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Wermelskirchen
Erntedankfest ist noch immer zeitgemäß

Wermelskirchen. Gestern haben die Christen für die Ernte im Herbst gedankt. Mit der christlichen Botschaft "das Brot zu brechen, zu teilen und Obdach zu gewähren" gibt es auch einen ganz aktuellen Bezug zu den Flüchtlingen und Asylsuchenden. Von Walter Schubert

Mit dem Erntedankfest danken die Gläubigen im Christentum für die Ernte im Herbst. Das Fest soll auch daran erinnern, dass es in Gottes Hand liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. Auch in anderen Kulturen danken die Menschen mit Festen und Gebeten für eine gute Ernte. Ist das Erntedankfest heute noch zeitgemäß und lässt sich die ursprüngliche Bedeutung noch vermitteln? Oder wird aus diesem Tag, wie aus anderen traditionellen Feiertagen, ein Shopping- und Partyspaß mit grinsenden Kürbisköpfen?

"Wir sind heute keine Agrargemeinschaft mehr. Der direkte Bezug zur Ernte ist nicht mehr da, aber der Dank bleibt", sagt Pfarrer Ulrich Seng. Und mit der christlichen Botschaft "das Brot zu brechen, zu teilen und Obdach zu gewähren" sieht Seng einen ganz aktuellen Bezug zu den Flüchtlingen und Asylsuchenden. "Vielen ist die satte Überflussgesellschaft zu langweilig. Sie wollen helfen und finden darin eine neue Bereicherung". Seng verweist auf die Bibel, in der es im Kapitel Lukas 12 sinngemäß heißt: "...was nützt es, Schätze zu sammeln und ist nicht reich bei Gott".

Im Gemeindehaus in Hilgen-Neuenhaus nimmt Jürgen Dicke die Spenden entgegen, um sie für den Gottesdienst zu dekorieren. "Der Bezug zur Landwirtschaft ist nicht mehr da", sagt er, "deshalb sind auch Fertigprodukte dabei. Danke sagen gehört aber dazu." Er erzählt, dass die Jugendgruppen unterwegs sind, um Äpfel zu sammeln. "Daraus pressen wir Apfelsaft, und der kommt zu den Spenden".

Hannelore Benwagner bringt mit ihrem Einkaufswagen Möhren, Äpfel, Kohlköpfe und Paprika. "Nein, das ist nicht aus meinem Garten", sagt sie lachend, "ich wohne in einem Seniorenheim, aber man kann ja alles kaufen." Es ist ihr wichtig, einen Beitrag zu leisten, denn schließlich werden die Spenden nach dem Gottesdienst verteilt.

"Wir dürfen und sollen Danke sagen für unseren Wohlstand", sagt Pfarrer Traugott Schuller von der Gemeinde in Neuenhaus. Natürlich weiß er, dass die Nahrung und andere Erträge nicht gleichmäßig und gerecht verteilt sind. "Eine kleine Minderheit besitzt das Meiste. Das ist nicht gerecht und entspricht auch nicht dem christlichen Gedanken", sagt Schuller. Er sieht jeden Einzelnen in der Verantwortung, mit seiner Lebensweise und auch mit seinem Einkaufsverhalten einen Beitrag zu leisten.

Im Gemeindehaus Dabringhausen sind die Organisatoren, vielleicht durch den Feiertag am 3. Oktober, etwas durcheinander gekommen. Ein Schild verkündet: "Hier keine Spendenabgabe." Wo und wann die Erntedankspenden abgegeben werden können, ist leider nicht vermerkt. Überall im Stadtgebiet werden in den Kirchen die wunderbaren Waren in den satten Herbstfarben aufgebaut.

"Nein, ich will namentlich nicht in die Zeitung", sagt ein Mann, der verschiedene Gartenprodukte bringt, "aber ich habe eine Überzeugung. Wenn wir die Hälfte abgeben würden, hätten wir immer noch zu viel". Auch wenn das Erntedankfest ein alter Feiertag ist, an Aktualität hat er nichts verloren.

Quelle: RP
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