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Wermelskirchen
Entsetzen nach Kahlschlag in Finkenholl

Wermelskirchen: Entsetzen nach Kahlschlag in Finkenholl
Kahlschlag an der Landstraße 157 zwischen Sonne und Finkenholl: Die Stadt hat dort etwa 100 Bäume gefällt. FOTO: P. Meuter
Wermelskirchen. Die Stadt hat an der L157 zwischen Sonne und Finkenholl etwa 100 Bäume gefällt. Anwohner kritisieren das Abholzen in der Brutzeit der Vögel. Die Stadt verteidigt es: Die Bäume seien aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt worden. Von Sebastian Radermacher

Wolfgang Sippel ist regelmäßig mit dem Auto auf der Landstraße 157 von Wermelskirchen in Richtung Sonne unterwegs. Bei seiner jüngsten Fahrt musste er bei Finkenholl mehrmals zur Seite schauen - und konnte anschließend nur noch entsetzt den Kopf schütteln. Der Grund: Das Forstamt hat an den Seitenrändern der Straße etwa 100 Bäume gefällt. Ein richtiger Kahlschlag. "Ich bin sehr erstaunt. Wieso dürfen jetzt in der Brutzeit der Vögel so viele Bäume auf einmal gefällt werden?", fragt der Wermelskirchener am "Bürgermonitor" unserer Redaktion.

Privaten Hobbygärtnern werde immer erzählt, dass in der Zeit von Anfang März bis Ende September Bäume nicht gefällt werden dürfen, weil die Vögel in dieser Zeit darin nisten. Er fragt: "Gilt diese Regelung nicht mehr?" In Finkenholl und wohl auch in Dhünn sei viel mit schwerem Gerät abgeholzt worden. Sippel: "Dadurch wird doch der Lebensraum der Vögel zerstört."

Volker Niemz, Leiter des städtischen Betriebshofs, bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass während der Brutzeit privater Gehölz- und Heckenschnitt verboten ist. Er stellt in diesem Zusammenhang aber klar: "Diese Beschränkungen gelten für die Forstwirtschaft nicht." Er gibt zu, dass der Zeitpunkt der Fällaktion unglücklich sei, betont jedoch: "Wir mussten bei Finkenholl und zuvor auch zwischen Dhünn und Halzenberg Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit fällen."

Der Ablauf für solche Maßnahmen sei klar geregelt. Der zuständige Landesbetrieb Straßen.NRW habe 30 Baumkontrolleure, die regelmäßig auch die Straßen in Wermelskirchen abfahren und überprüfen, ob Bäume oder angebrochene Äste eine Gefahr darstellen. Ist dies der Fall, werden die betroffenen Waldeigentümer kontaktiert - sie sind verpflichtet, solche Gefahren zu beseitigen.

In Finkenholl habe die Gefahr bestanden, dass nach den Wetterkapriolen im Winter einige der etwa 20 Meter hohen Bäume auf die Fahrbahn fallen. "Es musste gehandelt werden, wir hätten nicht bis Oktober warten können", betont der Betriebshofleiter. Beim Fällen der Bäume sei dann aufgefallen, dass dadurch auch die benachbarten Bäume nicht mehr sicher waren. Niemz: "Die Bäume stützten sich gegenseitig, der Restbestand wäre zu instabil gewesen. Bei Sturm wären die Bäume umgefallen."

In Finkenholl waren laut Niemz eine städtische Fläche sowie mehrere private Parzellen betroffen. Dieser Bereich des Waldes sei seit etwa 30 Jahren nicht mehr gepflegt worden - weder von der Stadt, noch von den privaten Waldbesitzern. "Ohne regelmäßige Waldpflege kriegt man keinen festen Baumbestand hin", sagt Niemz.

Der Betriebshofleiter versichert, dass vor jeder Fällung überprüft werde, ob in dem Baum Vögel nisten. Dann wäge man ab, ob der Baum zwingend gefällt werden müsse. Er könne nicht ausschließen, dass ein solcher Baum in Finkenholl gefällt worden sei. Niemz: "Es war dort aber definitiv nicht so, dass in jedem Baum 20 Nester waren und jetzt der gesamte Vogelbestand in Gefahr ist."

Dass Bäume eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen können, wurde im Februar dieses Jahres deutlich, als durch eine schwere Orkanböe auf der Kreisstraße 3 bei Wüstenhof ein Baum auf ein vorbeifahrendes Auto stürzte. Der Fahrer und dessen schwangere Beifahrerin wurden zum Glück nur leicht verletzt. "In solchen Fällen wird dann oft kritisiert, warum solche Bäume nicht vorher gefällt werden konnten", sagt Niemz und fügt an: "Wir müssen in der Forstwirtschaft für einen stabilen Bestand sorgen."

Quelle: RP
 
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