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Wermelskirchen
Flüchtlinge in die Mehrzweckhalle Dhünn

Wermelskirchen: Flüchtlinge in die Mehrzweckhalle Dhünn
Wo im Dezember 2008 der Rat der Stadt tagte, sollen schon bald Flüchtlinge vorübergehend untergebracht werden: Die Mehrzweckhalle in Dhünn wird dafür in den kommenden Tagen und Wochen vorbereitet. FOTO: RPO
Wermelskirchen. Der Druck wird größer: Die Bezirksregierung hat die Stadt aufgefordert, weitere 70 Flüchtlinge aufzunehmen. Dafür muss die Mehrzweckhalle in Dhünn für den Schul- und Vereinssport geschlossen und entsprechend vorbereitet werden. Von Joachim Rüttgen

Die Sorgenfalten bei Bürgermeister Eric Weik, der am Dienstag seinen letzten Arbeitstag hat, werden größer. "Wir müssen schon wieder sehr spontan auf eine neue Anforderung der Bezirksregierung in Bezug auf die Flüchtlingsproblematik reagieren", sagte er am Montag in der Sitzung des Ältestenrates. Schon Donnerstagabend und im Verlauf des Freitages habe sich abgezeichnet, dass die Stadt weitere 70 Flüchtlinge aufnehmen soll. Für die Erstaufnahme muss deshalb eine weitere Halle geschlossen werden. "Weil es dort eine große Küche sowie Duschen und Toiletten gibt, ist das die Mehrzweckhalle in Dhünn", kündigte Weik an. "Dabei hatten wir gehofft, dass die 150 Plätze in der Mehrzweckhalle Dabringhausen und die 100 Plätze in den Hallen an der Schubertstraße ausreichen würden." Jetzt sei die Stadt gezwungen, bis spätestens Mittwoch 70 weitere Plätze zur Verfügung zu stellen.

Am Montag wurden deshalb die noch verbliebenen 114 Flüchtlinge von Dabringhausen in die Schuberthallen verlegt, mit einer Neubelegung im Dorf wird schon für Dienstag gerechnet. Eigentlich ist dort nur Platz für 150 Menschen, durch die zusätzliche Zuweisung werden vorübergehend 192 Menschen in Dabringhausen untergebracht und in der Schuberthalle statt geplanter 100 dann 114. Hier werden bis Donnerstag auch weitere Toiletten installiert. In Dhünn müssen nach Angaben des Beigeordneten Dr. André Benedict Prusa bis 9. November noch jede Menge Umbauarbeiten erfolgen.

Thema im Ältestenrat war auch die Bitte der Bezirksregierung, zu prüfen, ob öffentliche Plätze für große Zelte zur Verfügung gestellt werden können. "Das halten wir für die schlechteste Lösung, weil es im bergischen Winter sehr kalt werden kann und bei starkem Schneefall auch die Traglast der Zelte nicht gewährleistet ist", sagte Weik. In der Abwägung wolle man dann lieber eine weitere Halle schließen.

"Wir wissen, dass dadurch der Schul- und Vereinssport leidet, dennoch ist es uns wichtig, dass das kulturelle und sportliche Leben weitergeht", sagte er. Immerhin sei die Mehrzweckhalle Dhünn gerade auch für den Sport und den Karneval ein wichtiges Domizil. Deshalb der Vorschlag, vielleicht ein großes Zelt auf einem zentralen Platz aufzubauen, um dort Feiern auszurichten oder Sport zu treiben. "Sicher ist das eine noch unausgegorene Idee, aber wir wollen die Einschränkungen für die Bürger so weit wie möglich auffangen", sagte Weik. Mittelfristig könne eine Lösung auch darin liegen, Unterbringungsmöglichkeiten in Modulbauweise oder in Form von Containern zu errichten.

Nach seinen Erfahrungen wird es auch künftig keine Atempause geben, der Druck werde eher noch größer. Das sei aber kein Grund für Panik, denn die Stadt sei bestens aufgestellt. "Wir reden über eine Stadt, die das schaffen kann und deren Infrastruktur die Herausforderung meistern kann", sagte Weik. Die Stimmung sei gut, die Menschen hilfsbereit. Übereinstimmend wollen alle Fraktionen das Vorgehen der Stadt unterstützen. Allen ist aber wichtig, dass es Kultur und Sport auch künftig geben muss.

Der neue Bürgermeister Reiner Bleek, der morgen seinen ersten Arbeitstag hat, kündigte an, dass es neben schriftlichen Infos an Schulen und Vereine eine Infoveranstaltung für die Bürger in Dhünn geben wird. Viel Lob aus den Fraktionen gab es für die Arbeit der Verwaltung, die professionell und reibungslos die Flüchtlingsproblematik angehe und versuche, die Menschen würdig zu behandeln. "Das Signal an die Bevölkerung lautet, dass Verwaltung und Politik kreativ nach Lösungen suchen", hieß es im Ältestenrat.

Quelle: RP
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