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Wermelskirchen
Flüchtlinge nach Eichholz - Initiative kritisiert fehlende Transparenz

Wermelskirchen. Die Pfarrerin und Sprecherin der 2014 gegründeten Initiative "Willkommen in Wermelskirchen" von Christen für Flüchtlinge und Asylsuchende, Cornelia Seng, sieht die Integrationsarbeit in dieser Stadt auf einem guten Weg. Das machte sie auf der jüngsten Versammlung der Initiative deutlich. Annähernd 100 Besucher nahmen an diesem Treffen teil. Von Stephan Singer

Die aktuelle Diskussion um die Anzahl der Unterbringung von Flüchtlingen am Standort Eichholzer Straße kommentierte die Pfarrerin so: "Ein Grundstück in Stadtnähe hätte ich bevorzugt. Und mehr Transparenz von der Stadt im Vorfeld hätte ich mir gewünscht. Ich glaube aber nicht, dass das ein großes Problem wird. Der Standort kann Übergang für Notfallaufnahme sein." Entscheidend sei, dass das Prinzip bleibe, die Flüchtlinge schnell aus Sozialunterkünften in privaten Wohnraum weiter zu vermitteln. "Bisher hat es die Stadt so gemacht und es ist wunderbar geglückt." Und weiter: "Als Initiative reagieren wir auf Bedarf und schauen, wo Lücken sind. So stellen wir beispielsweise in Person von Bijan Golabi einen Ansprechpartner für die Wohnungen im ehemaligen 'Bitburger Hof', wo Flüchtlinge untergebracht sind. Natürlich können an der Eichholzer Straße für uns Aufgaben entstehen."

Seng wies auf die politischen Entwicklungen seit dem letzten Informationsabend im Oktober 2015 hin: "In den letzten Monaten ist viel von der Angst vor Überfremdung die Rede. Wir nehmen Menschen, die in ihren Heimatländern unverschuldet in Not geraten sind, freundlich und respektvoll auf. Wir lassen sie an unserem Leben teilnehmen. Willkommenskultur in diesem Sinne ist aber nicht nur ein innerchristliches Ding. Sie ist eine Verpflichtung unseres Grundgesetzes."

Flüchtlinge und Asylsuchende würden aber behördliche Maßnahmen und politische Regelungen oft als immer neue Hindernisse erleben, betonte Seng: "So erhalten zum Beispiel nach dem neuen Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz auch Menschen aus den Kriegsgebieten in Syrien und dem Irak nur noch subsidiären Schutz, statt einer Anerkennung, wie das bisher üblich war. Familienväter können ihre Familien damit nicht auf legalem Weg nachkommen lassen." Für die Pfarrerin ist nach wie vor klar: "Alle Menschen, die länger als ein halbes Jahr in Deutschland sind, sollten Zugang zu Sprachkursen und Arbeitsmöglichkeiten haben, die ihnen ein eigenständiges Leben ermöglichen und eine Zukunftsperspektive eröffnen."

Cornelia Seng weiß vom Hören-Sagen über Anfeindungen und Kritik, die sie und die Initiative mit ihrer deutlichen Haltung auslösen: "Ich bin im Netz nicht unterwegs. Das nehme ich nicht wahr." Für sie steht fest: "Es herrscht hier vor Ort großes Vertrauen in unsere Flüchtlingsarbeit. Es gibt sogar positive Worte von der AfD in Wermelskirchen über uns." Mit verschmitztem Lächeln unterstrich Seng: "Als sich der Widerstand gegen die Ansiedlung von Flüchtlingen an der Hilfringhauser Straße regte, haben mein Mann und ich überlegt, dorthin das 'Pfarramt West' zu legen, um ein Zeichen gegen diese Abwehrhaltung zu setzen."

Quelle: RP
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