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Wermelskirchen
Entschleunigtes Nachdenken beim Kabarettabend

Wermelskirchen: Entschleunigtes Nachdenken beim Kabarettabend
Kabarettist Henning Schmidtke trat in der Katt auf. FOTO: hertgen (archiv)
Wermelskirchen. Manchmal muss Kabarett auch ein wenig langsamer sein. Oft geht es bei den Vertretern der witzreichen Wortzunft ja in teils atemberaubender Geschwindigkeit zur Sache, man denke nur an die Wortkaskaden eines Wilfried Schmickler, der erst in der vorvergangenen Woche in der Kattwinkelschen Fabrik zu Gast gewesen war und sich dort einmal mehr in Höchstgeschwindigkeit um Kopf und Kragen geredet hatte.

Anders da Henning Schmidtke, der am Freitagabend den kleinen Saal der Katt recht ansprechend mit etwa 200 Besuchern füllte und sich, ganz getreu des Titels seines aktuellen Programms "Hetzkaspar - Zu blöd für Burnout", eben nicht hetzen ließ: "Ich werde mich nicht verausgaben, wenn Sie das erwarten, dann ist das das falsche Programm für Sie", stellte er gleich zu Beginn klar. Fronten müssen schließlich abgesteckt werden. Auch die der Herkunft: "Ich komme ja eigentlich aus Niedersachsen. Und das ist gut. Denn wenn man aus Niedersachsen kommt, gefällt es einem überall." Da wirkte es gleich ungleich knuffiger, als er anschließend knochentrocken feststellte: "Wermelskirchen. Das ist jetzt erst mal ein Brett."

Auch ansonsten war sein Humor so schwarz wie sein Jackett. Und deckte sich glücklicherweise mit dem der Wermelskirchener, wie er im anfänglichen "Humortest" feststellte: "Wenn das nicht passt, dann wird es zäh." Als aber alle fröhlich den Refrain des ersten Liedes mitsangen: "Wir ziehen alle an einem Strang...", den Schmidtke dann schließlich mit "...und an dem Strang hängt einer dran" ergänzte, und das anschließende Lachen und der Applaus ausgiebig und ausgelassen waren, stellte der Wahlkölner lakonisch fest: "Jo, das wird leicht!"

Schmidtke war ein kabarettistischer Zwitter - und das gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen wechselte er souverän zwischen langen Redepassagen und musikalischen Klavierbeiträgen, zum anderen kümmerte er sich hingebungsvoll um Leistungsdruck und dessen Träger, also gesellschaftliche Themen, aber verpackte geschickt immer wieder auch eindeutige politische Botschaften in seine Texte. Das mag auf den ersten Blick zerfahren wirken, war tatsächlich aber ein Programm wie aus einem Guss.

Wenn er etwa im einen Moment über Folter reimte: "Wer die Wahl hat, hat die Qual, und wer sich für die Folter entscheidet, hat sie gleich zweimal", dann war das politisch hochaktuell. Dann wiederum rechnete er ausgiebig mit den Casting-Shows im Fernsehen ab: "Ich wünsche mir die Sendung 'Disco' mit Ilja Richter zurück. Das waren Freunde untereinander damals. Heute ist es hingegen nur noch Konkurrenz. Früher hatten wir Ilja, den Richter - heute haben wir Bohlen, den Henker." Auch die Frage: Was ist eigentlich Leistung? diskutierte Schmidtke ausgiebig.

Das machte bei aller guten Laune das Publikum doch nachdenklich, quasi das verbindende Element.

(wow)
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