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Torsten Pütz im Gespräch
"Einmol Prinz zo sin" ist der Traum

Torsten Pütz im Gespräch: "Einmol Prinz zo sin" ist der Traum
2015 feierte Torsten Pütz (m.) die jecke Zeit als Prinz der Narrenzunft Neye in Wipperfürth. Das Dreigestirn komplettierten Jungfrau Alexandra (Axel Mundt) und Bauer Holger (Haybach). FOTO: Moll (archiv)
Wermelskirchen. Torsten Pütz ist Karnevalist durch und durch. Der 52-jährige Hückeswagener stand lange Jahre auf den jecken Bühnen, ist Mitglied der Blauen Funken Köln und war vor vier Jahren selbst Prinz in Wipperfürth. Die Entwicklung hin zum Partykarneval sieht er kritisch.

Noch wenige Tage bis Weiberfastnacht, da dürfte es Ihnen in den Füßen jucken.

Pütz Ja, in der Tat.

Wie macht sich das bemerkbar?

Pütz Man arbeitet auf die ganze Karnevalszeit, die in diesen letzten "tollen Tagen" endet, hin. Man mus aber schon ein bisschen aufpassen, dass man zu diesen Tagen auch noch fit ist und noch Lust am Karneval hat. Man sollte dann vorher nicht ganz so viel machen. . . (lacht)

Welche Beziehung haben Sie zum Karneval? Wie ist die Liebe zur "fünften Jahreszeit" zustande gekommen?

Pütz In Jugendzeiten. Mit 16 war ich zum ersten Mal in Köln. Später dann Berufsschule in Köln, wodurch die innige Liebe zur Stadt entstanden ist. Dadurch bin ich auch zum Karneval gekommen, und dabei ist es bis heute geblieben.

Wie kam es, dass Sie Mitglied der Blauen Funken Artillerie in Köln wurden?

Pütz Über den Mann einer Arbeitskollegin, der schon Mitglied bei den Blauen Funken war und mich jahrelang dazu gedrängt hat. Nachdem ich meine Meisterschule abgeschlossen hatte, bin ich dann halt mal mitgegangen - und dabei geblieben.

Was ist das Faszinierende daran?

Pütz Der Zusammenhalt. Ich hab' meine Freunde, man kennt sich mittlerweile seit mehr als 20 Jahren, verbringt während des Karnevals viel Zeit miteinander, aber auch danach. Dann sind die Funken wie jeder andere Verein auch, dem man sich verbunden fühlt - ein stückweit Familie, mit der man gerne was unternimmt.

Gibt es noch andere jecke Mitgliedschaften?

Pütz Ich war jahrelang in Hückeswagen im Quartett-Verein "Rheingold", den es leider heute nicht mehr gibt. Ich habe da eine intensive Zeit erlebt, als ich selber auf der Bühne stand: als Sänger, Tänzer, Karnevalsjecke, der versucht hat, dem Publikum ein bisschen Freude zu schenken. Die intensivste Zeit war natürlich die als Prinz der Narrenzunft Neye in der Session 2013/2014. Das war das Highlight schlechthin.

Das ist tatsächlich der Traum eines jeden wirklichen Karnevalisten,

"einmol Prinz zo sin"?

Pütz Auf jeden Fall. Das kann ich jedem nur empfehlen. Die Narrenzunft Neye hat uns wirklich ein wunderschönes Jahr geschenkt, sich um alles gekümmert und uns unterstützt. Das war schon enorm, was da geleistet wurde.

Ist das denn finanziell verkraftbar?

Pütz Ja. Das liegt aber auch an einem selbst, wie viel Geld man dafür ausgibt. Zum einen unterstützt einen der Verein, zum anderen kann man das Ganze ein bisschen über Sponsoring, Freunde, Ordens- und Pinnverkäufe sowie Spendensammeln im Rahmen halten. Das ist eigentlich für jeden erschwinglich.

Sie wohnen in Hückeswagen, arbeiten in Wermelskirchen und waren in Wipperfürth Karnevalsprinz. Bitte schildern Sie mal die Unterschiede im Karneval in den drei Städten.

Pütz Wipperfürth ist schon die Hochburg des Karnevals hier in unserer Umgebung - zumindest habe ich das so kennengelernt. Hückeswagen gibt sich Mühe, aber da ist halt nicht viel. Die Kolpingsfamilie organisiert den "Rä-Te-Ma-Teng" (den Rosenmontagszug; Anm. d. Red.), die Kinder-Tanzparty und die Gala-Sitzung im Kolpinghaus sind auch Höhepunkte im Hückeswagener Karneval. Die katholischen Frauen mit ihrer Mädchensitzung - das ist es dann auch mit dem Karneval in Hückeswagen. Das lässt sich nicht wirklich mit dem Wipperfürther Straßenkarneval vergleichen.

Und Wermelskirchen?

Pütz Da bin ich überfragt. Hier ist ein bisschen was, der größte Teil spielt sich aber in Dabringhausen und Dhünn ab.

Gibt es ein Karnevalsprojekt, das Sie gerne mal in die Wege leiten würden?

Pütz Wir haben aus Spaß und Dollerei die "KG Dreispitz - die Grenzgänger" gegründet, eine Zwei-Mann-Kamellegruppe, die aus Wipperfürther Ex-Prinzen besteht. Wir haben uns ein paar Orden machen lassen und uns dieses Jahr das gleiche Outfit zugelegt, werden in Wipperfürth an Weiberfastnacht im Straßenkarneval auftreten. Sonntags beim Zug stehen wir zumindest gemeinsam am Zugweg und jubeln den Jecken zu. Aber mehr wird das mit Sicherheit nicht werden. Ein Projekt könnte vielleicht nächstes Jahr der Versuch werden, eine Tanzveranstaltung in Hückeswagen am Karnevalssamstag zu installieren. Aber das sind momentan eher Hirngespinste als feste Absichten.

Wie hat sich der Karneval seit Ihrer Kindheit verändert?

Pütz Der Kinderkarneval, den ich in der Kolpingsfamilie kennengelernt habe, ist eigentlich gleich geblieben. Da sehe ich keine großartigen Unterschiede. Wird er doch weiterhin sehr traditionell gefeiert. Der Karneval als solcher hat sich dagegen von der Schunkel-Feiergesellschaft in eine absolute Partygesellschaft verwandelt, der ich teilweise auch nicht so ganz folgen kann. Hauptsache "Tä-Tä", laut und Party ohne Ende - aber da ist kaum jemand mehr, der noch zuhören kann.

Die Jecken, vor allem in den Sälen, wollen immer weniger Redner hören und stattdessen "Party machen" mit Brings, Kasalla & Co. Wohin wird diese Entwicklung führen?

Pütz Die Schere zwischen dem traditionellen und dem Partykarneval wird immer weiter auseinanderdriften. Da sind noch die traditionellen Karnevalskorps, die versuchen, das so weiterzuführen, wie sie es bisher gemacht haben. Das wird aber schwieriger, weil das Publikum das nicht mehr so sehen möchte, wie früher. Auf der anderen Seite wird die Partygeschichte die Zukunft werden - das Cross-over zwischen Party und traditioneller kölscher Musik. Es ist ja eigentlich keine Karnevalsmusik mehr, sondern eher Schlager "op Kölsch". Die Lieder können auch woanders laufen - auf jeder Mallorcaparty und jedem Geburtstag, das ganze Jahr über durch.

Was machen Sie an Rosenmontag?

Pütz Voraussichtlich werde ich erstmal mit den Blauen Funken im Kölner Rosenmontagszug mitlaufen. Und danach auf dem schnellsten Weg wieder zurück nach Hückeswagen, um da die letzte Runde vom "Rä-Te-Ma-Teng" mitzukriegen. Danach lasse ich mit Freunden und Familie den Karneval ausklingen.

Wie viele Kostüme - und was für welche - haben Sie?

Pütz In erster Linie Uniformen. Aber sicherlich ist der Fundus groß und geht von Cowboy und Indianer bis zu Prinz und Scheich. Was sich in 30 Jahren Karneval eben so angesammelt hat - wenn man da denn noch überall reinpasst (lacht).

Wo feiern Sie am liebsten?

Pütz Mittlerweile in Hückeswagen in irgendeiner Kneipe, die nicht so brechend voll ist, damit man einander noch verstehen kann. Ich meide mittlerweile die größeren Veranstaltungen, weil ich mich da einfach nicht mehr wohlfühle. Das ist nicht mehr meine Generation und meine Art, Karneval zu feiern.

Welche Kamelle sammeln Sie und warum?

Pütz (lacht) Alles! Ich bück' mich auch für jedes Kamellchen, das geflogen kommt, und verteil's auf die Taschen der Kinder. Es kostet ja alles Geld, und die Leute geben sich die Mühe, etwas unters Volk zu werfen. Ich versuche trotzdem, so wenig wie möglich davon zu essen, damit ich nächstes Jahr wenigstens halbwegs in die Uniform passe (lacht).

STEPHAN BÜLLESBACH FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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