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Serie Ausprobiert
Ein ruhiger Morgen in der Ambulanz

Wermelskirchen. Tagsüber ist die Notfallambulanz des Wermelskirchener Krankenhauses immer besetzt, nachts ist der Bereitschaftsdienst für Verletzte da. Unser Autor schmeißt sich in ein Schlupfkasack und schaut dem Pflegedienst bei der Arbeit über die Schulter. Von M. Eickhorn

Wermelskirchen Die interdisziplinäre Notaufnahme und chirurgische Ambulanz des Wermelskirchener Krankenhauses ist ein Ort, an dem man im Ernstfall nicht im Weg herumstehen darf. Vor meinem Dienstantritt als "Pfleger für einen Tag" habe ich mich gedanklich darauf vorbereitet, eiligen Ärzten jederzeit aus dem Weg hechten zu können. An dem Freitagmorgen, an dem ich Holger Ballsieper, den Leiter der Notaufnahme, bei seiner Arbeit begleite, herrscht im Krankenhaus-Erdgeschoss dann doch nicht die erwartete Hektik. Spannend ist es trotzdem. "Laufkundschaft", zu denen Menschen mit kleinen Verletzungen zählen und die, die sich bei der Arbeit verwundet haben, warten auf ärztliche Behandlung. Menschen mit Schnittwunden, Knie- und Fußgelenkschmerzen sowie gebrochenen Gliedmaßen lerne ich kennen. Jeder, der stationär (und nicht in der gynäkologischen Abteilung) im Krankenhaus aufgenommen wird, muss durch die Ambulanz.

Patienten, die nur zur Kontrolle kommen, können das Krankenhaus nach einigen Minuten wieder verlassen. Für die Behandlung von frisch Verletzten benötigen Ärzte und Pflegekräfte länger. Wenn die Leitstelle in Bergisch Gladbach eine schwer verletzte Person ankündigt, steht der Betrieb in der Ambulanz still. Dann strömen erst einmal alle Mitarbeiter der Unfallchirurgie in den sogenannten Schockraum. Dieser ist mit allem ausgestattet, was benötigt wird, um Schwerverletzte zu versorgen. "Das bedeutet: Das Equipment ist schon da, wenn der Patient ankommt", erklärt Holger Ballsieper.

Dass der Schockraum an diesem Morgen frei steht, ist also ein gutes Zeichen. Praxisanleiter Marcel Pohl nutzt das Zimmerequipment, um einer Pflegeschülerin und mir zu erklären, was zu tun ist, wenn eine menschliche Lunge nach Messerstichen in sich zusammenfällt. "In der Lunge herrscht für gewöhnlich ein Unterdruck. Um diesen wieder herzustellen, muss man eine Thorax-Drainage legen." Marcel Pohl zeigt uns eine Riesendrainage, die im Ernstfall durch ein Loch in der Oberkörperseite bis in die Lunge geführt und anschließend an eine Pumpe angeschlossen wird. Bei dieser Vorstellung wird mir ganz flau.

Die Räume der Notfallaufnahme waren mir schon vorher bekannt. Fingerprellungen und -brüche sind der Grund. Ein Zimmer, das ich als Gipsraum in Erinnerung habe, ist inzwischen zu einer Rumpelkammer umfunktioniert worden. In der Ambulanz trifft man nach wie vor auf wartende Patienten, die so lange ungeduldig sind, bis man es ebenfalls ist. "Es gibt Leute, die schon nach fünf Minuten Wartezeit fragen, wie lange es noch dauert, bis sie an der Reihe sind. Manche knallen auch Türen. Der Großteil der Leute ist aber nett", stellen die Mitarbeiter des Pflegedienstes klar.

Und dann gebe es wiederum die, die meinen, um drei Uhr nachts sei die passende Zeit dafür gekommen, sich mit einer Verletzung im Krankenhaus vorzustellen, obwohl es die gesamte Woche über schon Schmerzen gab. "Der Bereitschaftsdienst steht für jeden Patienten gerne auf, wir gucken uns alles an", versichert Holger Ballsieper. Dann sei quasi das halbe Krankenhaus auf den Beinen. In nicht akuten Fällen sei es deshalb sinnvoll, sich erst einmal beim Hausarzt vorzustellen, rät der Leiter der Notaufnahme, Holger Ballsieper.

Quelle: RP
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