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Wermelskirchen
Erschreckende Komik zum Lachen

Wermelskirchen. Kabarettist Nils Heinrich begeisterte Freitagabend mit seinem Programm "Mach doch'n Foto davon!". Von Bernd Geisler

Nils Heinrich erscheint mit einer Art Gitarre auf der Bühne der Katt. Sie hat keinen Kopf und keinen Bauch und klingt dank Elektronik trotzdem. Ein Symbol für den Akteur? Beileibe nicht. Heinrich ist weder kopflos, noch haut er seine Gags aus dem hohlen Bauch heraus. Er begleitet auf dieser Klampfe seine böszüngigen Lieder. Ein moderner Bänkelsänger? Falsch. Die Schublade, in die Nils Heinrich passt, muss erst noch gezimmert werden.

Er scheint überall zuhause zu sein und verpasst jedem Thema den passenden, satirisch-komischen Deckel. Und macht keinen Halt vor geplätteten Aufwärmwitzen wie: "Was war die Eiszeit? - Eine Mammutaufgabe". Das (eigene) Familienleben muss herhalten zum Thema "frisches Mutterglück": Es wandelt sich angesichts eines neugeborenen, "rucksackgroßen Fleischklopses, der aus Milch Scheiße macht" ("Das kann sonst nur Müller Milch") in frustrierte Vaternot - ganz im Stile rabenschwarzen britischen Humors, wie etwa den des Duos "Little Britain".

Heinrich erinnert an viele Flüchtlingsströme, die Deutschland schon bewältigt hat. Zum Beispiel ließ in den 1990ern der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1,5 Millionen Russlanddeutsche ins Land. Und Nils Heinrich weist nach, dass Frauke Petrys Vater, die "so eine gesunde Kälte ausstrahlt", selbst ein Wirtschaftsflüchtling aus der DDR ist und dass überhaupt viele Männer in der Spitze der AfD auch keinen reinrassigen Stammbaum haben. So sei AfD-Vorstandsmitglied Georg Pazderski ein "halber Pole, der bei sich zu Hause selber schwarz putzt".

Heinrich lässt mit dem Hinweis des ungarischen Regierungschefs Orban, "es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben", eine Greisin, die um einen Sitzplatz im voll besetzten Bus bittet, einfach stehen. So könnte also eine gesellschaftlich angewandte Realpolitik aussehen, in der Politikersprüche ernst genommen werden. Und bald werde die Internetsucht so weit um sich greifen, dass Leute zum Arzt gehen mit: "Herr Doktor, mein WLAN ist offen."

Am Ende entwirft Kabarettist Nils Heinrich noch einige Zukunftsvisionen. Etwa: "Die Erde wird umbenannt in O2-World, a Division of Google Earth." Erschreckend, diese Komik.

Quelle: RP
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