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Birgit Ludwig-Schieffers
"Ein Zeugnis ist niemals nur schlecht"

Wermelskirchen. Gestern gab es Zeugnisse. Ab jetzt beginnen die Sommerferien für die Schüler in Wermelskirchen. Im BM-Interview erklärte Birgit Ludwig-Schieffers, Leiterin der Erziehungsberatungsstelle Wermelskirchen, warum diese für Kinder wichtig sind.

Frau Ludwig-Schieffers, sollten die Sommerferien Kindern und Jugendlichen ausschließlich als Zeit der Erholung dienen, oder dürfen auch Lernblöcke eingebaut werden?

Ludwig-Schieffers Es ist durchaus möglich, dass sich die Schüler am Ende der Sommerferien bereits auf das kommende Schuljahr vorbereiten und lernen. Doch erst einmal brauchen die Kinder und Jugendlichen Freizeit und Entspannung.

Warum ist eine Auszeit von der Schule wichtig für die Schüler?

Ludwig-Schieffers Heutzutage ist die Schulzeit für die Kinder - gerade aufgrund des Offenen Ganztags und Nachmittagsunterrichts - ein anstrengendes Geschäft geworden. Sie sind in ihrem Lebensalltag durch die Schule sehr eingeschränkt. Manche Kinder berichten gar davon, dass sie Hobbys wie Sport oder das Vereinsleben aufgeben mussten, weil sie aufgrund der Lernbelastung keine Zeit mehr dafür hätten. Deshalb verdienen Kinder ihre Ferien. Es ist wichtig, dass sie einfach mal die Zeit dazu haben, ihren Alltag selbst zu gestalten oder eben mal gar nichts zu tun.

Bewerten Schüler und Eltern die schulfreie Zeit unterschiedlich?

Ludwig-Schieffers Für Schüler bedeuten die Ferien in erster Linie freie Zeit, die Eltern hingegen erwarten schon, dass ihre Kinder in den Ferien auch etwas für die Schule tun. Das liegt daran, dass sich die Eltern selbst Druck machen. Das heißt, bringt das Kind eine schlechte Note nach Hause, sehen viele Eltern das als eigenes Versagen an. Und diesen Leistungsdruck geben sie dann an ihre Kinder weiter.

Wie sollten sich Eltern ihren Kindern gegenüber denn verhalten, wenn das Zeugnis nicht so gut ausgefallen ist, wie erhofft?

Ludwig-Schieffers Die Noten sind ja schon eine ganze Weile vor den Zeugnissen bekannt. Wird ein Schüler nicht versetzt, wissen die Eltern durch den Kontakt zu den Lehrern oder Frühwarnsysteme wie den "Blauen Brief" schon früher Bescheid. Abgesehen davon ist ein Zeugnis nie ganz schlecht. Es gibt immer auch positive Ergebnisse, und die sollte man würdigen. Selbst wenn ein Schüler die Klasse wiederholen muss, es aber geschafft hat, von vier Fünfen auf dem Halbjahreszeugnis auf zwei Fünfen auf dem Jahresabschlusszeugnis zu kommen, ist das eine tolle Leistung. Für ein Kind ist ein schlechtes Zeugnis obendrein selbst etwas Schlimmes. Da braucht es Eltern, die es trösten und fragen, wie sie helfen könnten, anstatt welche, die schimpfen und das Kind klein machen.

Wie können Eltern ihren Kindern helfen, bessere Noten zu bekommen?

Ludwig-Schieffers Wichtig ist es herauszufinden, welche Ursachen hinter den schlechten Noten stecken. Handelt es sich um echte Überforderung - dann sollte man über Fördermaßnahmen oder einen Schulwechsel nachdenken -, oder verbergen sich äußere Einflüsse und emotionale Gründe dahinter. Das kann die Trennung der Eltern sein, das kann Liebeskummer sein oder auch ein Konflikt in der Schule.

BEATE WYGLENDA STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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