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Wermelskirchen
Extrem viel Brennbares im Swingerclub

Wermelskirchen: Extrem viel Brennbares im Swingerclub
Unter einem dicken Schaumteppich lag der Brandschutt des FOTO: m. Kempner
Wermelskirchen. Ein Brandsachverständiger sagte vor Gericht aus. Verbranntes Leder und Latex sorgten für starke Rauchentwicklung. Urteil für 17. August erwartet. Von Annemarie Kister-Preuss

Hätten die drei Menschen, die sich noch im Swingerclub Beverly an der Unterburger Eschbachstraße befanden, als das Feuer gelegt wurde, fest geschlafen, sie wären erst erstickt und dann verbrannt. Denn das Feuer, das ein 42-Jähriger in den frühen Morgenstunden des 9. November 2014 legte, breitete sich so schnell aus, dass das Gebäude beim Eintreffen der Feuerwehr bereits lichterloh in Flammen stand. Im Prozess gegen jenen Mann, der diese Tat zugegeben hat, wurde jetzt vor der Schwurgerichtskammer beim Landgericht Wuppertal ein Brandsachverständiger gehört, der den Brandort genau untersucht hat.

Der öffentlich bestellte Brandgutachter war bereits am Tag nach dem Feuer an der Unglücksstelle und fand den sich meterhoch auftürmenden Bauschutt unter einer zwei Meter dicken Schaumschicht. Auch die eingesetzten Brandmittelspürhunde hätten es schwer gehabt, so der Gutachter, Brandbeschleuniger auszumachen. Der Kraftstoff, den der Angeklagte benutzt hatte, um den Club anzuzünden, sei rückstandslos verbrannt.

Daher hätten sich die Spürhunde auf Rückstände von anderen für sie auffälligen Substanzen konzentriert wie zum Beispiel hochprozentigen Alkohol aus der Bar und aromatisierte Kondome. "Der Brand war erst nach fünf Stunden Löscharbeiten unter Kontrolle zu bringen, danach ließ die Feuerwehr das Gebäude kontrolliert abbrennen", sagte der Gutachter weiter. Im Haus hätte sich eine extrem hohe Brandlast befunden wie zum Beispiel viel Holzverkleidung in verschachtelten, oft fensterlosen Räumen sowie ein Flachdach mit Bitumen-Belag.

Nachvollziehen konnte der 48-Jährige die Aussagen der Zeugen, die sich bei Ausbruch des Feuers im Haus befanden, dass es schnell zu einer extremen Rauchentwicklung gekommen war, die ihnen den letztlich rettenden Weg ins Freie erschwerte. "Da ist sehr viel Leder, Gummi und Latex verbrannt, das führt zu starker Rauchentwicklung", sagte der Chemieingenieur.

Klar ist für den Gutachter, dass sich die drei Personen, die im Haus waren, als das Feuer um sich griff, nur retten konnten, weil sie noch nicht fest beziehungsweise gar nicht eingeschlafen waren.

Zu Beginn des gestrigen Verhandlungstages hatte sich noch einmal der ehemalige Marketing-Manager des Beverly, Marcus Heinbach, den Fragen der Verteidigerin des Angeklagten stellen müssen. Es ging in erster Linie um seine Entscheidungsbefugnisse und um die Frage, ob der Swingerclub dem Angeklagten, der Shows dort veranstaltete und am Tatabend über seine Bezahlung unzufrieden war, einmal zum Kauf angeboten worden war.

Heinbach bestätigte, man habe mal "diese lustige Idee" gehabt, den Club für 1,5 Millionen Euro zum Verkauf anzubieten. Diese Summe nannte er auch als Schadenssumme, die durch den Brand entstanden sei. Zu den besten Zeiten des Beverly, so der Manager, sei der Club durchaus fünf Millionen Euro wert gewesen.

Der nächste Prozesstag ist am kommenden Dienstag, 11. August. Dann soll bereits plädiert werden. Für den 17. August wird das Urteil erwartet.

Quelle: RP
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