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Wermelskirchen
Eine Zeitreise durchs Dhünntal

Wermelskirchen: Eine Zeitreise durchs Dhünntal
Ein Dokument aus den 60er Jahren: Die in den Fluten der Großen Dhünn-Talsperre versunkene Hofschaft Plätzmühle. FOTO: Jendrischewski
Wermelskirchen. Wer von den Wermelskirchenern kann sich noch erinnern an die Hofschaften Plätzmühle, Haaswinkel, Müllenberg und Hohemühle? Es dürften die wenigsten sein: Diese Orte gehörten zu den 27 Hofschaften, die ganz oder teilweise der Großen Dhünn-Talsperre zum Opfer fielen. Mehr als 200 Menschen wurden umgesiedelt. Von Bernd Geisler

Viele derjenigen, die mit den eingangs erwähnte vier Hofschaften noch etwas anfangen können, hatten sich zu Marita Jendrischewskis Diavortrag "Bilder und Lesereise von Plätzmühle nach Hohemühle" in Markt 57 in Dabringhausen eingefunden. Der Gesellschaftsraum war gut gefüllt, das Interesse der Besucher war riesengroß. Jendrischewski führte die Besucher auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte. Sie lieferte anhand des zweiten Bandes ihres Buches "Das Dhünntal - Menschen und Geschichte(n) einer versunkenen Landschaft" eine Fülle von Details, die so manche vergessen geglaubte Erinnerungen ehemaliger Bewohner und deren Verwandte und Freunde hervorholten.

Viele dieser ehemaligen Bewohner hatten wieder einmal "den Sprung über die Dhünn gewagt", freute sich die Referentin. Damit spielte sie auf die Dhünn an. Sie markiert auch heute noch die südliche Stadtgrenze Wermelskirchens und die nördliche von Kürten. Das war auch eine religiöse Grenze zwischen katholisch (Kürten) und evangelisch (Wermelskirchen). So verweigerte der Pfarrer in Bechen den kirchlichen Segen für Karl Stein (geboren 1920) und seiner späteren Frau Maria aus Müllenberg, da Karl der "falschen Konzession" angehörte. Der katholische Geistliche in Grunewald war weniger zimperlich - die Trauung fand in der dortigen katholischen Kirche statt.

Die Besucher erlebten auf dieser Zeitreise durch die südliche Dhünnseite teilweise ihre Jugend noch einmal. Im Saal wurde es richtig lebendig. Laute Zwischenrufe wie "Isch kenn datt!" oder "Ja, so war's" ertönten.

Plätzmühle war zum Beispiel ein idealer Ort, um dort Feuerwehrübungen am Wasser der Dhünn abzuhalten, erfuhren die Besucher. In Haaswinkel gab es im Hause Arnold Lindens ein Plumpsklo für die Großen und direkt daneben auch für die Kleinen. "Vater und Sohn konnten so gemeinsam eine Sitzung abhalten und ganz nebenbei wichtige Dinge besprechen", las Marita Jendrischewski aus ihrem Buch vor.

Siegfried Eiberg (80) wurde in Müllenberg geboren. Er und seine Ehefrau Elisabeth (77) wussten viel zu erzählen. Ihr Haus musste der Talsperre weichen. "Die Kindheit war sehr schön - auch mit Brunnenwasser und ohne elektrischen Strom", sagte Siegfried Eiberg.

Wanderung Wer diese Zeitreise auch zu Fuß erleben möchte, der kann sich an Marita Jendrischewskis Wanderung "Spurenlesen im alten Dhünntal" am Samstag, 3. September, anschließen. Info: www.aqualon-verein.de.

Quelle: RP
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