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Wermelskirchen
Familie Altevogt hilft Flüchtlingen bei der Integration

Wermelskirchen: Familie Altevogt hilft Flüchtlingen bei der Integration
FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Wermelskirchen. Wer sich darauf einigen kann, dass wir in unseren christlich geprägten Breitengraden an Weihnachten das auf die Ideen von Jesus zurückgehende Primat der Nächstenliebe feiern, wird bei den Familien Altevogt und Khadar schnell ein weihnachtliches Gefühl bekommen. Von Stephan Singer

Die Beziehung der aus dem Nord-Irak nach Deutschland geflüchteten und der Wermelskirchener Familie ist geprägt von gastfreundlicher Offenheit, herzlichem Umgang und freundschaftlichem Vertrauen. Seit Ende August sind Birgit (47 Jahre) und Martin Altevogt (50) für "Willkommen in Wermelskirchen" (WkiWk) sogenannte "Mentoren" (auch die Bezeichnung "Paten" würde passen) von Zozan (24) und Said Khadar (36) sowie deren neunjährigem Sohn Samer.

"Wir haben in kurzer Zeit eine Menge miteinander erlebt. Jetzt sind wir froh, dass wir noch vor Weihnachten so viel geschafft haben. Das entspannt uns ungemein und gibt uns ein gutes Gefühl", ist sich das Ehepaar Altevogt einig. Sowohl Birgit (Schulsekretärin) als auch Martin Altevogt (Bauingenieur) sind berufstätig und Eltern von Hannah (elf), Julia (16) und Niels (21) - "da mussten wir in den vergangenen Wochen manches Mal wirklich ständig auf die Uhr gucken, um alles organisiert zu bekommen", sagt Martin Altevogt.

Gemeinsam mit den Khadars standen Behördengänge an, Sohn Samer musste dringend zum Augenarzt und benötigte eine Brille, die schwangere Zozan (die Tochter erblickt Ende März das Licht der Welt) zum Frauenarzt für einen Mutterpass und die bei uns völlig normalen, regelmäßigen Untersuchungen. Außerdem konnte die Familie Khadar in eine vom Sozialamt angemietete Wohnung an der Eich ziehen, die Ausstattung mit Möbiliar übernahm "Willkommen in Wermelskirchen".

Und kurz vor Weihnachten gab es noch eine weitere wichtige Nachricht, die dem Ehepaar Altevogt einen Stein vom Herzen fallen ließ: die Khadars haben eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis erhalten, die möglicherweise drohende Abschiebung zurück nach Ungarn, worüber die Khadars erst nach Essen und dann nach Wermelskirchen kamen ("Dublin-Verfahren"), ist damit vom Tisch.

Zozan und Said Khadar sind kurdische Jesiden, eine monotheistisch-religiöse Minderheit, die nicht nur im Nord-Irak von den Terroristen des Islamischen Staats verfolgt und ermordet wird. "Wir sind geflüchtet, weil es für uns schlicht um das reine Überleben ging", beschreibt Said Khadar kurz und bündig die lebensbedrohende Situation in seiner Heimat.

Natürlicherweise hat die Familie Khadar mit Weihnachten weniger "am Hut". Dennoch hat auch sie das "Weihnachtsfieber" ein wenig gepackt. "Hier in Deutschland feiern alle zusammen, die Menschen treffen sich. Das ist neu für mich und wunderschön", hat Said Khadar beobachtet, der erzählt, dass im Irak alle Gruppen ständig "unter sich" blieben. Seine Frau Zozan freut sich über den Lichterglanz und die Dekorationen in der Stadt: "Im Irak kann das niemand leben", sagt sie und zeigt auf die Deko-Sterne, die die zwei Fenster ihres Wohnzimmers schmücken. Auf dem Sideboard im Wohnzimmer stehen Bilderrahmen: darin Fotos von den Khadars gemeinsam mit Cornelia Seng oder Birgit Altevogt - ein Anblick, der (weihnachtlich) "warm ums Herz" stimmt.

Übrigens: Die Weihnachtstage verbringen die Mentoren und die Familie Khadar nicht zusammen, weil das Ehepaar Altevogt Martins Bruder in den USA besucht. "Das ist kein Drama. Die Khadars haben nun ein neues Zuhause gefunden, auf dem sich für die Zukunft aufbauen lässt. Über das WkiWk-'Café International' und die damit verbundenen Netzwerke haben sich viele Bekanntschaften entwickelt - das funktioniert", ist Martin Altevogt überzeugt. Der Mentor sagt weiter: "Es geht darum, dass die Familie Khadar hier ein integriertes und eigenständiges Leben führen kann."

Dazu gehöre auch ein Arbeitsplatz für Said Khadar, der in seiner Heimat Lkw und Baumaschinen gefahren hat. Sicher sind sich alle: "Wir werden Freunde bleiben." Mit glänzenden Augen ruft Zozan Khadar in den Raum: "Martin ist für mich wie ein Bruder."

Quelle: RP
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