| 00.00 Uhr

Wermelskirchen
Eine Frischzellenkur für Unternehmen

Wermelskirchen: Eine Frischzellenkur für Unternehmen
Steintex-Geschäftsführer Walter vom Stein zeigt der Fachkräfteberaterin Annette Engel, was heute mit hochmodernen Maschinen in seiner Firma alles produziert wird. FOTO: Teifel
Wermelskirchen. Die Firma Steintex hat sehr gute Erfahrungen gemacht mit der neuen Fachkräfteberatung der IHK. "Aus einem großen Warenkorb an Dienstleistungen und Empfehlungen suche ich meine Themen aus", beschreibt Walter vom Stein. Von Udo Teifel

Die Frage, die Eva Babatz in den Wirtschaftsgremien oder bei Besuchen in den Unternehmen häufig stellt, sorgt bei den Geschäftsführern oftmals für verlegenes Schweigen. "Kennen Sie den Altersdurchschnitt in ihrem Unternehmen?", lautet die einfache Frage. Ihre Bilanzen kennen die meisten Geschäftsführer aus dem Effeff, aber demografiefest sind sie nicht immer. Dabei ist dies besonders wichtig in kleinen und mittleren Unternehmen, die keine moderne Personalverwaltung haben. "Viele Unternehmen haben dafür noch kein Bewusstsein entwickelt", sagt die Geschäftsstellenleiterin der IHK Leverkusen/Rhein-Berg. Besonders diesen kleinen und mittleren Unternehmen greift die IHK jetzt mit einer Fachkräfteberatung unter die Arme.

Die Firma Steintex ist eine der ersten Unternehmen, die dieses "Coaching" genutzt hat. "Wenn wir fit sein wollen für die Zukunft, müssen wir in unsere Mitarbeiter investieren", zieht Walter vom Stein eine erste Bilanz. Er hat diese erste Beratungsphase durchlaufen und dabei festgestellt, dass zwar immer mehr "intelligente Produktionsmittel" zum Einsatz kommen, aber "wir fast keine Leute haben, die diese Anlagen umfassend bedienen können".

Und hier setzt letztlich die IHK-Fachkräfteberatung an. Seit Anfang des Jahres ist die Diplom-Pädagogin Annette Engel dem Geschäftsstellenbereich Leverkusen/Rhein-Berg zugeteilt. 30 Unternehmen, die Interesse signalisieren, hat sie bereits besucht. "Die häufigste Frage, die die Geschäftsführer stellten, war: Wir finden keine konkreten Fachkräfte. Was kann ich tun?"

Hier berät Engel kostenfrei, vermittelt aber keine Kräfte: "Das steht uns nicht zu." Vier Bausteine wurden im Vorfeld erarbeitet. Da wird die Ausgangssituation betrachtet - wie eben die Altersstruktur, die Mitarbeiterpotenziale untersucht, die regionalen Bedingungen beleuchtet. Fachkräfte finden ist ein weiterer Baustein (welche Rekrutierungswege gibt es zum Beispiel). Wichtig aber auch: Wie binde ich Fachkräfte? Hier ist besonders wichtig die Vereinbarung von Beruf und Familie oder die Unternehmenskultur. Ebenso auch die Qualifizierung der Mitarbeiter.

"Uns ist zum Beispiel klar geworden, dass eine Kantine für unser Unternehmen wichtig ist", erzählt vom Stein. Für ihn ist das Angebot der IHK "ein großer Warenkorb", aus dem man sich die Themen für sein Unternehmen raussuchen" könne. "Wichtig ist auch, dass die IHK nicht nur berät, sondern auch weiter begleitet."

Nach den Gesprächen ist vom Stein zu der Entscheidung gekommen, die Mitarbeiter noch intensiver zu fördern. Das sieht er auch als Appell an andere Unternehmen. "Wenn der Chef in seinen Mitarbeitern Potenziale entdeckt und fördert, fühlen sie eine Wertschätzung und finden die Aufstiegsmöglichkeit im eigenen Unternehmen."

Da setzt auch Eva Babatz an. "Wir wollen die duale Ausbildung forcieren. Dafür bewundert uns die ganze Welt, aber hier in Deutschland hat der Studienwahn eingesetzt. Alle wollen nur Karriere machen." Deshalb soll gerade die duale Ausbildung weiter in den Fokus rücken. Ein Schritt dazu ist der Ausbildungsbotschafter. "Das haben wir bei Steintex erarbeitet", hieß es im Pressegespräch. Auszubildende gehen zu Schülern in den Unterricht und berichten über ihre Tätigkeit und den Ausbildungsberuf. "Dieses niederschwellige Angebot soll frühzeitig den Kontakt zu den Jugendlichen herstellen", berichtet die IHK-Geschäftsstellenleiterin.

Walter vom Stein glaubt, dass viele Unternehmen, die sich auf diese frühzeitige Fachkräfteberatung einließen, schnell den "Aha-Effekt" erleben: "Das ist wie eine Frischzellenkur." Weiter: "Und schauen Sie sich ruhig Ihre Mitarbeiter an." Er habe eine alleinerziehende Mutter, deren Ziel es sei, dass die Tochter Abitur mache. Da sieht er auch Potenzial. Die Mutter als Vorbild für die Tochter - "sie macht jetzt Weiterbildungen. Ich bin sehr zuversichtlich."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wermelskirchen: Eine Frischzellenkur für Unternehmen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.