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Wermelskirchen
Freies WLAN - Ausbau in der Stadt stockt

Wermelskirchen: Freies WLAN - Ausbau in der Stadt stockt
Seit 2012 engagiert sich Tobias Opitz für kostenfreies Internet in der Stadt. FOTO: Dörner (Archiv)
Wermelskirchen. Der Verein "Freifunk Wermelskirchen" engagiert sich seit 2012 für die städtische Versorgung mit kostenlosem Internet. Dabei stellen Privatpersonen und Unternehmen ihren Router öffentlich zur Verfügung. Zuletzt gab es jedoch Probleme. Von Merlin Bartel

Wo geht's noch gleich lang? Wie heißt der Ansprechpartner? Häufig ist in wichtigen Situationen das mobile Datenvolumen aufgebraucht. Für Wermelskirchener und Besucher der Stadt ist das kein Problem - dank Freifunk. Dieses WLAN-Netz ist kostenlos und benötigt weder einen Login noch die Angabe von Daten.

Der Startschuss der Frei-WLAN-Initiative erfolgte bereits vor mehreren Jahren: Zu der Zeit gab es eine Kooperation zwischen dem Stadtmarketing WiW ("Wir in Wermelskirchen") und den Freifunkern. Ihr Ziel war es, WLAN-Netze für alle Bürger zu öffnen. Zahlreiche Unternehmen in der Wermelskirchener Innenstadt beteiligten sich an dem Aufruf. Für kleines Geld konnten sie Router mieten oder kaufen - diese wurden anschließend für Passanten in der City geöffnet.

Auch im Rathaus wurde ein offener Router installiert. "Freifunk ist ein interessantes Thema, mit dem wir uns in Zukunft näher beschäftigen werden", sagt Florian Leßke, Leiter des Amts für Stadtentwicklung Wermelskirchen. "Die Stadt nimmt bei dem Projekt jedoch nur eine moderierende Rolle ein."

Freifunk gibt es in Wermelskirchen vor allem im Bereich der Innenstadt. "Im Schnitt liegt die Nutzerdichte täglich bei 200 bis 300", sagt Tobias Opitz von Freifunk Wermelskirchen. "Wir erheben keine Nutzerdaten, erfahrungsgemäß sind aber die Knoten am Markt am stärksten frequentiert." Auch in den Randgebieten bieten vereinzelt Privatpersonen Funk-Knoten an. "Die Betreiber entscheiden frei darüber, wann ihr Knoten in Betrieb ist und wann nicht", erklärt Opitz. Aus diesem Grund seien hundertprozentig aktuelle Aussagen nicht möglich. "Insgesamt ist die Abdeckung in Wermelskirchen aber zufriedenstellend", sagt er.

Opitz engagiert sich seit September 2012 für kostenfreies Internet in der Stadt. Außerdem ist er als Vorstandsmitglied im Verein "Verbund freier Netzwerke Nordrhein-Westfalen" aktiv. "Unser primäres Ziel ist es, ein Bewusstsein für die Bedeutung eines freien und ungefilterten Internetzugangs für alle zu schaffen."

Dieses Vorhaben wurde in weiten Teilen durch die Abschaffung der Störerhaftung im vergangenen Jahr erreicht. Durch diese Anpassung der Gesetzgebung haftet jemand, der sein privates WLAN-Netz für andere Nutzer öffnet, nicht mehr pauschal für deren Surfverhalten - ein wichtiger Schritt für die Freifunk-Community in ganz Deutschland.

Auch auf lokaler Ebene hat die Zusammenarbeit der Internet-Aktivisten mit Politik und Verwaltung gut funktioniert. "Deshalb gehe ich davon aus, dass das in Zukunft so fortgesetzt wird", sagt Tobias Opitz. Klare Wünsche für die Zukunft hat der Verantwortliche von Freifunk Wermelskirchen bereits: "Es wäre schön, wenn die Stadt die Kosten für ein eigenes Gateway übernehmen würde", sagt er.

Mit Hilfe eines solchen zentralen Einspeispunkts für alle Knoten im Stadtgebiet lassen sich die Übertragungsraten enorm steigern. Die Kosten liegen nach Angaben der Freifunker bei rund 1000 Euro pro Jahr. "Allerdings haben wir eine entsprechende Bitte noch nicht an die Politik herangetragen", sagt Tobias Opitz. "Dazu ist noch etwas Vorbereitung notwendig."

In der Wermelskirchener Politik haben zurzeit ohnehin andere digitale Themen Priorität: Der Fokus der Stadt liegt auf dem Breitbandausbau. In Dhünn haben die von der Telekom beauftragten Firmen den Breitbandausbau für fast 1000 Haushalte abgeschlossen. Laut Plan sollen die Arbeiten in Wermelskirchen mit 12.400 Haushalten bis Mitte Dezember, in Dabringhausen mit 2400 Haushalten bis Mitte Januar abgeschlossen sein.

"Unser Ziel ist es, das gesamte Stadtgebiet mit zeitgemäßer Internetgeschwindigkeit zu versorgen", sagte Florian Leßke vom Amt für Stadtentwicklung. Dennoch werde es auch nach Abschluss der Arbeiten unterversorgte Bereiche geben.

Zuletzt ist es ruhig um die Freifunker in Wermelskirchen geworden. "Der Ausbau des WLAN-Netzes stagniert, da es mir an technisch versierten Mitstreitern fehlt", erklärt Opitz. Deshalb postete er Ende September auf der Facebook-Seite der Gruppe eine Stellenanzeige für technische Helfer - mit Erfolg. "Es gab einige Interessenten", sagt Tobias Opitz. "Daher bin ich zuversichtlich, dass das Netz nächstes Jahr wieder wachsen wird."

Quelle: RP
 
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