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Wermelskirchen
Flüchtlinge: DRK-Chefin kritisiert Verteilsystem

Wermelskirchen: Flüchtlinge: DRK-Chefin kritisiert Verteilsystem
FOTO: Miserius
Wermelskirchen. Ingeborg Schmidt, die Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, beklagt belastende Härtefälle und massive Verspätungen. Von Peter Korn

Bei immer mehr ehrenamtlichen Helfern in Wermelskirchen und anderen Städten mit Erstaufnahme-Einrichtungen für Flüchtlinge im Kreisgebiet wächst offenbar der Ärger über die teilweise unzumutbare Organisation bei der Verteilung der Ankömmlinge auf die einzelnen Kommunen. Dies brachte Ingeborg Schmidt, die Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, jetzt in einem WDR-Fernsehforum mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) auf den Punkt.

"Warum müssen Busse mit Flüchtlingen eigentlich immer in den späten Abendstunden ankommen", fragte die Funktionärin und lieferte gleich ein Beispiel für die unangenehmen Auswirkungen: "Wir halten an der Erst-Anlaufstelle in Bergisch Gladbach bei der Ankündigung neuer Flüchtlinge sechs Ärzte und jede Menge Helfer vor, die dann teilweise über Stunden auf eine harte Geduldsprobe gestellt werden, weil es keine Informationen über Ankunftszeiten gibt", berichtete Schmidt in der Sendung. Spätestens gegen Mitternacht müssten sich dann oft die Ärzte verabschieden, "weil die morgens auch wieder in ihren Praxen gefordert sind".

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Das Ende vom Lied: Die DRK-Helfer harren meist bis 1.30 Uhr aus, nur um dann bisweilen zu erfahren, das doch kein Transport mehr ankomme. "Wir wissen nie, wie viele Menschen genau kommen und wann. Das heißt: Wir können überhaupt nicht planen", bemängelte Schmidt.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist hauptamtlicher Träger für acht Erstaufnahmestellen im Rheinisch- Bergischen Kreis, darunter auch die Einrichtungen in Dabringhausen, Schubertstraße und Dhünn in Wermelskirchen. 135 hauptamtliche Kräfte sind für all diese neuen Aufgaben zusätzlich eingestellt worden. Ohne die vielen Ehrenamtler würde jedoch gar nichts laufen, da sind sich alle einig.

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Ingeborg Schmidt sprach in der Sendung aber noch ein zweites Problem an, und das hat mit dem Softwareprogramm zu tun, das zur Verteilung der Flüchtlinge auf die einzelnen Bundesländer benutzt wird. Ironischerweise nennt sich das auch noch "Easy" (Englisch für "leicht", "einfach").

So manchem Flüchtling macht dieses Programm das Leben aber erst recht schwer: "Da sehen Sie mitunter zwei syrische Leidensgenossen, die von ihrem Heimatland aus über Tausende Kilometer gemeinsam den Weg nach Deutschland zurückgelegt haben", berichtete Schmidt. Und diese traumatisierten Menschen würden dann auseinandergerissen, nur weil das Programm es so bestimme und solche Besonderheiten nicht erfassen könne, erzählte die DRK-Chefin mit Tränen in den Augen. Hannelore Kraft wusste zu all dem verständnisvolle Worte beizusteuern, zur Problemlösung trug sie jedoch nicht viel bei. Die Landeschefin verwies stattdessen mehrfach auf die Zuständigkeit von Bundesbehörden - Die DRK-Helfer werden Ihre Probleme wohl so schnell nicht gelöst bekommen . . .

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Quelle: RP
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