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Serie 60 Minuten Im Ehrenamt
Eine Weltfairbesserin hinter der Kasse

Serie 60 Minuten Im Ehrenamt: Eine Weltfairbesserin hinter der Kasse
Einkaufen und verkaufen: Monique Schüpphaus engagiert sich seit rund 20 Jahren für die Initiative "Eine Welt". T. Demski FOTO: Theresa Demski
Wermelskirchen. Seit 20 Jahren engagiert sich Monique Schüpphaus für den Ökumenischen Arbeitskreis "Eine Welt". Inzwischen macht sie den Einkauf. Von Theresa Demski

Wenn Monique Schüpphaus Kakao aus Peru bestellt, dann hat sie die Kleinbauern vor Augen, die ihre Ernte einfahren. Und die Lieferanten, die damals von ihren Reisen in Südamerika zurückkehrten, ihr Leben auf den Kopf stellten und Kakaobauern in Peru einen direkten Zugang zum europäischen Markt ermöglichten. "Jedes Produkt hier hat ein Gesicht für mich", sagt Monique Schüpphaus und blickt sich in dem hellen Weltladen am Markt um.

Das gilt für den Silberschmuck aus Mexiko, für den sich zwei BWL-Studentinnen aus Deutschland interessierten und einen Weg fanden, um ihn hier auf den Markt zu bringen. Das gilt für Stoffe, die in Indien per Handdruck ihre Muster erhalten und Arbeitern so eine Existenz ermöglichen. "Diese Menschen motivieren mich", sagt die 62-Jährige.

Seit 20 Jahren engagiert sie sich für den Ökumenischen Arbeitskreis "Eine Welt". Einmal in der Woche sitzt sie hinter der hochmodernen Kasse im Weltladen, verkauft fair gehandelten Kaffee und Tee genauso wie Schmuck oder Taschen. Und wenn Kunden es genau wissen wollen, wenn sie nach Produzenten und Lieferanten, nach Siegeln und Zertifikaten fragen, dann steht Monique Schüpphaus Rede und Antwort. Denn sie weiß es genau.

Seit elf Jahren kümmert sich die Wermelskirchenerin beim Weltladen um den Einkauf - seit die Initiative das große Geschäft am Markt betreibt. "Wir sind Ehrenamtliche und schmeißen einen professionellen Laden", sagt sie, "das ist manchmal eine richtige Herausforderung." Unterstützung bekommt der Verein von Finanzexperten und einem Steuerberater, die sich ehrenamtlich engagieren.

Dazu gab es zu Beginn Seminare, die der Weltladen-Dachverband und das Unternehmen "gepa" als größter europäischer Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte anboten, um die Ehrenamtlichen auf ihren Einsatz vorbereiteten. Wie sieht ein Sortiment aus? Welche Kunden wollen wir erreichen? Und auf was können wir verzichten? Monique Schüpphaus fand mit professioneller Hilfe Antworten.

Inzwischen fährt sie dreimal im Jahr zu Messen und Tagungen, hält die Augen offen und analysiert gemeinsam mit ihren Kollegen im Weltladen scharfsinnig. "Wir testen immer mal wieder neue Produkte", erzählt sie. Gebunden ist sie dabei an die rund 60 geprüften Lieferanten des Weltladen-Dachverbandes. Viele Stammkunden, aber nur wenige Passanten kommen in den Weltladen - auf der Suche nach Gewürzen, Kaffee und Geschenken. Die Rückmeldungen erreichen die Einkäuferin also prompt. "Wenn etwas länger im Regal stehenbleibt, dann bin ich unzufrieden", sagt sie, "schließlich habe ich doch eine Verantwortung."

Als Monique Schüpphaus vor rund 20 Jahren zu der Gruppe der Ehrenamtlichen stieß, da gab es noch kein Kassensystem, keine täglichen Öffnungszeiten, nur ein kleines Geschäft. "Nach unserem Gottesdienst in St. Michael sind wir hier runter zum Evangelischen Gemeindehaus gekommen und haben beim Verkaufen geholfen", erzählt sie. So fing damals alles an. Monique Schüpphaus wollte etwas tun. Wer sie und Vorstandskollegin Christiane von Dreusche nach ihrem Engagement fragt, der bekommt eine klare Antwort.

Das Wirtschaftssystem mache die einen reich und die anderem arm. "Wir leben über unsere Verhältnisse, beachten nicht die Ressourcen und die Menschen im südlichen Teil dieser Welt", stellen die beiden Frauen fest. Deswegen riefen die katholischen und evangelischen Christen damals, vor mehr als 35 Jahren, die Initiative ins Leben. Eine Welt: Alle Menschen auf der Welt sollten ähnliche Lebensbedingungen haben, wünschten sich die Ehrenamtlichen. Und das wünschen sie sich auch heute. "Viele kleine Schritte haben wir schon geschafft", sagt Monique Schüpphaus, "aber es bleibt viel zu tun."

Quelle: RP
 
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