die etwa 60 lachten viel, applaudierten eifrig und zeigten so - Finnland war dem Einwohner des Bergischen wohl doch gar nicht so fremd.

Quelle: RP
 
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