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Wermelskirchen
Film erzählt über Kindheit im Dritten Reich

Wermelskirchen. Der Doku-Film "Jugend unterm Hakenkreuz", in dem Zeitzeugen über die NS-Zeit berichten, lockte zahlreiche Wermelskirchener ins "Film-Eck". Wegen der großen Nachfrage gibt's einen Zusatztermin. Von Walter Schubert

Es gibt unzählige Filme und Dokumentationen über die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs. Doch ganz hautnah wird es, wenn aus der eigenen Stadt, aus der eigenen Heimat, berichtet wird. Viele Handlungsorte und viele Zeitzeugen sind teilweise persönlich bekannt, und so erhält der Dokumentationsfilm eine ganz besondere Nähe. Bereits der erste Film von Sandra und Matthias Pahl über den Luftangriff auf Hünger war ein überragender Erfolg mit vielen ausverkauften Vorstellungen. Nun folgte die Premiere des zweiten Films: "Jugend unterm Hakenkreuz". Auch diesmal war das "Film-Eck" ausverkauft.

Viele Wermelskirchener berichten in dem Film über ihre Kindheit, Jugend, Schulzeit, über die Kriegsjahre und darüber, wie sie das Kriegsende mit dem Einmarsch der amerikanischen Soldaten erlebt haben. Aussagen wie "Wir kannten es nicht anders" oder "Wir waren mit Leib und Seele dabei" sollten nicht negativ bewertet werden. Zeitzeugen wie Friedel Burghoff, Manfred Fritzner, Marlies Engels oder Carl Tillmanns waren Kinder. Und das heutige Wissen und die heutigen Informationsmöglichkeiten waren nicht vorhanden.

Selbst als der Krieg das Bergische Land erreichte, war es für viele Jungs ein "Abenteuerspielplatz". Splitter von Granaten wurden gesammelt und in der Schule getauscht. "Wir haben Blödsinn gemacht - und es war gefährlich", sagt Friedel Prinz. Die Zündung einer gefundenen Panzerfaust hat im Gesicht eines Jungen bis heute Spuren hinterlassen. Prügelnde Lehrer waren nach den Aussagen der Zeitzeugen an der Tagesordnung, auf den Landkarten in den Schulen wurden die Erfolge der deutschen Wehrmacht gefeiert.

Es ist eine unglaublich große Sammlung von persönlichen Erlebnissen und Anekdoten, eine riesige Fleißarbeit. Mehr als 400 Stunden Arbeit stecken in diesem Film. Die tatsächliche, perfide Verführung der Jugend durch die Nationalsozialisten kommt dabei etwas zu kurz. Das darf kein Vorwurf an die Zeitzeugen sein, denn viele waren bei Kriegsende acht oder zwölf Jahre alt. Friedel Prinz sagt: "Schön war es nicht." Und Carl Tillmanns ergänzt: "Es ist falsch, dass alle hurra geschrien haben." Ob zum Abspann wirklich das Propaganda-Lied "Davon geht die Welt nicht unter" von Zarah Leander benutzt werden muss? Darüber kann man streiten. "Dadurch entsteht der Eindruck, dass alles nicht so schlimm war", meint Besucher Horst Rosen. "Wir haben das ganz bewusst ausgesucht", sagt Filmemacher Matthias Pahl, "weil es zu der Zeit passt und bei der Zielgruppe bekannt ist."

Der Film bietet die Grundlage für viele Diskussionen und Gespräche. Fazit: sehenswert, hingehen, ansehen, diskutieren und sich selbst ein Urteil bilden!

Wegen der großen Nachfrage gibt es eine weitere Vorführung am 1. Dezember. Ab 19 Uhr wird der Film "Angriff auf Hünger" gezeigt, ab 20.15 Uhr der neue Film. Eintritt: sechs Euro. Kartenbestellungen unter Tel. 93961 und 0160 4880469.

Quelle: RP
 
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