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Traditionsberufe Goldschmied
Faszination des goldenen Handwerks

Traditionsberufe Goldschmied: Faszination des goldenen Handwerks
1997 eröffnete Thomas Drosten sein Goldschmiedeatelier in Wermelskirchen. FOTO: Schütz Michael
Wermelskirchen. Wir stellen Handwerksberufe vor, die es schon lange in Wermelskirchen gibt. Heute: Goldschmiedemeister Thomas Drosten. Von Andrea Könemund

Stolz trägt Thomas Drosten den handgeschmiedeten Ring an seinem Finger. "Den habe ich gemeinsam mit meinem achtjährigen Sohn gefertigt", sagt der Goldschmiedemeister und schmunzelt. Er freut sich über das Interesse seines Sohnes. Auch bei Thomas Drosten begann die Liebe zu diesem Beruf bereits in der Kindheit. Im Zahnarztlabor seines Großvaters sammelte er erste Erfahrungen beim Polieren und Schleifen.

"Das handwerkliche Arbeiten hat mir immer sehr viel Spaß gemacht", erinnert sich der 46-jährige. Stundenlang habe er konzentriert an einer Sache "herumknöstern" können. Geduld sei eine der wichtigsten Voraussetzungen, wenn man diesen Beruf ergreifen möchte. Die Fertigstellung individueller Schmuckstücke kann Tage oder auch Wochen dauern. Entweder wird nach der Idee des Goldschmieds oder nach Kundenwunsch gearbeitet. "Vom Entwurf bis zum Endprodukt liegt dann alles in den Händen des Goldschmieds", erklärt der Kunsthandwerker. Mit viel Liebe zum Detail nimmt er sich auch der Wiederherstellung anderer Dinge an. "Ich sage nie ,Nein', wenn ich etwas reparieren soll", versichert der Wermelskirchener und hält einen restaurierten Uhrenhalter aus Zinn in den Händen. Sein Herz gehöre jedoch der Verarbeitung von Edelmetallen.

Im Alter von 17 Jahren begann er seine Lehre in einer großen Goldschmiedewerkstatt in Leverkusen. "Wir waren 17 Angestellte, vier Meister kümmerten sich um die Auszubildenden." Damals habe es keine Steigerung zu diesem Betrieb gegeben, deshalb kehrte er 1995 nach bestandener Meisterprüfung in Pforzheim wieder dorthin zurück. "Mein Ziel war aber immer die Selbstständigkeit", sagt Drosten. Im August 1997 eröffnete er sein Goldschmiedeatelier in Wermelskirchen. Besonders stolz ist er auf die eigene Herstellung von Legierungen. "99 Prozent fertigen wir selber an." Gold ist in seiner Reinform viel zu weich, um als Schmuck getragen zu werden. Daher legiert man es für die Schmuckherstellung mit härteren Metallen wie zum Beispiel Kupfer oder Silber. Um Legierungen überhaupt selber herstellen zu können, benötigt ein Goldschmied umfangreiches Fachwissen und handwerkliches Geschick.

Die Fertigstellung individueller Schmuckstücke kann Tage oder auch Wochen dauern. FOTO: M. Schütz

"Im Grunde bin ich ein Handwerker", sagt Drosten. Die Werkstatt ist sein liebster Arbeitsplatz. Dort sieht es ähnlich aus wie bei einem "richtigen" Schmied. Es gibt einen Amboss, Hammer, Zangen und Feilen, einen Brenner zum Schmelzen von Metallen oder auch eine Ziehbank - nur eben alles viel kleiner und filigraner. "Für manche Arbeiten braucht man schon Kraft, da muss dann auch zu zweit gearbeitet werden", erklärt Julia Dreßler, die ihre Ausbildung bei Thomas Drosten absolviert hat und bereits mehrere Jahre als Gesellin bei ihm tätig ist.

Verschiedene Techniken der Schmuckherstellung muss ein Goldschmied beherrschen. Beim "Ziselieren" zum Beispiel wird das Metall durch Hämmern in die richtige Form getrieben. Das "Granulieren" ist eine antike Ziertechnik, bei der kleinste Edelmetallkügelchen so miteinander verschweißt werden, dass sie sich nur an den Verbindungspunkten berühren. "Viele stellen sich unter dem Beruf des Goldschmieds etwas Künstlerisches vor", sagt Drosten. Am Anfang stehe aber das Erlernen von Grundtechniken, etwa Sägen, Hämmern, Bohren, Löten und Gießen. "Viele Kunden kommen mit Schmuckstücken der Eltern, um daraus etwas Neues, Modernes anfertigen zu lassen", erzählt Drosten. Um dann wirtschaftlich arbeiten zu können, müsse man in der Lage sein, einen Kostenvoranschlag zu erstellen und Skizzen zu fertigen. Viel Erfahrung und Fachwissen sei dafür notwendig.

Der Goldschmiedemeister sieht die Entwicklung seines Traumberufs kritisch. Durch Lehrzeitverkürzung und überbetriebliche Ausbildungen bliebe den jungen Menschen zu wenig Zeit, im Betrieb zu arbeiten und zu lernen. Seit einigen Jahren ist das Goldschmiedehandwerk zulassungsfrei. Jeder kann sich nach erfolgreicher Ausbildung auch ohne Meistertitel und Gesellenjahre selbstständig machen. "Dadurch entstehen große fachliche Mängel", kritisiert Drosten den Wandel in der deutschen Ausbildungsstruktur.

Quelle: RP
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