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Wermelskirchen
Einblicke in eine dunkle Vergangenheit

Wermelskirchen: Einblicke in eine dunkle Vergangenheit
Armin Himmelrath stellt eine Kerze an der Kölner Straße auf - auch dort gibt es drei Stolpersteine in Gedenken an Wermelskirchener, die in einem Konzentrationslager ermordet wurden. FOTO: Jürgen Moll
Wermelskirchen. Der Stadtspaziergang "Wermelskirchen unterm Hakenkreuz" vermittelt einen Eindruck davon, wie die NS-Ideologie die Gesellschaft durchdrang. Von Frederik Oehl

Wie sah das Leben in Wermelskirchen zur Zeit des Nationalsozialismus aus? Wie wirkte die NS-Ideologie in die Gesellschaft hinein? Welche bis heute sichtbaren Spuren hat die zwölf Jahre währende Gewaltherrschaft in der Stadt hinterlassen? Schon seit dem Jahr 2002 bietet die VHS Bergisches Land in Kooperation mit der Stadt Wermelskirchen regelmäßig Stadtrundgänge an, bei denen Interessierte diesen Fragen nachgehen können. Auch am Sonntag lud der Wissenschaftsjournalist Armin Himmelrath wieder dazu ein, sich mit der Geschichte Wermelskirchens im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen - und trotz des kalten Novemberwetters fanden sich dazu 20 Teilnehmer nachmittags am Treffpunkt auf dem Parkplatz des Gymnasiums ein.

Im Mittelpunkt stand bei dem 90-minütigen Rundgang die Frage, durch welche Mechanismen die politische Indoktrination in der NS-Zeit ihre Wirksamkeit entfalten und "die gesamte Gesellschaft vergiften" (Himmelrath) konnte. Auf der Suche nach Antworten gab Armin Himmelrath eindrucksvolle und anschauliche Einblicke in die Vergangenheit verschiedener Standorte in der Wermelskirchener Innenstadt - etwa des heutigen Gymnasiums oder der Kattwinkelschen Fabrik. Zahlreiche historische Fotos und Dokumente vertieften dabei das Bild vom Wermelskirchen der 1930er- und 1940er-Jahre. Schnell wurde beim Rundgang klar, wie tief die NS-Ideologie in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen war. In der Schule war der Unterricht militärisch geprägt - die Lehrer etwa erschienen in Uniform - und auf Klassenfahrten wurden Schützengräben ausgehoben und Schießübungen mit Luftgewehren abgehalten. "Bereits ein Jahr vor Kriegsbeginn gab es Übungen, in denen es um den Umgang mit englischen Brandbomben ging", erklärte Himmelrath. An der alten Dörpfeldschule, deren Gelände heute Teil des Gymnasiums ist, waren im Jahr 1937 so gut wie alle Schüler in den Nationalsozialistischen Jugendverbänden (etwa "Hitlerjugend" oder "Bund Deutscher Mädel") organisiert. Der Beweis: eine spezielle Fahne, die - auf Fotos deutlich sichtbar - vor der Dörpfeldschule prangte. "Nur Schulen, an denen 99 Prozent der Schüler auch in den NS-Jugendverbänden aktiv waren, durften sie führen", berichtete Armin Himmelrath.

Während des Krieges waren in Wermelskirchen auch Zwangsarbeiter, unter anderem aus Polen und Russland, untergebracht - darunter auch 13- bis 15-jährige Jugendliche. "Dass es Zwangsarbeit gab, war in der Stadt sichtbar und wurde nicht verheimlicht", erklärte Himmelrath.

Stolpersteine erinnern heute an einige der Opfer des NS-Terrors aus Wermelskirchen - etwa an drei Mitglieder der jüdischen Familie Kahn, die nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden, und an Ernst Fastenrath, der 1945 im Konzentrationslager (KZ) Flossenbürg ermordet wurde. "Für mich ist es wichtig, zu sehen, dass Auschwitz nichts unendlich weit Entferntes ist - auch Menschen aus Wermelskirchen wurden dort ermordet", sagte Armin Himmelrath.

Voraussichtlich wird im Februar der nächste Stadtspaziergang stattfinden.

Quelle: RP
 
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