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Wermelskirchen
Fast jede Minute missachtet ein Fahrer das Durchfahrtsverbot

Wermelskirchen. Samstagvormittag, 11.10 Uhr. Ein Zeitpunkt, zu dem auf der Telegrafenstraße zwar keine "Rush hour", aber reger Einkaufsverkehr in der Innenstadt herrscht. Es vergehen keine fünf Minuten und schon sind fünf Autos durch die Telegrafenstraße vorbei an Stadtsparkasse, Offermanns und Filmeck gefahren: ein schwarzer Seat, ein blauer Opel Astra, ein silberner Passat, ein roter Ford und ein roter Transporter. Innerhalb von nur einer Stunde zwischen 11.10 und 12.10 Uhr taten das die Fahrer von 54 Fahrzeugen (Fahrräder und Busse nicht mit gezählt) - nahezu ein Pkw beziehungsweise Lkw pro Minute missachtete das geltende Durchfahrtsverbot ab der Einmündung der Straße An der Feuerwache.

In diesen 60 Minuten machten es 157 Fahrzeugführer richtig, zumindest insofern, dass sie nicht die Telegrafenstraße durchfuhren. Ein Drittel von ihnen passierte das Anlieger frei-Schild und fuhr bis auf Höhe der Volksbank weiter, dort machten sie an den Verkehrsschildern "Nur Linienverkehr, Fahrräder frei" eine Bremsung, wendeten und fuhren zurück. Der Behindertenparkplatz vor der Stadtsparkasse wurde zusehends zum "Wendehammer".

Wohl aus alter Gewohnheit heraus steuerte die Fahrerin eines weißen Geländewagens mit Remscheider Kennzeichen schnurstracks bis zum Geschäft von Eric Offermanns geradeaus, bremste dort sichtlich verwirrt und wendete. Hätte sie in dem Moment einen Bus hinter sich gehabt, wäre es eng geworden. Gleiches machte der Fahrer eines Autos aus dem Kreis Mettmann. Am Steuer eines Münsteraner Pkw bremste der Fahrer in Höhe von Offermanns ab und betrachtete die Schilder, nur um Sekunden später auf das Gaspedal zu treten und unbeeindruckt weiter zu fahren. Als äußerst beliebt zeigte sich auch das verbotene Parken auf der linken Fahrbahnseite vor der Volksbank-Filiale - mit wenigen Ausnahmen starteten die Fahrer nach dem Stopp an Offermanns und Filmeck vorbei durch.

Wer meint, dass es vor allem Ortsunkundige sind, die das Durchfahrtsverbot missachten, der sieht sich getäuscht: Wenngleich Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Cuxhaven oder Neuss einfach weiter fuhren, waren es deutlich mehr mit GL-Nummernschild.

Viele Passanten machten ihren Unmut über die Situation deutlich: "Ich bin gebürtiger Wermelskirchener, lebe seit 30 Jahren in Bayern. Da müssen direkt 50 Euro fällig sein, dann sind die reif." Ein anderer schimpfte: "Letztens hat mich einer auf Höhe vom Filmeck fast angefahren. Als ich den Fahrer auf die Schilder hinwies, winkte der nur ab und beleidigte mich."

Ebenfalls zu Fuß unterwegs war Randolph Schmidt von der Wermelskirchener CDU. Er sammelte Unterschriftenlisten gegen das Durchfahrtsverbot aus den Geschäften ein: "Die jetzige Situation schafft Probleme. Wir sollten eine Gesamtlösung anstreben und die Loches Platz-Bebauung abwarten."

(sng)
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