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Katholische Volksschule
Erinnerungen an die Schulzeit vor 60 Jahren

Katholische Volksschule: Erinnerungen an die Schulzeit vor 60 Jahren
Die ehemaligen Schüler der katholischen Volksschule trafen sich am vergangenen Samstag und erinnerten sich an die gemeinsame Schulzeit vor 60 Jahren. FOTO: Singer
Wermelskirchen. Als Hans Klasen und seine Mitschüler zur Schule gingen, wurde im Nachkriegsdeutschland noch vom Rohrstock Gebrauch gemacht, und im Unterricht ging es sehr streng zu. Die Ehemaligen der Katholischen Volksschule sind heutzutage alle 74 oder 75 Jahre alt. "Alt" seien sie aber nicht, betonen sie. "Wir sind mittelalte Leute oder junggebliebene Kriegskinder - und das waren die harten, die guten."

Die Ehemaligen der Katholischen Volksschule trafen sich am Samstagabend im Balkan-Restaurant an der Telegrafenstraße und erinnerten sich an ihre Schulzeit, die inzwischen 60 Jahre zurückliegt. "Da wir ja alle gleich arm waren, war es eine wunderschöne Zeit. Da gab es keine Markenklamotten und keinen Neid", sagte Klasen, der bald 75 wird und 107 Jahre alt werden will.

An den Krieg erinnern sich die Ehemaligen an diesem Abend besonders. Beim Treffen war deutlich zu spüren, dass sie sich alle zu glücklichen Menschen entwickelt haben. "Wir hatten in der Schule trotzdem eine schöne Zeit, und die Menschen, die heute groß werden, haben heute eine schöne Zeit", meinte Klasen.

Der Unterricht gestaltete sich natürlich anders als 2015. Es wurde gelesen, gerechnet, geschrieben. Die Jungs durften zum Sport, die Mädchen erlernten die Handarbeit. Da es eine katholische Schule war, wurde viel Religion unterrichtet. In der siebten und achten Klassenstufe wurden Jungen und Mädchen dann getrennt unterrichtet - "das war die Rektorin schuld, die hatte Angst vor uns", erinnerte sich ein ehemaliger Schüler.

Die Ehemaligen, die am Samstagabend zusammenkamen, zählten zu den ersten Kindern, die nach dem Krieg wieder unterrichtet wurden. In einer Klasse landeten auf einen Schlag 60 Schüler. Nach sechs Jahren Unterrichtszeit und im Alter von 14 Jahren machten die meisten eine Lehre - "und aus uns ist was geworden!"

Die Schulgebühren für das Gymnasium konnten nur wenige aufbringen. "Das waren privilegierte Leute", berichtete Christel Nickel, die viele Fotografien von vergangenen Klassentreffen gesammelt hat. Sie erzählte, dass viele Familien kaum etwas zu Essen hatten; bei der Schulspeisung wurde nicht nachgefragt, es gab ein Gericht, an manchen Tagen gab es gar nichts. Getrud Buchner erinnerte sich ebenfalls daran, dass es überall wenig Geld und Essen gab.

Sie erzählte, dass sich viele Menschen ihre Einkäufe beim Bäcker anschreiben ließen, um am jeweiligen Monatsende die Schulden zu begleichen. Manche bezahlten dann trotzdem nicht. Buchner half der Bäckerin, das geschuldete Geld einzutreiben. "Ich war mutig", erinnerte sie sich. Dafür bekam sie von der Bäckersfrau Teilchen vom Vortag geschenkt, die sie mit ihrer Familie teilte.

Melina Eickhorn

Quelle: RP
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