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Wermelskirchen
Gastmann auf Lesereise über die weißen Flecken auf der Erde

Wermelskirchen: Gastmann auf Lesereise über die weißen Flecken auf der Erde
Dennis Gastmann nahm das Publikum mit auf eine Reise um die Welt. FOTO: Katt
Wermelskirchen. Wenn jemand eine Reise unternimmt, so kann er was erzählen. Der Journalist und Buchautor Dennis Gastmann saß locker auf dem "Erzählsessel" der Katt, nahm hin und wieder einen Schluck aus der Flasche und erzählte. Mitgebracht hatte er sein Buch "Atlas der unentdeckten Länder". Daraus las er vor, aber meistens erzählte er. Und das so kurzweilig und authentisch, dass die Besucher nicht nur ganz Ohr waren, sondern wie gebannt an seinen Lippen hingen. Von Bernd Geisler

Zwischendurch gab's auch ein paar Fotos und Videos - schließlich sagt ein Bild mehr als Tausend Worte. Aber die Bilder, die er allein durchs Erzählen im Kopf der Zuhörer erzeugte, genügten, mit ihm hautnah um die Welt zu reisen: "Mein Kopf hat es nicht begriffen, in einer Fototapete zu stehen", sagt er angesichts des Tahiti-Archipels. Die Beschreibung eines Mitreisenden ist kurz und knapp, aber sie reicht vollkommen: "Er hatte die Statur eines britischen Hooligans."

Ausgangspunkt seiner Reise(n) war die Frage: "Kann man die Welt neu kartografieren?" Gibt es noch Orte, die beinahe kein Mensch kennt und über die es sich lohnt, zu berichten? "Allemal", weiß Gastmann und nennt etwa die Insel Pitcairn: ein einsamer Felsen mitten in der Südsee, auf dem die Nachfahren der Meuterer von der Bounty leben. Diesen Felsen fährt das Schiff "Claymore" nur alle drei Monate an. Mit dem Flugzeug oder Hubschrauber dorthin zu gelangen, ist unmöglich. Gastmann hat die Wahl: Vier Tage auf der Insel bleiben und dann mit dem Schiff wieder zurückfahren oder drei Monate auf Pitcairn auf die Wiederkehr der Claymore warten. Nach den vier Tagen weiß er Bescheid: "Die Insel wird jeden Tag ein Stück kleiner." Drei Meilen in der Länge und eine Meile in der Breite und zwei Berge darauf bieten für einen längeren Aufenthalt nicht viel. Und die 40 Bewohner ebenso. Er schildert ihr hartes Leben. Es ist ein eingeschworenes Völkchen für sich. Sie leben am Rande der Gesetzlosigkeit - England, zu dem Pitcairn offiziell gehört, ist weit weg. So, wie Transnistrien von Moskau entfernt ist. Diese "letzte real existierende Sowjetrepublik" liegt irgendwo zwischen Moldawien und der Ukraine. Für Gastmann ein skurriles Land. Morgens wecken den Gast aus "Germania" russische Friedenssoldaten, die schießen, um in der Übung zu bleiben. Der Kalte Krieg hat hier nie aufgehört. Und es gibt hier das größte Flaschenmuseum der Welt. Gastmann erzählt davon und von dem sturzbetrunkenen Touristenführer, der einen Raum nach dem anderen mit Flaschen über Flaschen öffnet, dass man nie wieder eine Flasche sehen möchte. Es sei denn, sie ist voll und begleitet das Schmökern in Gastmanns Buch "Atlas der unentdeckten Länder".

Quelle: RP
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