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Wermelskirchen
Für die Schuldnerberatung der Awo werden die Zeiten unsicherer

Wermelskirchen. Das Signal der Stadt ist positiv: Die Schuldnerberatung der Awo in Wermelskirchen soll bestehen bleiben - und zwar für alle Ratsuchenden, die sich an die Beratungsstelle wenden. Das machte der Sozialausschuss mit einem einstimmigen Votum ganz klar deutlich. Und doch: Für die Mitarbeiterinnen der Schuldnerberatung stehen in jedem Fall große Veränderungen ins Haus.

Angestoßen wurde dieser Prozess vom Kreis. Der finanziert seit einer neuen Gesetzgebung 2005 die Beratung für Menschen, die sich bereits im Leistungsbezug befinden oder unter die offizielle Grenze zur sozialen Bedürftigkeit fallen.

Das bedeutet konkret: Die Beratung aller Kunden, die Arbeitslosengeld oder Hartz IV bekommen oder darüber hinaus als sozial bedürftig eingestuft werden bezahlt der Kreis. Bei der Gründung der Awo-Schuldnerberatung allerdings wurde ausdrücklich erklärt: Auch Menschen, denen die Insolvenz droht oder die sich in der Abwärtsspirale befinden und Beratung wünschen, sollen diese bei der Schuldnerberatung finden.

Das kostete Geld, und dafür kam bisher die Stadt auf. Die Kosten der Schuldnerberatung, die am Ende des Monats nicht vom Kreis gedeckt waren, übernahm die Stadt. Soweit die Vereinbarung.

Dann initiierte der Kreis ein Interessenbekundungsverfahren: Alle Anbieter von Schuldnerberatungen sollten ihr Angebot einreichen. Pro forma kündigte die Stadt den Vertrag mit der Awo zum Ende des Jahres, um die Ausschreibung möglich zu machen - signalisierte aber gleichzeitig großes Interesse, weiter mit der Awo zusammenzuarbeiten. Dieses Interesse bestätigte nun auch der Sozialausschuss.

"Eine negative Entscheidung würde das Ende der Schuldnerberatung bedeuten", machte Insolvenzberaterin Jutta Paulig im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Mit den Geldern des Kreises könne die Beratungsstelle nicht überleben. So positiv die Zeichen der Stadt auch gedeutet werden können, mit dem Anstoß des Kreises hat für die Schuldnerberatung bereits ein denkwürdiger Veränderungsprozess begonnen: Denn selbst wenn die Stadt im Boot bleibt, soll künftig pro Kunde abgerechnet werden. Die Deckelung durch die Stadt sei laut Jutta Paulig und Kollegin Constanze Hempel nicht mehr vorgesehen.

Die Mittel für die Beratungsstelle werden also wohl knapper, die Zeiten unsicherer. "Wir werden sehen müssen, ob die Beratungsstelle mit dem neuen Abrechnungsmodell erhalten bleiben kann", sagt Hempel. Die Arbeit der Schuldnerberatung ändere sich auf jeden Fall, ergänzt die Beraterin. Der Verwaltungsaufwand werde viel höher, die Zeit für die Kunden deswegen knapper. "Aber genau das war uns ja immer wichtig", betont Hempel, "wir haben uns für jeden Kunden so viel Zeit genommen, wie er gebraucht hat." So sind die Sorgen nicht ausgeräumt - trotz des positiven Signals.

(resa)
 
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