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Wermelskirchen
Geist, Gemeinschaft und Gottvertrauen

Wermelskirchen. Pfarrer Traugott Schuller feiert morgen den 25. Jahrestag seiner Ordination. In der kleinen Gemeinde in Hilgen-Neuenhaus fühlt er sich wohl. An der Waffelstation ist Schuller in seinem Element. Von Theresa Demski

Wer Traugott Schuller nach den Anfängen fragt, nach der ersten Idee für seine berufliche Laufbahn, der erhält kein Zögern als Antwort. Auch keinen Bericht vom Aufwachsen im Pfarrhaus in Siebenbürgen. Traugott Schuller antwortet schnell: "Ich hatte als Jugendlicher eine Glaubenserfahrung, ohne die wäre ich diesen Weg nicht gegangen." Schließlich wusste er dank seines Vaters von dem unruhigen Leben im Pfarramt und von fehlenden Feierabenden. Aber damals als 16-Jähriger begann Traugott Schuller zu beten. "Und dann wusste ich: Gott ist da. Er hilft. Und ich will das vertiefen", sagt er.

Also schrieb er sich an der Uni ein: erst in Wuppertal, dann in Marburg, schließlich in Bonn. "Ich brauchte aber mehr als das verkopfte, wissenschaftliche Arbeiten", sagt er. Also wurde Schuller Teil der Michaels-Bruderschaft. Und hier erlebte er etwas, das ihn auch 25 Jahre nach seiner Ordination noch bewegt: geistliche Gemeinschaft. Genau darum gehe es ihm auch in der Gemeinde, um eine geistliche Heimat. Danach würden die Menschen suchen, und das habe die Kirche zu bieten. "Es geht nicht nur um tolle Veranstaltungen, nicht nur um ein bisschen Sozialarbeit", sagt Schuller. Am Anfang stehe die geistliche Gemeinschaft - und daraus erwachse dann das Leben in der Gemeinde.

Als Traugott Schuller vor 20 Jahren nach Vikariat und Probedienst in Kölner Gemeinden nach Hilgen- Neuenhaus kam, da fand er in der kleinen lutherischen Gemeinde an der Wermelskirchener Stadtgrenze genau diese Dinge. "Das passte einfach", sagt er. Und es passe immer noch. 1050 Gemeindeglieder gehören dazu, vergleichbar kleine Modelle gibt es in den Landeskirchen kaum noch. Und das verleiht der Gemeinde einen Seltenheitswert und prägt auch den Alltag.

"Bei uns ist es möglich, Beziehungen zu leben", sagt Traugott Schuller, "wir kennen uns, und wir erleben eine Gemeinschaft, die uns trägt." Entsprechend groß sei das ehrenamtliche Engagement. Schuller arbeitet mit einer 75-Prozent-Stelle. Geld für hauptamtliche Mitarbeiter gibt es nicht. "Mein Idealbild war es immer, dass die Aufgaben auf vielen ehrenamtlichen Schultern verteilt sind", sagt Traugott Schuller, "und dass jeder Mitarbeiter die geistliche Begleitung bekommt, die er braucht." Das funktioniere in Hilgen-Neuenhaus gut und bringe viele Projekte ans Licht - wie die Waffelstation am Radweg. Dann ist der Pfarrer in seinem Element. "Menschen sprechen uns dort an, warum wir heutzutage noch zur Kirche gehören", sagt er. Dann könne er antworten, das Gespräch suchen.

Das sei ohnehin sein Rezept im Gemeindeleben - auch wenn es um Ökumene mit den katholischen und freikirchlichen Gemeinden geht. "Wir können heute keinem mehr vermitteln, dass man nur sein eigenes Süppchen kocht", sagt er.

Ohnehin habe sich in 25 Jahren manches verändert. Das gelte für das Bild der Pfarrfamilie, aber auch für seine eigenen Prioritäten. "Ich habe manchmal die Zeit mit der Familie vernachlässigt", sagt er, "das ist heute anders." Montags hat er frei. Für seine Frau und die beiden Kinder, für einen Lauf durch den Wald oder für die Gitarre und die Musik.

Den Blick in die Zukunft scheut Schuller trotz Umstrukturierungen, trotz Demografie und Geldknappheit nicht: "Wir gehen mit Gottvertrauen."

Zum Festgottesdienst mit Empfang wird für morgen, Sonntag, 10.30 Uhr, nach Hilgen-Neuenhaus eingeladen.

Quelle: RP
 
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