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Wermelskirchen
Ein trauriger Abschied von der Geburtshilfe

Wermelskirchen: Ein trauriger Abschied von der Geburtshilfe
Die Geburtshilfe im Krankenhaus ist Geschichte. FOTO: Moll, Jürgen
Wermelskirchen. Die Geburtshilfe im Krankenhaus ist seit Freitag Geschichte. Für die Mitarbeiter war es ein sehr emotionaler, weil trauriger Abschied. Das letzte Baby kam am Donnerstagmorgen zur Welt. Mütter versammelten sich vor dem Gebäude und brachten noch einmal ihren Dank für die tolle Arbeit zum Ausdruck. Von Stephan Singer und Sebastian Radermacher

Auf der Tür prangt ein großer Zettel mit der Aufschrift: "Ab 1. April 2016 bleibt der Kreißsaal für immer geschlossen!" Darunter auf dem Fußboden liegt ein Strauß roter Rosen. Wer die Blumen dort hingelegt hat, weiß auch Krankenschwester Ingeborg Belgard nicht: "Die lagen auf einmal da." Die 57-jährige sitzt im Wermelskirchener Krankenhaus im sogenannten Kinderzimmer, wo normalerweise vom Flur aus durch ein großes Fenster gerne die Neugeborenen fasziniert angeschaut werden. Das wird es jetzt aber nicht mehr geben. Denn seit gestern ist die Geburtshilfe im Wermelskirchener Krankenhaus Geschichte.

Drei Babys erblickten hier noch am 28., 29. und zuletzt am 31. März das Licht der Welt. Das letzte Baby, das im Kreißsaal geboren wurde, ist der kleine Julius Wocke. Bei den Angestellten der Station 1 im Krankenhaus herrscht große Bestürzung und Trauer. Im BM-Gespräch ist Ingeborg Belgard den Tränen nahe: "Wir sind alle traurig. Innerhalb von zwölf Tagen wird hier ein tolles Team auseinandergerissen. Damit hat hier niemand gerechnet."

Ingeborg Belgard arbeitet seit mittlerweile 39 Jahren im Krankenhaus Wermelskirchen, sie hat selber hier entbunden, später auch ihre Tochter. Ingeborg Belgard bleibt zukünftig auf der Station 1 tätig, andere Mitarbeiter der Geburtenstation werden in andere Abteilungen des Hospitals an der Königstraße versetzt.

Der gynäkologische Fachbereich bleibt an die Station 1 gebunden - die Station ist interdisziplinär ausgelegt: Auch Patienten anderer Fachbereiche, zum Beispiel der Chirurgie, bekommen hier zur Auslastung der Zimmer ein Bett. "Natürlich ist die Verantwortung sehr groß, wenn man die Neugeborenen im Kinderzimmer betreut, die Kleinen können sich ja schließlich nicht melden. Aber es ist immer eine dankbare Aufgabe gewesen", erinnert sich Ingeborg Belgard gerne an ihre Arbeit mit den Babys zurück. "Es ist sehr schade, dass die Geburtenstation schließt. Den Service von uns bekommen die Eltern nirgendwo mehr", meint die Krankenschwester. Sie weiß aber auch: "Die Geburtenzahl ist zurückgegangen, das ist Fakt."

Mit einem Kloß im Hals blickt Ingeborg Belgard auf einen Plüsch-Storch, der mit gesenktem Kopf in einem der Kinderbettchen platziert ist: "Der Storch hat hier im Krankenhaus keine Landeerlaubnis mehr", sagt sie traurig. In der Vergangenheit hatten sich glückliche Eltern mit ihren Babys und dem Storch gerne fotografieren lassen. Auch das wird es nicht mehr geben.

Am Nachmittag versammeln sich mehr als 60 Mütter vor dem Haupteingang. Um sie herum wuseln zahlreiche Kinder, die im Wermelskirchener Krankenhaus geboren wurden. Die Mütter sind nicht gekommen, um gegen die Entscheidung der Chefetage zu protestieren. Sie möchten vielmehr ihre Dankbarkeit über die tolle Arbeit des gesamten Teams der Station I zum Ausdruck bringen. Die Stimmung ist gedrückt.

Einige Frauen haben Plakate niedergelegt, andere rote Rosen oder Kerzen. "Wir danken den Menschen, die so tolle Arbeit leisten - nicht dem Krankenhaus", sagt Angela Allegretti (32), die drei Kinder in Wermelskirchen entbunden hat. Es sei nicht schön, wie mit dem Geburtshilfeteam umgegangen werde. "Das hätte man anders regeln können", meint die Burscheiderin.

Quelle: RP
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