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Wermelskirchen
Engpass bei der Impfstoffversorgung

Wermelskirchen. In Wermelskirchen fehlt es an Vierfach-Serum. Der Polio-Impfschutz kann also aktuell nicht aufgefrischt werden. Die Herstellung der Impfstoffe dauert sehr lange. Der Markt wird nur von einigen wenigen Unternehmen beherrscht. Von Elena Erbrich

In Wermelskirchen gibt es derzeit einen Engpass bei der Vierfach-Impfstoffversorgung. Allgemeinmediziner Thomas Schwitalla muss auf den Dreifach-Impfstoff zurückgreifen. Das bedeutet, dass seine Patienten entweder keine Polio- oder keine Keuchhustenauffrischung bekommen. Für Urlauber ist der Schutz gegen diese Krankheiten aber wichtig. "Die Dreifach-Impfung ist besser als gar keine Impfung", sagt Schwitalla. Schutz gegen Diphtherie und Tetanus, der immer gewährleistet sein sollte, sind auf jeden Fall im Dreifach-Impfstoff enthalten.

Immer wieder kommt es zu solchen Engpässen bei der Versorgung. Seit längerer Zeit gibt es nun schon zu wenig Polio-Serum. Grund dafür sind eine erhöhte Nachfrage und eine Umstellung in der Herstellung. "Wir haben auch schon die Rückmeldung bekommen, dass manche Ärzte und Apotheken Impfstoffe horten, die dann an anderer Stelle fehlen", erzählt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut. Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel mit Sitz im hessischen Langen führt seit Oktober 2015 Buch über Impfstoff-Lieferengpässe. Der Blick auf die Liste verrät: Bei vielen Impfstoffen steht nicht fest, wann diese wieder geliefert werden können. So ist es auch beim Vierfach-Impfstoff.

Eine Polio-Auffrischung sei aber laut der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) gar nicht notwendig. Zumindest nicht für Erwachsene, die im Säuglings- und Kleinkindalter eine vollständige Grundimmunisierung und im Jugendalter oder später mindestens eine Auffrischimpfung bekommen haben. Personen, die in Regionen mit hohem Infektionsrisiko reisen, sollten sich beim Arzt aber eine Auffrischung abholen, wenn die letzte länger als zehn Jahre zurück liegt. "Wer zum Beispiel nach Asien oder Afrika reist, sollte sich sicherheitshalber noch einmal gegen Polio impfen lassen", sagt Schwitalla. Auch den Keuchhustenschutz sollten Reisende nach Angaben von Schwitalla vor einem Urlaub noch einmal auffrischen.

Schwitalla stellte vor rund zwei Jahren einen Mehrbedarf an Serum fest. "Der entstand durch die Flüchtlingskrise", sagt er. "Zum Schutz der Bevölkerung wurde viel geimpft." Susanne Stöcker ist anderer Meinung. "Das ist ein zufälliger Zusammenhang", sagt Stöcker. "Natürlich mussten viele Flüchtlinge geimpft werden, aber es gab vorher Lieferengpässe und teilweise waren ganz andere Impfungen nötig."

Bei Kinderarzt Dr. Thomas Kuske sah es in den vergangenen Monaten auch mau mit der Impfstoffversorgung aus. Mittlerweile habe sich das aber wieder gelegt. Das Sechsfach- sowie das Fünffach-Serum für die Grundimmunisierung von Kleinkindern sei momentan wieder ausreichend vorhanden. Generell stehen Kinder und Jugendliche laut STIKO bei Versorgungsproblemen wie zum Beispiel aktuell mit dem Polio-Serum an erster Stelle. Erwachsene mit einer Grundimmunisierung müssen warten.

Aber wie kommt es dazu, dass ständig Impfstoffe fehlen? Zu einem großen Teil liegt das daran, dass die Herstellung von Serum sehr lange dauert. "Die Produktion von Grippeimpfstoff nimmt ein halbes Jahr in Anspruch, die des Vierfach-Impfstoffes ein ganzes Jahr und die des Sechsfach-Serums zwei Jahre", erklärt Stöcker. Nur wenige Firmen, darunter das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK), produzieren Serum und beherrschen so den Weltmarkt. "Die Produktion von Impfstoff lässt sich nicht so schnell erhöhen und ist sehr aufwendig. Es kann auch schon mal passieren, dass Chargen entsorgt werden müssen, weil die Qualität nicht stimmt. So entstehen Engpässe", sagt Stöcker. Die Serum-Herstellung sei teuer für die Unternehmen. "Die Produktion von Medikamenten für die Behandlung von Krankheiten würde mehr Geld bringen als die Herstellung von Impfstoffen gegen diese", sagt Stöcker. Deshalb würden auch kaum andere Pharmaunternehmen in das Geschäft einsteigen.

Quelle: RP
 
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