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Wermelskirchen
Eine Spielgefährtin aus Ruanda

Wermelskirchen: Eine Spielgefährtin aus Ruanda
In der Evangelischen Gemeinde in Tente engagiert sich Penina unter anderem im Kindergarten. FOTO: Michael Schütz
Wermelskirchen. Penina Umwaniwabo (24) ist für ein Freiwilliges Soziales Jahr im April aus dem afrikanischen Butare nach Tente gezogen. Von Jessica Balleer

Im April steigt die junge Afrikanerin in Düsseldorf aus dem Flugzeug. Eine mehr als zwölfstündige Reise hat die damals 23-Jährige da schon hinter sich. Die erste ihres Lebens. "Penina hat sofort auf ihr Smartphone geschaut", sagt Heiko Poersch. Der Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Tente hatte die junge Frau bereits erwartet, um sie abzuholen. "Sie wollte ihrer Familie sofort schreiben, dass alles okay ist." Doch ein weites Lächeln hat sie damals trotz aller Müdigkeit im Gesicht. Es ist ein Lächeln der Vorfreude: Aus der afrikanischen Stadt Butare in dem "Land der tausend Hügel" Ruanda bis ins beschauliche Tente hat es Penina Umwaniwabo (24) gezogen. Und mit demselben Lächeln, das sie schon bei ihrer Ankunft hatte, sitzt sie nun umzingelt von Kindern in der Kita der Evangelischen Gemeinde.

"Kommt sie jetzt jeden Morgen mit dem Flugzeug zu uns?" Mit dieser Frage hatten sich die Kindergartenkinder am Anfang bei Heiko Poersch über ihre neue Erzieherin informiert. Etwas skeptisch waren sie schon, weil Penina ganz anders aussieht. Schon ihre Hautfarbe war etwas Besonderes für die Tenter Kinder. Heute, nach den ersten Wochen, ist die 24-Jährige längst zur beliebtesten Spielgefährtin geworden.

Ein Austauschprogramm der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) ermöglicht Penina Umwaniwabo einen einjährigen Aufenthalt in Deutschland. Für das Freiwillige Soziale Jahr hatten sich in Ruanda viele junge Erwachsene beworben. Die 24-Jährige, die in Ruanda bereits ein Studium der Agrarwissenschaften absolvierte, hatte sich gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt. Die VEM ist erster Ansprechpartner, wenn es um organisatorische und finanzielle Fragen geht. Der Förderverein für Evangelische Gemeindearbeit steht ebenfalls zur Seite. Doch im Alltag ist es ihre Gastfamilie, sind es die Ewerts, an die sie sich wenden kann. Und das mittlerweile sogar schon auf Deutsch.

"Hallo, wie geht es Dir? Ich komme aus Ruanda. Ich bin Vegetarierin", sagt Penina. Und sie grinst dabei schon wieder. Deutsch sei eine schwierige Sprache, sagt sie. Aber ganz nach dem deutschen Sprichwort "von nichts kommt nichts" geht sie fleißig zum Deutschunterricht der VHS: viermal die Woche, von acht Uhr morgens bis 12.20 Uhr am Mittag. Dabei ist ihr Wochenplan ohnehin gut gefüllt. Neben dem Evangelischen Kindergarten unterstützt sie Jugendreferentin Beatrix Fischer in der Grundschule oder betreut Jugendgruppen. Sie war mit auf dem Pfingstzeltlager im Sauerland und beim "Christival" im Karlsruhe. Der Glaube sei ihr wichtig. Jeden Tag bete sie. "Für die Familie, für Menschen in Not und für die Zukunft", sagt Penina. In ihrer Heimat Butare ist sie Mitglied in der Anglikanischen Kirche, hat im Gospelchor gesungen. "Wir wollen den kulturellen Austausch nutzen", sagt Pfarrer Heiko Poersch. Für Penina geht es um mehr, sie will lernen.

Die deutsche Erziehung sei ganz anders als Zuhause. In Ruanda gebe es einen laissez-fairen Stil. Kleine Kinder gehen alleine zur Schule. Die Eltern nehmen es, wie es eben kommt. "Hier sind die Eltern vorsichtig, kümmern sich. Das gefällt mir", sagt die 24-Jährige. Dass Deutsche ernst sind und immer arbeiten denken die Menschen in ihrer Heimat. Eines hatte sie aber nicht bedacht: "It's so cold here", sagt sie über das nasskalte Wetter. Für den Winter wird sie sich neu einkleiden müssen, denn sie will bleiben - bis April 2017.

Quelle: RP
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